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Regional Weggespülte Träume, Panik-Pendler und Indiana Jones auf dem Bau
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16:22 10.01.2018
Justin Timberlake als Mickey in einer Szene des Films "Wonder Wheel" Quelle: Warner Bros Pictures
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Göttingen/Duderstadt

Ist schon wieder ein Jahr rum? Muss wohl so sein, denn wenn etwas so sicher ist wie das Silvesterfeuerwerk, dann ein Woody-Allen-Film pro Jahr – und der liegt mit „Wonder Wheel“ jetzt vor. Es handelt sich um den 47. (andere Zählungen sind bei Nummer 46), bei dem Allen für Regie und Drehbuch gleichermaßen verantwortlich zeichnet.

Der New Yorker Filmemacher erscheint inzwischen wie ein guter, alter Bekannter, mit dem man alle Jahre wieder zum Kinobesuch verabredet ist. Das Treffen kommt garantiert zustande, ohne dass man sich eigens einen Vermerk im digitalen Kalender machen müsste – über den Allen sowieso nicht verfügt. Seine Drehbücher verfasst er immer noch auf einer uralten Olympia-Schreibmaschine, die er seit seinem 16. Lebensjahr benutzt.

Dieses Mal ist der mittlerweile 82-jährige Allen zu Hause in New York geblieben, seine ausgiebige Europatournee mit Filmen wie „Vicky Cristina Barcelona“, „Midnight in Paris“ oder „To Rome with Love“ hat er offenbar endgültig beendet. Gereist ist er aber wieder in die Vergangenheit – so wie schon in seinem vorigen Film „Café Society“ (in die Studioära im Hollywood der 1930er- Jahre) und auch in der zwischendurch für den Streamingdienst Amazon entstandenen TV-Serie „Crisis in Six Scenes“ (in die Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg in den Sechzigern), der nun auch „Wonder Wheel“ produziert hat.

Ein sehnsuchtsvolles, warmes Licht liegt über diesem Film (Kamera: Vittorio Storaro), aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Dies ist Allens bitterstes Werk seit Langem. Es erzählt von zerbrechenden Lebensträumen. Die Geschichte spielt in den Fünfzigern und an einem Schauplatz, der verblassenden Glanz ausstrahlt: auf Coney Island. Hier am südlichsten Zipfel von Brooklyn direkt an der Atlantikküste strömten die Menschen seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergnügungsparks zu Schießbuden, Riesenrädern und Achterbahnen. Die beste Zeit liegt schon hinter dem Ausflugsort, als wir Ginny (Kate Winslet) dort treffen. Auch sie ist von Lebensspuren gezeichnet.

Ginny war mal Schauspielerin, aber dann ging wegen eines vermaledeiten Seitensprungs ihre Ehe in die Brüche. Der schnell missgestimmte Karussellbetreiber Humpty (Jim Belushi) fischte sie mitsamt ihrem psychisch angeschlagenen Sohn auf, als sie im Alkoholnebel verloren zu gehen drohte. Sie ist Humpty dankbar, aber kann Dankbarkeit auf Dauer Liebe ersetzen? Ginny mag weder Baseball noch Angelausflüge, und mehr kann Humpty ihr nun mal leider nicht bieten.

Juno Temple als Carolina in einer Szene des Kinofilms "Wonder Wheel". Quelle: Warner Bros.

Ginny serviert in einem Meeresfrüchte-Imbiss Austern, aber sie träumt noch immer von Romantik und Bühnenkarriere. Sie fühlt sich, als spiele sie eine Rolle in einem fremden Leben. Und da kommt Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) von Strandabschnitt Nummer 7 ins Spiel – ein verhinderter Dichter, von denen Allen schon ein paar zu viele in seinen Filmen untergebracht hat, am schönsten vielleicht in „Bullet over Broadway“, in dem ein Krimineller tatsächlich über brillantes Schreibtalent verfügt.

Mickey verdingt sich als Erzähler der eigenen Geschichte und spricht direkt in die Kamera. Für ihn ist Ginny ein verlockender Sommerflirt, für sie soll der viel jüngere Mann der Ausweg aus ihrer immer schwerer zu ertragenden Misere sein.

Das kann nicht klappen, erst recht nicht, als plötzlich auch noch Humptys erwachsene Tochter Carolina (Juno Temple) auftaucht und Unterschlupf bei ihrem Vater sucht. Sie wird verfolgt von der Mafia, mit der sie sich – aus Liebe zu einem Gangster – eingelassen hat. Wie könnte es anders kommen in einem Film von Woody Allen: Bademeister Mickey verguckt sich in die viel jüngere Carolina.

Viele Versatzstücke treiben durch diesen Film, mit denen Woody Allen schon seit einem halben Jahrhundert hantiert – die Beziehung zwischen Zufall und Schicksal wie etwa in „Match Point“ oder die Vermengung von Wirklichkeit und Fiktion wie in „The Purple Rose of Cairo“. Funken schlagen kann Allen nicht mehr aus solchen Ansätzen, dafür fehlt ihm die erzählerische Kraft – und doch steckt in „Wonder Wheel“ mehr Leben und Leidenschaft als in vielen Allen-Filmen der vergangenen Jahre.

Zuallererst ist das Kate Winslet zu verdanken. Verhärmt sieht ihre Ginny zu Beginn aus. Doch auf wunderbare Weise werden wir Zeuge, wie diese Frau innerhalb von gut eineinhalb Kinostunden erst auf- und dann wieder verblüht. Allen verkneift sich die üblichen verbalen Gags, die jeden echten Schmerz unglaubwürdig machen würden, nur einen nicht: Als Ginnys 40. Geburtstag naht und als „Meilenstein“ bezeichnet wird, da feuert sie zurück: „Meilenstein? Grabstein!“ Ansonsten lässt er Kate Winslet so viel Raum, dass man die Tragik spüren kann, die diese Frau umweht.

Kate Winslet als Ginny und Justin Timberlake als Mickey in einer Szene des Films "Wonder Wheel" Quelle: Warner Bros Pictures

Irgendwann sagt die schwer angeschlagene Ginny, dass man mit zunehmendem Alter bereit sei, Fehler anderer zu tolerieren. Wie es um die eigenen steht, sagt sie nicht. Ob man will oder nicht: In diesem Augenblick denkt man auch an den Regisseur selbst, dessen Leben in den vergangenen Jahren von innerfamiliären Missbrauchsvorwürfen überschattet ist.

PS: Woody Allen arbeitet bereits an seinem nächsten, wie stets noch titellosen Film. Elle Fanning, Jude Law und auch die Sängerin Selena Gomez spielen darin mit. tosch

„Wonder Wheel“, Regie: Woody Allen, 101 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen

Keine Panik, Pendler – „The Commuter“

Auch mit seinen schlappen 65 Lebensjahren ist Liam Neeson glaubwürdig als Actionheros. Während andere sich im Fitnessstudio ihre imposante Muskelpracht mühsam antrainieren müssen, umgibt den hochgewachsenen Iren mit der markant gebrochenen Nase eine gewisse Natur-Coolness. Auch wenn die Heldenrollen noch so lausig geschrieben sind, Neeson stattet seine Figuren stets mit einer unumstößlichen Integrität aus. In Jaume Collet-Serras „The Commuter“ spielt er einen klassischen Jedermann, der – unter Druck geraten – über sich selbst hinauswächst.

Seit zehn Jahren pendelt sein Michael MacCauley jeden Tag mit dem Vorortzug nach Manhattan, wo er sich als Versicherungsmakler verdingt. Das Geld reicht gerade so, um das Haus abzubezahlen und dem Sohn das Studium zu finanzieren, nachdem die familiären Ersparnisse beim letzten Bankencrash flöten gegangen sind. Aber dann wird Michael von einem Tag auf den anderen gekündigt, und als er abends an der Grand Central in den überfüllten Zug steigt, setzt sich eine Frau (Vera Farmiga) neben ihn. „Was für ein Mann sind Sie?“, fragt sie ihn und bietet ihm eine große Summe für eine kleine Gefälligkeit an.

Vera Farmiga als Joanna und Liam Neeson als Versicherungsmakler Michael MacCauley Quelle: StudioCanal

Er soll eine Person im Zug ausfindig machen, von der nur der Name und das Reiseziel bekannt sind und in deren Tasche sich etwas von großer Wichtigkeit befinde. Schließlich habe Michael doch früher als Cop gearbeitet und sei zügige Ermittlungsarbeit gewohnt. Um den Rest würden sich dann andere kümmern. Zum Rekrutierungsangebot gesellen sich noch Drohungen gegen Frau und Kind. Widerstrebend lässt sich Michael auf den Deal ein und macht sich im Zug auf die Suche.

Nahezu in Echtzeit inszeniert Collet-Serra seinen Thriller, erinnert an Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ und wärmt eigene Rezepturen wieder auf. In „Non Stop“ hatte er Neeson vor drei Jahren als Airmarshal auf einem Transatlantikflug gegen einen erpresserischen Mörder antreten lassen. War dort die klaustrophobische Enge des Flugzeugs das treibende Moment, ist es nun die strikte Gleisgebundenheit des Zuges, die den Wettlauf mit der Zeit in Gang hält.

Gleichzeitig vermittelt das Setting der Waggons, die sich von Station zu Station allmählich leeren, auch eine kammerspielartige Intensität. In allererster Linie ist „The Commuter“ jedoch ein Film, der ununterbrochen in Bewegung ist. Schon die Eingangssequenz, in der die Entwicklungen und Veränderungen im redundanten Leben des Pendlers fluide aneinandergeschnitten werden, ist ein Bekenntnis zum Bilderrausch, der schneller und mehr erzählen kann als ausgetüfftelte Handlungskonstruktionen.

Und so ist es neben Neesons erdiger Performance vor allem die pure kinetische Energie, die den Film über so manche Ungereimtheit im Verschwörungsplot souverän hinwegträgt und dieses klassische Genrewerk zu einem überaus spannenden Sehvergnügen werden lässt.

„The Commuter“, Regie: Jaume Collet-Serra, 104 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Indiana Jones auf dem Bau – „Tad Stones

Der Bauarbeiter Tad Stones wäre gern Archäologe. Die von ihm verehrte Archäologin Sara wird vom Millionär Jack Rackham entführt, der mit ihrer Hilfe die drei Teile einer Halskette finden will. Der Schmuck befähigte den legendären König Midas, alles in Gold zu verwandeln, was er berührte.

Nicht von ungefähr erinnert der Name des Helden, der im Original Tadéo Jones heißt, an einen berühmten Kinokollegen. Und wie Steven Spielberg in seinen „Indiana Jones“-Filmen kombinieren auch die „Tad Stones“-Macher Abenteuerlust mit Action, Spannung und Spaß.

Tad Stones und das Geheimnis von König Midas“, Regie: David Alonso, Enrique Gato, 94 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen

Von Ulrich Schubert

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