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16:16 05.06.2019
Jennifer Lawrence in "Dark Phoenix." Quelle: AP
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Göttingen

Die Kinostarts der Woche in Göttingen und der Region:

X-Men: Dark Phoenix

Tolle Rolle! Millionen Serienfans kennen Sophie Turner als Sansa Stark aus der Serie „Game of Thrones“. Als Jean Grey überzeugt sie auch in „X-Men: Dark Phoenix“ (Kinostart am 6. Juni). Turner ist eine Mutantin, die ihr inneres Chaos in den Griff bekommen muss.

Die muntere Mutanten-Truppe der „X-Men“ verstand sich schon lange, bevor die Avengers aus marktwirtschaftlichen Gründen in die Team-Bildung gedrängt wurden, als Kollektivunternehmen. Nicht die übernatürlichen Kräfte des Einzelnen, sondern das Zusammenspiel aller Beteiligten stand hier stets im Zentrum der Erzählung.

Ein Härtefall für die Mutantenschule

Die fehlende Fixierung auf eine strahlende Heldenfigur erlaubte es den Drehbuchautoren auch ihre Charaktere sehr viel widersprüchlicher anzulegen. Das Gefühl für die eigenen Kräfte und deren verantwortungsbewusste Kontrolle ist im X-Men-Universum die große Herausforderung für die Mutanten.

Das gilt auch und besonders für die neue Heldin Jean Grey (Sophie Turner), die von Charles Xavier (James McAvoy) als Härtefall in die Mutantenschule aufgenommen wurde und dort den Umgang mit ihren zerstörerischen Fähigkeiten gelernt hat. Nach „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ steht nun also auch bei den X-Men eine machtvolle weibliche Heldin im Zentrum.

Dabei hat das Franchise die Quotenpolitik eigentlich weniger nötig als andere, denn wie Raven (Jennifer Lawrence) zu Beginn richtig feststellt: „Es sind immer die Frauen, die euch den Arsch retten. Es ist an der Zeit, den Laden in X-Women umzubenennen“.

Eine widersprüchliche Frauenfigur

Als die Mutanten ins Weltall ausrücken, um die Astronauten einer angeschlagenen Raumfähre zu retten, gerät Jean in einen ominösen Solarstrudel, dessen Feuersturm sie auf wundersame Weise überlebt. Aber danach hat sie sich selbst und ihre Kräfte nicht mehr im Griff.

Wenn die Wut in ihr hoch kocht, treten feine leuchtende Risse in das Gesicht und mit einer kleinen Handbewegung kann Jean ein Einfamilienhaus in Schutt und Asche legen. Diese Wunderkräfte bleiben auch einer machthungrigen Alienfrau nicht verborgen, die sich des Körpers von Jessica Chastain (immer eine gute Wahl) bemächtigt hat.

Anders als die Kolleginnen Wonder Woman und Captain Marvel, die als geradlinige, moralisch integre Heldinnen agieren, ist Dark Phoenix eine deutlich widersprüchlichere Frauenfigur, die sich lustvoll ihrem Machtrausch hingibt und daraus immer wieder verkatert aufwacht.

Paraderolle für Sophie Turner

Sophie Turner (die Sansa Stark aus „Game of Thrones“) spielt ihre Figur als Getriebene, die eigene Kindheitstraumata aufarbeiten, mit den neu gewonnen Machtposition klar kommen und sich gegen außerirdische Vereinnahmung zur Wehr setzen muss.

Regisseur Simon Kinberg setzt in dieser „X-Men“-Folge mehr auf die inneren als auf die äußeren Kämpfe der Figur und auf die Konflikte, die sie im vorgefundenen weltlichen Machtgefüge auslöst. „Dark Phoenix“ ist kein überstürzter Anbiederungsversuch an die Me-Too-Ära, sondern eine moderat feministische Fortschreibung der Comic-Saga.

Hier werden keine eindimensionalen Powerfraumythen beschworen, sondern weibliche Machterfahrung als interessantes und widersprüchliches Konfliktfeld ausgelotet.

„X Men: Dark Phoenix“, Regie: Simon Kinberg, Darsteller: Sophie Turner, Jennifer Lawrence, Filmlänge: 114 Minuten, Altersfreigabe: ab 12

„Das Leben meiner Tochter“

Das Warten auf ein Herz wird unerträglich. Im Drama „Das Leben meiner Tochter“ (Kinostart am 6. Juni) macht Regisseur Steffen Weinert auf den Mangel an Spenderorganen aufmerksam – ohne Propaganda für Minister Spahns Widerspruchslösung zu werden.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie stirbt jedes dritte Kind, während es auf ein neues Herz oder eine neue Lunge wartet. Ein solches Schicksal droht auch der achtjährigen Jana Faber (Maggie Valentina Salomon). Im Urlaub mit ihrem Vater Micha (Christoph Bach) und ihrer schwangeren Mutter Natalie (Alwara Höfels) setzt plötzlich ihr Herz aus. Sie wird an ein Unterstützungssystem angeschlossen, braucht zum Überleben auf Dauer aber ein Spenderorgan. Durchschnittliche Wartezeit: acht Monate.

Als sich nach einem Jahr über Eurotransplant noch immer kein passendes Herz gefunden hat, wendet sich Micha entgegen der ausdrücklichen Warnung von Janas Ärztin und den Willen seiner Frau illegal an einen Organhändler in Rumänien ...

Sorgsam entwickeltes Drehbuch

Wie weit ist der Vater bereit zu gehen, um das Leben seiner Tochter zu retten? Auf diese Frage läuft in diesem Film letztlich alles hinaus. Dazu verschärft Regisseur und Autor Steffen Weinert Michas moralisch-ethisches Dilemma unaufhaltsam. Selbst die nach der Ankunft von Vater und Tochter in einem rumänischen Krankenhaus hinzukommenden Thriller-Elemente lenken nie vom eigentlichen Drama ab.

Überhaupt ist das Drehbuch sorgsam entwickelt. Es sensibilisiert für die Probleme, die sich aus dem Mangel an Spenderorganen ergeben, ohne den Zuschauer gleich in Richtung der von Gesundheitsminister Jens Spahn favorisierten Widerspruchslösung zu drängen. Es ist aber gut möglich, dass sich manch einer nach Sichtung des Films einen Spenderausweis zulegt.

„Das Leben meiner Tochter“ Regie: Steffen Weinert Darsteller: Christoph Bach, Alware Höfels Filmlänge: 92 Minuten Altersfreigabe: o. A.

Ramen Shop

Ein junger Meisterkoch bricht im Filmdrama „Ramen Shop“ von Japan nach Singapur auf – auf der Suche nach seinen Wurzeln. Ein Familiendrama, das Appetit macht auf die asiatische Küche.

Die Geschichte beginnt in einer Küche und endet auch an eben diesem Ort. Dazwischen wird auf bunten Märkten eingekauft, gebrutzelt und geköchelt, probiert und serviert, dass beim Zuschauen Hungergefühle aufkommen. In einer kleinen japanischen Stadt bringt es der junge Koch Masato (Takumi Saitoh) unter den Augen seines strengen Vaters zum Spezialisten für die traditionelle Ramen-Nudel-Suppe.

Nach dessen Tod entdeckt er beim Kramen in einem alten Koffer Hinweise auf die Liebesgeschichte seiner Eltern. Neugierig macht er sich auf die Reise nach Singapur, der Heimat seiner schon vor Jahren gestorbenen chinesischen Mutter. Gemeinsam mit einer Food-Bloggerin (Seiko Matsuda) erkundet er nicht nur Familiengeheimnisse, sondern auch die köstlichen Speisen des multiethnischen Insel- und Stadtstaates vor Malaysia.

Masato gewinnt die Liebe seiner Großmutter

Regisseur Eric Khoo ist überzeugt, dass Essen nicht nur die perfekte Schnittstelle zwischen den beiden Ländern bildet, sondern die unterschiedlichsten Menschen und Nationalitäten zusammenbringen und versöhnen kann. Und so gewinnt Masato nach langem Bemühen und perfekter Zubereitung der berühmten Schweinerippchen-Suppe Singapurs die späte Liebe seiner Großmutter, die ihm erst mit offener Abneigung begegnet.

Sie konnte es nie verwinden, dass ihre Tochter einen „Feind“ heiratete, hat sie doch selbst die Kriegsgräuel der japanischen Besatzer erlebt. Bis Toleranz und Vergebung in dem am Ende etwas sehr gefälligem Drama triumphieren, lernt man Singapur und seine Garküchen kennen, die Hektik der Metropole und die Meditation beim Kochen. Wer noch kein Freund der asiatischen Esskultur war, ist es nach dieser kulinarischen Reise auf jeden Fall.

Ramen Shop Regie: Eric Khoo Darsteller: Takumi Saitoh, Seiko Matsuda Filmlänge: 90 Minuten Altersfreigabe: 0

Zwischen den Zeilen

Affären in Zeiten der digitalen Revolution: Olivier Assayas‘ clevere Komödie „Zwischen den Zeilen“ stellt eine Zeitdiagnose in pfeilschnellen Dialogen.

So ein Vorwurf kann wohl nur in einer französischen Komödie laut werden: Da sitzt ein Buchautor im Hörfunkstudio und wird vom Moderator live in die Mangel genommen. Wie sei er nur auf die Idee gekommen, in seinem neuen Roman eine Blowjobszene ausgerechnet während einer Kinovorführung von Michael Hanekes Film „Das weiße Band“ anzusiedeln? Ob er, der Buchautor, denn nicht wisse, dass es in dem Film um den heraufziehenden Nationalsozialismus in Deutschland gehe? Und was wohl Regisseur Haneke von so einer Respektlosigkeit halten soll?

Der schluffige Autor Léonard (Vincent Macaigne) fügt sich brav der Rüge des Radiomoderators und gibt stotternd eine Inhaltsangabe des Haneke-Films zum besten. Es könnte allerdings gut sein, dass ihm die Attacke gar nicht so unlieb ist.

Die eigentliche Pointe behält Léonard für sich: Wie immer hat er in seinem Roman eine Episode aus seinem eigenen Liebesleben verbraten. Bloß spielte diese sich nicht im dunklen Kinosaal während eines Haneke-Films ab, sondern während des „Star Wars“-Abenteuers „Das Erwachen der Macht“.

Beteiligt daran war Selena (Juliette Binoche), die Frau seines Verlegers Alain (Guillaume Canet). Der Verweis aufs „Weiße Band“ sollte lediglich die Spuren verwischen. Vermutlich wäre der sexuelle Vorfall in einem Popcornfilm aus Hollywood nur halb so heftig geahndet worden.

In Frankreich wird die Hochkultur noch ernst genommen

In Frankreich wird die Hochkultur eben noch ernst genommen – und kann gerade deshalb das Thema für eine Komödie mit Substanz bilden. Der französische Regisseur und Drehbuchautor Olivier Assayas begibt sich in „Zwischen den Zeilen“ mitten hinein in den Kulturbetrieb und beschäftigt sich damit, wie die Digitalisierung unser aller Leben erfasst hat und wie schnell sich etwas ältere Zeitgenossen abgehängt von dieser Revolution fühlen können.

Filterblasen, Politikverdrossenheit, Shitstorms: All das spielt in seinen Film hinein. Manches wirkt allerdings schon wieder ein wenig überholt. Wer wundert sich heute noch darüber, dass jemand einen Roman auf dem Smartphone liest?

Anderes erscheint dagegen brandaktuell: Assayas’ Figuren sind eher Getriebene denn Handelnde. Wie die Transformation in der Literaturbranche erfolgreich vonstatten gehen soll, weiß niemand. Aber mancher tut hier so, als hätte er einen Plan.

Ein Verleger fürchtet die Übermacht des Internets

Der Verleger Alain ist von stiller Panik erfasst, ob er sich gerade als Totengräber des Buches betätigt und sich irgendwann der Übermacht des Internet geschlagen geben muss – er stellt sich der Herausforderung auf seine Art und beginnt eine Affäre mit seiner jungen Beauftragten für soziale Medien, die sein Unternehmen für die ungewisse Zukunft fit machen soll.

Daran hat sich offenbar nichts geändert in französischen Komödien, egal ob sie nun im digitalen Zeitalter spielen oder nicht. Letztlich machen die Beteiligten doch das, was sie immer schon gemacht haben: Sie verstricken sich in amouröse Affären. Beinahe jeder hat hier etwas mit jemand anderem laufen.

Obwohl – vielleicht liegen die Dinge doch ein wenig komplizierter: Spiegelt sich in der sexuellen Beliebigkeit womöglich die der postmodernen digitalen Welt? Hier wird eine Affäre ruckzuck begonnen und genauso schnell und ohne große Tragik wieder beendet. Die Dating-Portale lassen grüßen.

„Zwischen den Zeilen“ punktet durch pfeilschnelle Dialoge

Und giert nicht auch der dem Internet angeblich so gleichgültig gegenüberstehende Autor Léonard nach „Likes“ und „Klicks“ - wenn auch vielleicht der analogen Art?

Eingebettet ist diese Zeitdiagnose in pfeilschnelle Dialoge, in denen Beteiligte auch mal die Gegenmeinung von gestern einnehmen können. Es gibt nicht mehr so viel, an dem man sich festhalten kann. „Die Veränderungen der Welt haben uns fest im Griff. Nicht nur unsere Gesellschaft verändert sich, sondern auch unser tiefstes Wesen“, sagt Regisseur Assayas. Jeder müsse sich dazu verhalten.

Der auf internationalem Parkett gern gesehene Filmemacher – „Doubles Vies“, so der Originaltitel, lief in Venedig – hat sich schon immer für Umbrüche und Krisensituationen interessiert – siehe „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) wiederum mit Binoche als alternder Schauspielerin und Kristen Stewart als ihrer Assistentin oder auch die Gespenstergeschichte „Personal Shopper“ (2016), in der vermeintliche Geister eine Viertelstunde lang mit dem Handy chatteten (und zwar wiederum mit Stewart).

Assayas hat „Zwischen den Zeilen“ im Format Super 16 gedreht

Gedreht hat Assayas – und das ist im Zusammenhang mit diesem Filmthema auch ein Statement – auf analogem Filmmaterial, im Format Super 16.

Bei dieser gescheiten Komödie mag man dem Regisseur auch billige Gags verzeihen: Als gerade mal eine einträgliche Zukunft in Hörbuchern gesehen wird und nach einer prominenten Erzählstimme für Léonards Roman gesucht wird, fällt die Wahl auf wen? Genau: Juliette Binoche.

Die räkelt sich in der Rolle von Selena im Liegestuhl und verspricht, einen Kontakt zu Binoches Agentur herzustellen.

„Zwischen den Zeilen“, Regie: Olivier Assayas, mit Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Guillaume Canet, 107 Minuten, FSK 6

Von Martin Schwickert, Jörg Brandes, Margret Köhler und Stefan Stosch

Auf dem Gelände der zum Weltkulturerbe zählenden Grube Samson in St. Andreasberg ist eine Ausstellung zu sehen, an der zwei Göttinger Künstler beteiligt sind.

05.06.2019

Schlagersängerin Michelle gastiert am Dienstag, 8. Oktober 2019, mit ihrer Tournee „Tabu“ in der Stadthalle Kassel. Beginn ist um 19.30 Uhr.

05.06.2019

Das Open-Air-Festival „Underground Remains“ muss nach sechs Jahren umziehen. 2018 hatte sich ein Anwohner über Lärmbelästigung durch das Metal-Konzert am Haus der Kulturen im Hagenweg beschwert. Die Folge: Auflagen durch die Stadt Göttingen.

08.06.2019