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14:59 15.05.2019
Isabelle Huppert als Greta in einer Szene des Films "Greta". Quelle: capelight pictures
Göttingen

Spannung, Grusel und Romantik bieten die neuen Filme in dieser Woche. Starbesetzt ist der Thriller „Greta“, bei dem Moretz und Huppert zum Psychoduell antreten. Im Endzeit-Horror „The Silence“ dürfen Menschen keinen Mucks machen, wenn sie die Angriffe von Endzeit-Monstern überleben wollen. Die Liebesgeschichte in „The Sun Is Also a Star“ lebt vor allem durch ihre überzeugenden Darsteller. Die Kinostarts in der Region im Überblick:

Psychoduell

Die Verwechslungsgefahr scheint groß. Ein Film mit dem Titel „Greta“ könnte in jugendbewegten Zeiten schnell Anhänger von Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihrer „Fridays for Future“-Bewegung auf falsche Kino-Fährten locken. Doch statt der engagierten Schwedin agiert dort eine undurchsichtige Französin: Isabelle Huppert spielt im Psychothriller „Greta“ von Oscar-Preisträger Neil Jordan eine recht liebenswerte Frau - mit problematischem Hang zur schwer gestörten Mörderin.

Frances (Chloë Grace Moretz) findet eine Handtasche in der New Yorker Subway. Über einen Hinweis in der Tasche kommt sie auf die Besitzerin Greta (Huppert). Die scheinbar reizende ältere Dame lädt auch gleich zum Tee. Die beiden jeweils nach Schicksalsschlägen an sich und der Welt zweifelnden Frauen verstehen sich prächtig. Zudem ist Greta noch Klavierlehrerin und kann Frances so ein paar wohlige Stunden am Piano verschaffen.

So weit, so heimelig, die Fallhöhe ist erreicht, als Frances zufällig eine ganze Reihe identischer Handtaschen-Köder in einem Schrank von Greta findet. War alles von Greta geplant und eingefädelt? Was will die ältere Dame? Die junge Frau bricht den Kontakt ab. Doch so leicht geht das nicht. Greta wird schnell übergriffig und geistert als unberechenbare Stalkerin durch Frances’ bald angsterfülltes Leben.

In der schwer lösbaren Konstellation - noch hat Greta nichts verbrochen - können organisierte Kräfte wie Arbeitgeber oder Polizei nicht helfen. Frances gerät schließlich erneut in Gretas Haus, damit in deren Finger und schließlich gefesselt in einen hinter Gretas Piano versteckten Raum. Es folgt eine erniedrigende Gefangenschaft, während die tyrannische Greta das Opfer Frances als Tochterersatz zu unterwerfen versucht.

Mit Jungstar Moretz und der Schauspielikone Huppert hat Regisseur Jordan ein glänzend mit- wie gegeneinander agierendes Frauenpaar gefunden. Beide füllen ebenso die emotionalen wie die schrecklichen Phasen dieser schwer zu durchschauenden Beziehung mit glänzendem Spiel aus. Dass auch die Nebenrollen durchweg überzeugen, könnte den Film zu einem packenden Thriller machen - wären da nicht unfassbar banale Lücken in Logik oder Dramaturgie.

Ein Beispiel: Frances fährt ein megacooles Fahrrad. Entweder kurvt sie damit durch die riesige Wohnung von Mitbewohnerin Erica oder sie durchstreift auf dem hippen Gefährt die Straßen von New York. Auf dem Weg zu Gretas Haus in einem Hinterhof stellt Frances ihr Rad an der Wand des Vorderhauses ab. Ohne Schloss. Mitten in New York. Hallo?! Damit sind erstmal die nächsten zwei Minuten jenseits des Films der Frage gewidmet, in welcher Großstadt dieser Welt so etwas ohne Diebstahl funktionieren soll.

Oder: Im emotionalen Auf und Ab diverser Showdowns scheint das Monster in Greta-Form gleich zweimal praktisch besiegt. Aber ihre Gegner lassen sich auf simpelste Art und Weise überrumpeln - während in den Kinosesseln nur ungläubiges Kopfschütteln bleibt. (dpa)

Greta“, Regie Neil Jordan, mit Isabelle Huppert, Chloë Grace Moretz, Maika Monroe, 98 Minuten, FSK o.A., Cinemaxx Göttingen

Endzeit-Horror

Die Apokalypse ist da. Eine Familie flüchtet in den Wald und lebt ständig in der Gefahr, von Monstern getötet zu werden. Die können zwar nichts sehen, aber sehr gut hören. Deswegen werden sie von Geräuschen angelockt - ein Ton könnte den Menschen das Leben kosten.

Aus dieser spannenden Prämisse strickte vor einem Jahr Regiedebütant John Krasinski in „A Quiet Place“ mit sich selbst und Emily Blunt in den Hauptrollen einen fesselnden und klugen Thriller. Die Schockeffekte waren heruntergedimmt, stattdessen ging es um die Dynamik in einer nicht mehr intakten und traumatisierten Familie.

Jetzt startet „The Silence“ mit Stanley Tucci, ein Film, der zunächst nach einer Kopie von „A Quiet Place“ klingt: Auch hier muss eine Familie in der Apokalypse vor Monstern fliehen, die wie kleine Flugsaurier aussehen, blind sind und deshalb nach Geräuschen jagen. Dennoch ist „The Silence“ keine 1:1-Kopie, erschien doch der zugrundeliegende Roman 2015, also noch bevor „A Quiet Place“ gedreht wurde.

Tucci spielt Hugh Andrews, einen Familienvater von zwei Kindern, von denen eines taub ist - in diesem Fall Tochter Ally (gespielt von Kiernan Shipka aus der Netflix-Serie „Chilling Adventures of Sabrina“). Überhaupt ist hier eine Anmerkung nötig: „The Silence“ wurde von dem Streamingdienst Netflix koproduziert. Wahrscheinlich wundert es einen dann auch weniger, dass dieser Endzeit-Horror an andere Netflix-Formate erinnert - vor allem Susanne BiersBird Box – Schließe deine Augen“.

Doch bei „The Silence“ fühlen sich nicht nur die Monster-Animationen wie direkt aus dem Computer an. An diesem freudlosen Horror wirkt vieles wie aus dem Horror-Baukasten. Hier gibt es keine klugen Kniffe und soghaften Abkürzungen, die Spannung schaffen. Konventionell und ohne ironische Brechung wird erzählt, wie es zur Freilassung der mittelalterlichen Monster aus einer unterirdischen Höhle und zu immer mehr Toten kam. Ausführlich verhandelt wird, wie die Tiere zu besiegen sind. Halbherzig etabliert wird, wie sehr Hauptfigur Ally in ihren Schwarm Rob verliebt ist - so sehr, dass er sogar während eines Angriffs noch schnell mit ihr einen Videochat startet.

Auch Besetzungsabteilung, Drehbuchautoren und Soundtechniker haben sich nicht über Gebühr bemüht: Anders als beim Kommerzhit „A Quiet Place“ ist hier die junge Hauptdarstellerin nicht wirklich taub. Das merkt man Shipkas Spiel nicht nur an, sondern es führte auch zu der berechtigten Kritik, dass man doch an dieser Stelle für mehr Sichtbarkeit von tauben Schauspielerinnen hätte sorgen können.

Für den Film ist das am Ende egal, denn das Drehbuch hat ohnehin kein großes Interesse, auf diese Einschränkung der Protagonistin einzugehen. Bleibt noch, die Mängel an Sound und Musik zu erwähnen. Statt an entscheidenden Stellen den Ton zu reduzieren, wie es die Handlung erfordern könnte, schmatzen die Monster, streichen die Geigen und dröhnen die Bässe. „The Silence“ bietet damit Horrorstandardware, die für Fans des Genres möglicherweise aber trotzdem einen Reiz darstellt. Sie bekommen statt eines klugen Kammerspiels eben einen konventionellen Endzeit-Katastrophenthriller - einen auf vielen Ebenen kalkulierten Horror.

„The Silence“, Regie John R. Leonetti, mit Stanley Tucci, Kiernan Shipka, Miranda Otto, 90 Minuten, FSK 16, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld

Jugendromanverfilmung

Daniel ist ein gedichteschreibender Romantiker, Natasha eine wissenschaftlich denkende Realistin. Als die beiden sich in New York begegnen, gehen sie eine Wette ein, ob es ihm gelingen kann, sie an einem einzigen Tag dazu zu bringen, ihn zu lieben. Doch Natasha und ihrer jamaikanischen Familie droht die Abschiebung. Und die junge Frau, die sich so sehr wünscht, in New York bleiben zu können, hat nur einen Tag, um diese Abschiebung vielleicht noch zu verhindern.

„Liebesgeschichten sind immer so jung, modern und neu wie ihre Protagonisten“, schreibt die fünfköpfige Expertenrunde der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) in ihrer Begründung für die Auszeichnung der Jugendromanverfilmung „The Sun Is Also a Star“ mit dem höchsten Prädikat „besonders wertvoll“. Und mit Yara Shahidi in der Rolle der Natasha sowie Charles Melton als Daniel, so die Jury, „haben die Filmemacher zwei so interessante, liebenswerte und glaubwürdige Darsteller gefunden, dass man ihnen gerne durch den Film folgt.“ Die Befindlichkeiten und das Lebensgefühl der beiden Liebenden wirkten sehr glaubwürdig und zeitgenössisch. Nicht nur hierbei merke man, dass der Film auf einem unter jugendlichen Lesern sehr beliebten Roman beruht. Auch die Musik betone die jugendliche, urbane Stimmung, die der Film vermittelt. Dabei sei der Film auch eine Liebeserklärung an New York. So wie Natasha diese Stadt liebt, so zeige auch die Kamera ein prächtiges, lebendiges und schönes New York, das die dritte Hauptrolle des Films spielt. Der Film biete intelligent gemachtes Gefühlskino, ohne dabei je melodramatisch oder rührselig zu werden. r

„The Sun Is Also a Star“, Regie Ry Russo-Young, mit Yara Shahidi, Charles Melton, 100 Minuten, FDK 6, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld

Von dpa

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