Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Kinostarts in Göttingen und der Region
Nachrichten Kultur Regional Kinostarts in Göttingen und der Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:50 29.05.2019
Taron Egerton als Elton John in einer Szene des Films «Rocketman» Quelle: David Appleby/Paramount Germany/
Anzeige
Göttingen

Die Kinostarts der Woche in Göttingen und der Region:

Im Bett mit Elton John

Solche Sätze hört man in einem großen Studiofilm in unseren politisch korrekten Zeiten nur selten, auch nicht aus dem Mund einer Popikone: Er habe in seinem Leben sämtliche verbotene Substanzen konsumiert, die auf dem Markt seien – und bereue keine einzige davon.

Das sagt „RocketmanElton John, als er ganz unten ist, drogen-, alkohol- und sexabhängig. Mit Engelsflügeln und Teufelshörnern sitzt er nach seiner Flucht direkt aus einem Konzert in einer Selbsthilfegruppe und erzählt im Rückblick von seinem rasanten Aufstieg und tiefen Fall.

Schwulen Sex zeigt uns Regisseur Dexter Fletcher tatsächlich, und diese Episoden wirken ganz entspannt: Elton John (gespielt von TaronRobin HoodEgerton) in glücklichen Momenten im Bett mit seinem knallharten Manager John Reid („Game of Thrones“-Star Richard Madden). Auch so eine Szene ist alles andere als selbstverständlich bei einem Film, der aufs ganz große Publikum zielt. Das Paramount-Studio, so heißt es, habe allerdings darauf bestanden, dass noch Expliziteres herausgeschnitten wurde. Aber immerhin.

Vielleicht stimmt es ja, was Fletcher bei der Premiere von „Rocketman“ in Cannes gesagt hat: „Elton hat uns die Geschichte so erzählen lassen, wie wir wollten.“ Fletcher ist der Regisseur, der nach Querelen und dem Rauswurf Bryan Singers schlussendlich auch den mit Oscars überschütteten Freddie-Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“ ins Kino gebracht hatte. Und in dem geht es ausgesprochen keusch zu.

Andererseits: Elton John musste nie befürchten, dass etwas anderes als eine extravagante Hommage herauskommen würde. Schließlich gehörte er zu den Produzenten des Films. In Cannes saß er nach der Premiere im Kino und verdrückte ein paar Tränen, so ergriffen war er.

Es war ein langer Weg vom kleinen, unglücklichen Jungen Reginald Dwight in London zu einem der extravagantesten Popstars unserer Gegenwart. Die alle Tiefen überdauernde Freundschaft mit dem Liedtexter Bernie Taupin (Jamie Bell), zig Millionen verkaufte Platten – und dann der unvermeidliche Absturz. Die Einsamkeit nagt nach dieser Lesart immer an Elton John.

Taron Egerton als Elton John in dem Film "Rocketman" Quelle: Paramount Pictures Germany

So wird diese Geschichte auf Mainstream-Kinoformat gebracht. Was den Film dennoch besonders macht, sind die energiegeladenen und surreal übersteigerten musikalischen Einlagen von Hauptdarsteller Taron Egerton. Er singt selbst und ausgesprochen gefühlvoll Hits wie „Your Song“ oder „I’m Still Standing“. Zum Vergleich: Rami Malik in seiner Rolle als Mercury bewegt nur die Lippen.

Hier kann Elton John beim Singen schon mal den Boden unter den Füßen verlieren oder auf dem Grund eines Pools seinem jüngeren Ich begegnen. Am Ende ist das Ziel in diesem ziemlich bombastischen Musical erreicht: Elton John ist geläutert und ein glücklicher Mensch.

Mehr kann zumindest der echte Elton John von einem Film über sich selbst nicht verlangen.

Rocketman“, Regie: Dexter Fletcher, mit Taron Egerton, John Madden, 120 Minuten, FSK o. A., Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Neue Schauburg Northeim, Central-Lichtspiele Herzberg

Entsorgt in die Unendlichkeit

Keine Aliens, keine sprechenden Roboter und auch keine draufgängerischen Weltraumcowboys: In Claire Denis’ Science-Fiction-Film „High Life“ ist der Mensch allein mit sich im All. Das ist ein harter Job – wenn man bedenkt, dass er schon auf Erden nicht gut mit sich klarkommt.

Was bleibt also, wenn Weltraumfahrer auf ein Schwarzes Loch zusteuern? Wenn der Kontakt zur Erde längst abgebrochen ist und nur ein paar graukörnige Erinnerungsmomente von dort über die Bildschirme flimmern? Wenn allen klar geworden ist, dass auf Rückkehr kaum zu hoffen sein dürfte?

In den ersten Szenen aus dem Innern des Raumschiffs scheinen geradezu paradiesische Zustände zu herrschen: In einem von Berieselungsanlagen in schwüle Feuchtigkeit getauchten Garten Eden sprießen Früchte und Obst – bald kann auch die erste Erdbeere geerntet werden. Die Spacegärtnerei erinnert an Douglas Trumbulls Genreklassiker „Lautlos im Weltraum“ (1972). In einem Laufstall nahebei plappert und grient ein gut gelauntes Baby, während Papa draußen am Raumschiff mit Schraubenschlüssel heimwerkelt. Der Mann könnte beinahe auch für einen Baumarkt Werbung machen.

Allerdings sind diese beiden, wie wir sogleich erfahren, die letzten Überlebenden in diesem Raumschiff. Schon in einer der nächsten Szenen wird Papa Monte (Robert Pattinson) die Leichen der restlichen Besatzung in ihre Raumanzüge stecken und hinaus ins All befördern. Wie in einem Ballett trudeln sie einer ewigen Dunkelheit entgegen, ein friedliches Bild. In Rückblenden erfahren wir von ihrem Schicksal.

Es ist doch nicht so gut gelaufen in diesem bei genauerer Betrachtung ziemlich heruntergekommenen, in hässlichen beige-braunen Tönen gehaltenen Raumschiff. Der dänische Künstler Ólafur Elìasson hat das Gefährt gestaltet wie einen reichlich groß geratenen Frachtcontainer. In manchen Ecken sieht es aus wie in einer städtischen Notfallklinik, deren Finanzetat schon vor etlichen Jahren zusammengestrichen wurde.

Nicht ganz freiwillig ist das Häuflein Passagiere (mit dabei: Lars Eidinger in einer kleinen Nebenrolle) vor geraumer Zeit in den Weltraum gestartet: Junge Schwerverbrecher, Männer und Frauen, wurden vor die wenig erquickliche Wahl lebenslanger Knast oder All gestellt. Sie dürften sich beim Abflug wohl kaum bewusst gewesen sein, dass dies letztlich aufs Gleiche rauskommen könnte. Eine Rückkehr war für sie gar nicht vorgesehen.

Claire Denis – Filmemachen als Reise ins Unmögliche

Kino bereitet Vergnügen, gewiss“, sagte die französische Regisseurin Claire Denis einmal in einem Interview. „Aber hauptsächlich ist Filmemachen für mich eine Reise ins Unmögliche.“ Was für „High Life“, den neuesten Film der 73-Jährigen, uneingeschränkt zutrifft. Am meisten sei sie „an Individuen interessiert und wie sie auf Herausforderungen und Schwierigkeiten reagieren“. Das Kino sollte sich „auf gewöhnliche Leute in zuweilen außergewöhnlichen Situationen und Orten fokussieren.“

Die 1946 in Paris geborene und in Kolonialafrika aufgewachsene Denis begann ihre Karriere mit dem sehr persönlichen Drama „Chocolat“ (1988). Immer wieder arbeitete sie in ihren Filmen zum Thema Kolonialismus, sei es in der Musikdoku „Man No Run“ (1989) über die Bikutsimusik von Kamerun oder in ihrem Kriegsdrama „White Material“ (2009). Vor ihrem Durchbruch mit eigenen Filmen hatte Denis 14 Jahre als Regieassistentin gearbeitet – auch bei Filmklassikern wie „Paris, Texas“ (1984, Wim Wenders), „Der Himmel über Berlin“ (1987, Wim Wenders) und „Down By Law“ (1986, Jim Jarmusch).

2018 sagte die damals 72-Jährige über das Alter: „Es ist ein Desaster. Fähig zu sein, drei Tage ohne Schlaf durchzuhalten oder so betrunken zu sein, dass man ins Koma fällt – diese Dinge vermisse ich am meisten. Auf der anderen Seite – mein Körper ist bewegungsfähig, ich habe immer noch Gefühle und ich mache Filme.“ Big

Offizieller Auftrag: Die Mannschaft soll die Energie eines Schwarzen Lochs abzapfen und der Menschheit auf Erden das Überleben sichern. Tatsächlich aber handelt es sich bei den Passagieren eher um ein Häuflein Versuchskaninchen, das man in die Unendlichkeit entsorgt hat.

Regisseurin Denis („Der Fremdenlegionär“) widmet sich einem ihrer Lieblingsthemen: menschlichen Körpern und wozu sie dienen können. Mit an Bord ist die Ärztin Dibs (Juliette Binoche), genannt: „Sperma-Schamanin“. Dips experimentiert besessen an der Fortpflanzung der Menschheit, die sich – möglicherweise aufgrund eines Strahlenunfalls – schwierig gestaltet.

Viel erklärt wird nicht in diesem Film, der die Isolation der (Rest-)Besatzung ernst nimmt. Recycling scheint hier das oberste Gebot: Praktisch jede Körperausscheidung wird wiederverwertet – siehe die Berieselungsanlagen im Garten.

Juliette Binoche als Dr. Dibs und Robert Pattinson als Monte in dem Film "High Life". Quelle: Pandora Filmverleih

Die Männer müssen täglich bei Dibs ihre Samen abliefern, Frauen ihre Körper als Brutmaschinen zur Verfügung stellen. Dibs selbst verschwindet gelegentlich in einer „Fuck Box“ und befriedigt sich beim wilden Ritt auf einem silberfarbenen Dildo (mit Kondom), einer der provokantesten Szenen in diesem an Provokationen nicht eben armen Film.

Nur Monte hat sich nach eigenen Worten der „Keuschheit“ verschrieben. Ausgerechnet er wird jedoch Opfer einer Vergewaltigung (wie auch manche Frau in diesem Film) und Vater einer Tochter – aber das wissen wir ja schon. Das Baby Willow wächst zum Teenager (Jessie Ross) heran und rast gemeinsam mit Papa Monte auf das Schwarze Loch zu.

Ist das nun das Ende oder der Anfang einer neuen Epoche der Menschheit? Jedenfalls hat die mutige Kinofrau Claire Denis, die inzwischen auch schon 72 Jahre alt ist, sich an ein erstaunlich originelles Science-Fiction-Experiment gewagt.

Klar, die Regisseurin ehrt die großen Meister wie Andrei Tarkowski („Solaris“) und Stanley Kubrick („2001: Odysee im Weltraum“), gibt ihrem Film zusätzlich auch einen somnambulen Terrence-Malick-Touch („The Tree of Life“) mit, gewinnt dem Genre in ihrem ersten englischsprachigen Kinodrama aber letztlich doch etwas ganz Eigenes ab.

Komisch: Von solchen düsteren Zuständen im All hat uns Astro-Alex alias Alexander Gerst nie etwas erzählt.

„High Life“, Regie: Claire Denis, mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, 110 Minuten, FSK 16, Lumière

Wolkenkratzer mit Beinen untendran

Godzilla kennen wir ja schon lange. Ein Wolkenkatzer mit Beinen untendran, der für die Menschen kämpft, bei dessen Gefechten mit anderen Monsterkollegen die von Menschenhand gebauten Wolkenkratzer aber schnell das Wolkenkratzen einstellen. Er hat einen kleinen Kopf und trägt immer ein grimmiges Grinsen im Gesicht, das Ähnlichkeit mit dem des älteren Clint Eastwoods hat.

Zum 65. Geburtstag kämpft Titan Godzilla unter Regie von Michael Dougherty („Krampus“) gegen ein dreiköpfiges Alphatier namens Ghidorah, das sein Mittitanen kontrolliert. Und gegen Ökoterroristen, die mit Monsterhilfe die Erde vom Menschen säubern wollen. Ein Familiendrama (Vera Farmiga, Kyle Chandler, Millie Bobby Brown) wird noch eingeschraubt. Niemand stiehlt dabei den Biestern die Schau. Die sich meist bei Nacht kloppen. Und nachts sind alle Pixel grau.

Die Menschlein sind selten auf Augenhöhe der Bestien unterwegs. Und doch gibt es einen zärtlichen Godzilla-Kuschelmoment im Trash-Deluxe-Spektakel. Und die Botschaft: „Sei lieb zu deinem Heimatplaneten!“ wird auch in dieser Getöseversion genommen.

„Godzilla II – King of the Monsters“, Regie: Michael Dougherty, mit Vera Farmiga, Kyle Chandler, 130 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Central-Lichtspiele Herzberg

Von Stefan Stosch / Martin Schwickert / Matthias Halbig

Die Göttinger Inszenierung von „Ein Känguru wie du“ wird am 8. und 9. Juni auch am Theater Kiel beim Festival „Hart am Wind“ zu sehen sein.

28.05.2019

Die 33. Niedersächsischen Musiktage stehen unter der Überschrift „Mut!“. Vom 31. August bis zum 29. September sind landesweit 45 Konzerte zum Motto des Festivals geplant – auch in Südniedersachsen.

28.05.2019
Regional „Junges Theater am Wall“ - Erster Spielplan für die neuen Räume

Das Junge Theater Göttingen startet am 20. September in die neue Spielzeit – „eine neue Epoche“ nennt es Intendant Nico Dietrich. Das Ensemble zieht für mindestens drei Spielzeiten in die ehemalige Voigtschule.

31.05.2019