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15:27 20.12.2017
Elyas M'Barek als Lenny und Philip Schwarz als David in dem Film "Dieses bescheuerte Herz". Quelle: epd
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Göttingen

Wunschliste fürs kurze Leben

Ich räum’ das morgen auf, okay?“, sagt der Sohn zum Vater, nachdem er den Luxuswagen im hauseigenen Swimmingpool versenkt hat. Lenny Reinhard (Elyas M’Barek) ist ein verwöhntes Arztsöhnchen: Studium abgebrochen, jeden Abend Party und Kreditkarte mit Zugang zu Papas prallem Konto.

Aber damit soll nach dem Unterwasser-Parkmanöver endlich Schluss sein. Papa (Uwe Preuss) dreht den Geldhahn zu und verlangt, dass sich der Sohn um einen 15-jährigen Patienten kümmert, der seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler leidet. Wie Falschgeld steht Lenny in seiner schwarzen Designer-Lederjacke im Kinderhospiz, wo David (Philip Noah Schwarz) tagsüber betreut wird und Schulunterricht bekommt.

„Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht?“, sagt Lenny sichtlich empört. Warum soll man zur Schule, wenn man sowieso bald stirbt? Solche unsensiblen Sprüche gefallen David, der von seiner alleinerziehenden Mutter Betty (Nadine Frietz) zeit seines Lebens überfürsorglich betreut wurde. Wie vom Vater aufgetragen, lässt Lenny seinen neuen Schützling eine Wunschliste schreiben. Da stehen Wünsche drauf wie „Einen Sportwagen fahren“, „Eine Frau nackt anschauen“ oder „Ein Mädchen küssen“.

Da Lenny sich ja dem Erwachsenwerden bisher erfolgreich entzogen hat, sind ihm die Wünsche des Jungen nicht fremd. Das Auto des Nachbarn für eine Spritztour klauen – so was hat der Münchner Lebemann drauf. Nur mit der Verantwortung hapert es noch ein bisschen, wenn David wieder einmal umkippt und die Sauerstoffflasche unauffindbar ist. Aber das wird schon noch.

Denn auch wenn Marc Rothemunds „Dieses bescheuerte Herz“ auf „wahren Begebenheiten“ beruht, die Daniel Meyer und Lars Amend in ihrem gleichnamigen Buch festgehalten haben, sind die Gleise einer rührseligen Läuterungsdramturgie hier gut sichtbar verlegt. Wer sich irgendwie an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, dürfte nicht ganz falsch liegen. Natürlich bereichern sich geplagter Herzpatient und verwöhnter Sohn gegenseitig, und das Helfen hilft dem Helfer, ein wenig Sinn in sein Lasterleben zu bringen. Wirkliche Konflikte kommen beim Aufeinanderprallen der beiden Lebenswelten nicht auf, und dass Deutschlands Sympathieträger Nummer eins Elyas M’Barek im Grunde ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck ist, haben wir geahnt.

M’Barek spielt die Rolle mit seiner typischen Mischung aus Coolness und Grundwärme. Klar schaut man ihm dabei gern zu. Aber durch seine enorme Popularität ist er auch schon zu einer Marke geworden, die keine Risiken eingeht, um die Kundschaft nicht zu vergraulen. Das überschaubar strukturierte Drehbuch von Maggie Peren und Andi Rogenhagen scheint ohnehin an der Reifung des Arztsohnes deutlich mehr interessiert zu sein als am Schicksal des herzkranken Jungen.

„Dieses bescheuerte Herz“, Regie: Marc Rothemund, 104 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Neue Schauburg Northeim, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz, Schiller Lichtspiele Hann. Münden

Teenager in abgefahrenen Avataren

Im Kinofilm „Jumanji“ tauchte 1995 ein Häuflein Menschen in eine Urwald-Brettspielwelt ab. Magisches Kino mit Robin Williams und Kirsten Dunst, mit Action, Witz und ein wenig Melancholie. Die Zeit hat Joe Johnstons Fantasyfilm inzwischen stark angeknabbert, die Dschungelbestien von einst wirken heute wie Billigfauna aus einem altmodischen Elektronikspiel. Voilà: 2017 verwandelt sich das „Jumanji“-Brett in ein actionreiches Videospiel.

Im Sequel „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ schlüpfen vier Teenagertypen im Spiel in physisch gegenläufige Avatare: Der Nerd Spencer (Alex Wolff) wird zum Muskelmann Bravestone (Dwayne Johnson), die hünenhafte Sportskanone Anthony (Ser’ Darius Blain) zu Bravestones kleinwüchsigem Gehilfen Moose (Kevin Hart), die graue Klassenmaus Martha (Morgan Turner) zur sexy Kung-Fu-Kämpferin Ruby Roundhouse (Karen Gillan) und die Cheerleader-Schönheit Bethany (Madison Iseman) zum dicklichen Professor Oberon (Jack Black). Um in die Wirklichkeit zurückzukehren, müssen sie ein Juwel finden, es zu einer Statue zurückbringen, einen Unhold und seine Schergen besiegen, einen Verlorenen retten. Mehr oder weniger die üblichen Videospielaufgaben.

Regisseur Jake Kasdan, Sohn des Regisseurs Lawrence Kasdan, inszeniert einen knallkomischen Film. Wie die ganz anders gearteten Teenieseelen mit ihren neuen Körpern klarkommen, wie die erwachsenen Schauspieler die ihnen innewohnenden Pubertierenden verkörpern, zieht dem Zuschauer die Mundwinkel knapp zwei Stunden lang bis fast hinter die Ohren. Hier wird mal Toleranz und Gemeinschaftsgeist gepredigt, ohne den Zuschauern damit auf die Nerven zu fallen. Melancholie Fehlanzeige. Aber sie wird nicht vermisst.

„Jumanji: Willkommen im Dschungel“, Regie: Jake Kasdan, 119 Minuten, FSK 12, Cinbemax Göttingen, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz, Schiller Lichtspiele Hann. Münden

Von Martin Schwickert und Matthias Halbig

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