Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Kinostarts der Woche für Göttingen und die Region
Nachrichten Kultur Regional Kinostarts der Woche für Göttingen und die Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:01 13.03.2019
David Kross als Bert Trautmann in dem Film "Trautmann", der am Donnerstag (14.03.2019) in die Kinos kommt. Quelle: epd
Anzeige
Göttingen

Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos der Region:

Fußball, Fußball über alles

Zumindest für einen sekundenkurzen Augenblick sickert das reale Grauen in diesen Spielfilm ein: Die deutschen Kriegsgefangenen in England werden verdonnert, sich Aufnahmen von ausgemergelten Leichen anzuschauen. Aufgenommen sind die dokumentarischen Bilder in einem Konzentrationslager, wohl in Bergen-Belsen. Sie sollen den Soldaten die Augen öffnen über die Verbrechen, die Deutsche im Zweiten Weltkrieg begangen haben – falls die Gefangenen nicht sowieso daran beteiligt waren.

Anzeige

Schweigend blicken die Männer in Marcus H. RosenmüllersTrautmann“ auf die ruckeligen Szenen – und wir Kinozuschauer blicken ihnen gewissermaßen über die Schultern. Dann wendet sich der Kamerablick schnell wieder ab von der provisorisch in einem Kriegsgefangenenlager nahe Manchester aufgebauten Leinwand. So weit zur Wirklichkeit.

Das Einzige, was wir darüber hinaus in „Trautmann“ von den Verbrechen der Deutschen zu sehen bekommen, ist diese Spielszene: Ein Wehrmachtssoldat irgendwo an der Ostfront will einen ukrainischen Jungen hinterrücks erschießen, um ihm einen Fußball abzunehmen. In Rückblenden erinnert sich Bernd Trautmann (David Kross), der später gefeierte Torhüter und momentane Kriegsgefangene bei Manchester, wieder und wieder an dieses traumatische Erlebnis. Er stand ein paar Meter daneben.

Kann man hier von etwas anderem als von einer Verniedlichung der Historie sprechen? Der echte Trautmann war drei Jahre lang Soldat an der deutschen Ostfront. Der Auftrag seiner Einheit lautete, die Versorgungswege der sowjetischen Armee zu unterbrechen. Er dürfte nur wenig mit fußballspielenden Kindern zu tun gehabt haben.

Man muss es wohl Feigheit vor der Vergangenheit nennen, wie Rosenmüller hier die deutschen Verbrechen verharmlost. Der Regisseur will uns Kinozuschauern partout nicht die gute Laune verderben in seinem Film über einen deutschen Helden in England. Hier geht es schließlich um Versöhnung. Fortan singt Regisseur Rosenmüller, bekannt für moderne bayerische Heimatfilme („Wer früher stirbt, ist länger tot“), ein Loblied auf die völkerverbindende Kraft des Sports. Da ist in Trautmanns Fall ja auch viel dran – auch wenn der Regisseur so viel Patina über sein Werk ausbreitet, als hätte er Rosamunde Pilcher als Koautorin gehabt. Bernd Trautmann, Träger des „Eisernen Kreuzes Erster Klasse“, steigt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Tor von Manchester City zum Fußballstar auf. Ein Todfeind als Torwartheld. Eben noch muss der renitente Trautmann (David Kross) die Latrinen im britischen Gefangenenlager schrubben, da wird er auch schon von dem lokalen Fußballtrainer Jack Friar (John Henshaw) als Riesentalent entdeckt. Allen Widerständen in der Mannschaft und auch in der eigenen Familie zum Trotz stellt Jack den jungen Deutschen zwischen die Pfosten. Es gibt schließlich nichts Wichtigeres als den Kampf seiner Dorftruppe gegen den drohenden Abstieg. Fußball, Fußball über alles.

Ein deutscher Keeper gewinnt die Herzen der Briten: Bernd Trautmann

Im Alter von acht Jahren wurde der gebürtige Bremer Bernd Trautmann (1923–2013) Fußballer bei TuRa Bremen. Sportiv in vielen Disziplinen, war er bei den Reichsjugendspielen im Berliner Olympiastadion Zweiter in den Disziplinen Weitsprung, 60-Meter-Lauf und dem – die Zeiten waren noch martialisch – Granatenwerfen (keine echten).

Im Zweiten Weltkrieg desertierte Trautmann nach der Bombardierung von Kleve, wurde gefangen genommen. Im Lager in England fanden Fußballspiele statt. Als kein Torwart da war, wechselte Mittelfeldspieler Trautmann in den Kasten – ein Naturtalent. Die Engländer nannten ihn Bert – Bernd ging ihnen nur schwer über die Lippen.

Eine Repatriierung lehnte Trautmann ab und blieb in England, wo er von 1948 an beim St. Helens Town AFC die Herzen der Briten eroberte. „Wie er sich den Ball aus der Luft schnappte, wie er hechtete, das war schon spektakulär“, schrieb die „St Helens Newspaper“. Die Erstligaklubs standen bald Schlange – Manchester erhielt den Zuschlag. 1952 scheiterte ein Wechsel nach Deutschland am Geld. Manchester wollte 20 000 Pfund Sterling, Schalke bot gerade mal 1000 Pfund.

Legendär war das FA-Cup-Finale von 1956. Drei Tage nach einer Nackenverletzung zeigte ein Röntgenbild, dass Trautmann sich das Genick gebrochen hatte. Fünf Monate wurde er eingegipst. 1964 beendete er seine aktive Karriere.

Rosenmüller lässt nicht den Hauch eines Zweifels zu: Dieser Trautmann ist ein guter Deutscher. Er hatte nur das Pech, in die falsche Zeit geboren worden zu sein und sich als 17-Jähriger freiwillig zur Luftwaffe gemeldet zu haben. Das sieht schließlich sogar des Trainers eben noch so abweisende Tochter Margaret (Freya Mavor) so: Sie ergibt sich dem jungenhaften Charme Trautmanns, der nur im Moment des Fußballspiels alles andere vergessen kann. Bis zum Überdruss sehen wir Trautmann auf verschlammten Plätzen nach dem Ball hechten. Todesmutig wirft er sich anrennenden Stürmern in den Weg (was tatsächlich seine Spezialität war). Herrlich amateurhaft sieht der Sport aus (aber auch das war vermutlich so).

Dann schaut der Trainer von Manchester City auf dem Dorfplatz vorbei und lädt den Keeper zum Probespiel ein. Bernd Trautmann steigt zum Nationalhelden auf, geehrt von der Queen für die englisch-deutsche Verständigung durch Fußball und gefeiert von den Manchester-Fans als bester Spieler aller Zeiten. Der sportliche Höhepunkt: Trautmann führt sein Team 1956 mit gebrochenem Genick zum Pokalsieg. Wie ein Stehaufmännchen zwingt sich der schwer Angeschlagene immer wieder zu rettenden Paraden.

Regisseur Rosenmüller kehrt die Konflikte um den umstrittenen Deutschen nicht unter den Fußballrasen: Anfangs protestierten Tausende gegen den Torwart aus Deutschland („Traut the Kraut“). Doch dann beginnt hier der schier unaufhaltsame Aufstieg des Torwarts, und alles wird gut.

Was zählt, ist auf dem Platz. Und für alle, die es immer noch nicht begriffen haben, ruft Trautmanns Ehefrau bei einer Vereinsversammlung aus: „Er bemüht sich, die Vergangenheit zu bewältigen.“ Falls Bernd Trautmann das doch nicht ganz gelungen sein sollte: Rosenmüller holt es jetzt im Kino nach.

Trautmann“, Regie: Marcus H. Rosenmüller, mit David Kross, John Henshaw und Freya Mavor, 120 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden

Wenn Druiden müde werden

Wer kennt sie nicht, die tapferen Gallier, die sich 50 Jahre vor Christus nicht von den Römern unterkriegen ließen? Die 1959 von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffenen Comicfiguren Asterix und Obelix haben in bisher 37 Alben und 14 Filmen (Real-, Zeichentrick- und Animationsfilmen) nichts an Charme und Chuzpe eingebüßt. Sie unterhalten Jung und Alt.

Nach dem am Computer entstandenen „Asterix im Land der Götter“ folgt nun der neue Coup des Regieduos Alexandre Astier und Louis Clichy, eine originär von ihnen entwickelte Geschichte. Diesmal sind nicht die mit Waffen rasselnden dummen Römer das Problem, sondern der gallische Dorfdruide Miraculix. Er will in Rente und geht gemeinsam mit Asterix und der kleinen cleveren Vitrine auf die Suche nach einem jungen Nachfolger, der seinen Platz als Zaubertrankkoch übernehmen soll.

Die Aspiranten mit Namen wie Selfix oder Technofix sind durchweg unfähig, und im Hintergrund spinnt der böse Dämonix eine Intrige, um an das Zaubertrankrezept zu kommen. Mit Action hält das Abenteuer bei Laune, die neu eingeführte Figur der Vitrine könnte jüngere Zuschauer und vor allem Mädchen anlocken und Miraculix vielleicht beerben. Ein weiblicher Druide, das wäre doch mal was.

Dass die Kombination von bester Technik und französischem Witz funktioniert, liegt an Clichy, der nach Jahren beim Pixar-Studio in USA die dortige Routine gegen die Lust an europäischer Freiheit tauschte.

„Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“, Regie: Alexandre Astier und Louis Clichy, 85 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central Lichtspiele Herzberg am Harz

Im Nebel des Nichtwissens

Der 80-jährige Dolmetscher Ali Ungár stößt auf ein Buch eines einstigen SS-Offiziers und entdeckt darin, dass dieser Alis Eltern hingerichtet hat. Bei seiner Rachemission findet er aber nur noch den Sohn des SS-Offiziers: Georg, einen Lehrer im Ruhestand. Dieser ist dem überraschenden Besuch gegenüber erst abweisend eingestellt, sieht dann aber die Chance, den dunklen Teil seiner Familiengeschichte endlich aufzuarbeiten. Die beiden beginnen eine Reise durch die Slowakei, auf der Suche nach noch lebenden Zeitzeugen und ihren Nachkommen.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie hier.

„Der Dolmetscher“, Regie: Martin Sulík, mit Peter Simonischek, Jiri Menzel, Zuzana Mauréry, 113 Minuten, FSK o.A., Lumière Göttingen

Von Stefan Stosch und Margret Köhler

12.03.2019
12.03.2019
Osterode 36. Walkenrieder Kreuzgangkonzerte - Vielfältiges Programm mit Staraufgebot
12.03.2019
Anzeige