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14:42 12.06.2019
Neu im Kino: "Men in Black: International." Quelle: AP
Göttingen

Das sind die Kinostarts in Göttingen und der Region:

Einmal blitzdingsen, bitte!

Sie sind unter uns, die Außerirdischen, und zwar schon lange. Nur merkt das keiner. Aus dieser einfachen These formte Barry Sonnenfeld 1997 seine Science-Fiction-Komödie „Men in Black“. Genau wie Joanne K. RowlingsHarry Potter“, dessen erster Band exakt fünf Tage zuvor erschienen war, entwarf auch „Men in Black“ ein Paralleluniversum zur bestehenden Realität, von dem die Normalsterblichen – andererorts auch Muggels genannt – nicht die leiseste Ahnung hatten.

Aliens in allen Größen, Farben und Formen bevölkerten hier die Erde. Die geheime Agentur der Men in Black versorgte die Immigranten aus dem All zur Tarnung mit menschlichen Ganzkörperkorsetts, damit die Urbevölkerung nicht in Panik geriet. Dieses multigalaktische Undercoverkonzept war eine humorvolle Antwort auf die Überfremdungsphobien des Genres, wie sie sich nur ein Jahr zuvor in Roland EmmerichsIndependence Day“ erneut Luft verschafft hatten.

Will Smith und Tommy Lee Jones schlüpften in die schwarzen Agentenanzüge und sahen darin aus wie eine elegantere Version der Blues Brothers. Smith als hyperaktive Quasselstrippe und der wortkarge Jones mit seinem sorgfältig zerknitterten Gesicht bildeten ein komödiantisches Optimalpaar. Mit großen Wummen hielten sie die glitschigen Aliens in Schach, outeten Michael Jackson als Außerirdischen und machten Schleichwerbung für einen Sonnenbrillenhersteller, der sich danach eine goldene Nase verdiente. Menschliche Augenzeugen ihres Treibens wurden geblitzdingst, worauf sich Vergessen über ihre Hirne senkte.

Nun sieht Rechteinhaber Sony die Zeit gekommen durch ein Relaunch mit einer alten Idee neues Geld zu machen. Darauf hat die Welt nicht unbedingt gewartet. Nach dem dritten Teil waren sich vor sieben Jahren selbst eingefleischte Fans einig, dass man diesen Teebeutel nicht noch einmal ins Wasser halten muss. Aber da Hollywood zur Zeit in Sachen Nachhaltigkeit und Schonung kreativer Ressourcen die Nase ganz weit vorn hat, führte an der Reanimation des Stoffes wohl kein Weg vorbei. Chris Hemsworth und Liam Neeson als dessen väterlicher Vorgesetzter schlüpfen zunächst in die Rolle der Männer in Schwarz. Das gibt Hoffnung, denn zumindest Hemsworth hat sich als „Thor“ in letzter Zeit ein ermutigendes Maß an maskuliner Selbstironie erarbeitet.

Her mit den lustigen Außerirdischen!

Aliens sind nicht lustig. Sie erobern die Erde oder werden von Erdlingen für Experimente missbraucht. Eher ernste Gestalten. Das Fernsehen kannte Ausnahmen wie den „Onkel vom Mars (1963), der mit Tieren redete und „Alf (1986), der Nachbars Katzen fraß. Von den Flatulenzen von Louis de Funes angelockt wurden die „außerirdischen Kohlköpfe“ (1981), per Telefon zurück auf seinen Heimatplaneten wollte „E. T.“ (1982). Klappte auch.

In „Galaxy Quest“ (1999) heuerten oktopusartige Fremdwesen auf einer Fanconvention die Darsteller einer Sci-Fi-Serie zur Lösung ihrer Probleme mit einem interplanetarischen Diktator an. Obwohl Tim Allen, Alan Rickman und Sigourney Weaver zuvor stets nur TV-Aliens kleingekriegt hatten, obsiegten sie auch bei ihrer Bewährungsprobe. Bereits 1996 hatte Tim Burton in „Mars Attacks!“ außerirdische Birnenköpfe zum Angriff auf die Erde blasen lassen. Nur die grässlichste aller irdischen Waffen konnte die Gefahr bannen: Slim Whitmans schmalziger Countryjodler „Indian Love Call“.

Und dann ist da noch „Paul“ (2011): Zwei Roadmoviespackos treffen ihn auf der Straße zur Area 51 – einen jener grauen, großäugigen Außerirdischen, die seit Spielbergs „Unheimlicher Begegnung der 3. Art“ die Fantasie der Menschen bevölkern. Er liebt Zoten, gibt mit seinem Gemächt an und tanzt zu Reggaemusik. Würde er nicht tote Vögel beleben, um sie gleich hernach zu fressen, würde man sagen: Die Männer sind überall gleich. Big

Zu Beginn sind die beiden in einer Rückblende auf dem Eiffelturm im Einsatz, wo ein außerirdisches Ungetüm abgewehrt und die Welt vor ihrem sicheren Untergang bewahrt werden will. Vorgespult in die filmische Gegenwart ruht sich Agent H (Hemsworth) in der Londoner Filiale auf seinen Lorbeeren als Weltenretter aus. Seine unorthodoxen Einsatzmethoden stoßen selbst beim wohlgesonnenen Chef High T (Neeson) zunehmend auf Ablehnung. Deshalb wird dem Rowdy in Black die ehrgeizige Neuagentin M (Tessa Thompson) zur Seite gestellt.

Schon seit früher Kindheit hat Molly davon geträumt in den Alien-Geheimdienst übernommen zu werden. Auch die Macher von „Men in Black“ haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen mit der Aufstockung ihres weiblichen Personalbestandes zu punkten.

Aber was im Bereich der Comic-Verfilmungen wie „Wonder Woman“, „Captain Marvel“ oder zuletzt „X-Men: Dark Phoenix“ zu interessanten Paradigmenverschiebungen geführt hat, bleibt hier nur ein halbherziger Anbiederungsversuch an den feministischen Zeitgeist. Die alten „Men in Black“-Filme waren ausgewiesene Macho-Werke, die einen durchaus ironischen Umgang mit maskulinen Heldenklischees und phallischen Superwaffen pflegten.

Szene aus "Men in Black: International." Quelle: Columbia Pictures/Sony

Woran die selbst auferlegte Feminisierung des Stoffes scheitert, ist schwer auszumachen. Regisseur F. Gary Gray hat sich in jungen Jahren mit dem bahnbrechenden Bankräuberinnen-Film „Set It Off“ (1996) eigentlich einschlägig qualifiziert.

Aber die Drehbuchautoren Matt Holloway und Art Marcum („Transformers: The Last Knight“) wissen mit der (verordneten) Woman in Black nichts anzufangen. Die Rolle der strebsamen Novizin, die einiges besser weiß und noch viel lernen muss, wirkt völlig unausgegoren. Dass M alles mit dem Kopf entscheiden will und ihr vorlauter Kollege aus dem Bauch heraus agiert, ist eine schematische Umkehrung der Geschlechterklischees.

Schlimmer jedoch als das unbeholfene Ringen um feministische Correctness wiegt in „Men in Black: International“der abgrundtief einfallslose Plot. Ein außerirdisches Bösewichtwesen, das menschliche Körper infiltriert, ist auf der Jagd nach einer alles vernichtenden Superwaffe. Hat man so etwas schon einmal gesehen? Tausend Mal. Mindestens. Genauso wie die müden Effekte, die mit Laserlicht-Hokuspokus ihr langweiliges Zerstörungswerk verrichten.

Die Konkurrenz ist groß – aber „Men in Black: International“ hat gute Chancen als überflüssigstes Relaunch in die Filmgeschichte dieses Jahrzehnts einzugehen.

„Men In Black International“, Regie F. Gary Gray, mit Chris Hemsworth, Tessa Thompson, 114 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden, Central-Lichtspiele Herzberg

Der Ehering kommt erst mal weg

Statt Kids, die aufs Handy starren, tummeln sich zunehmend Senioren auf der Leinwand, die es auf den letzten Metern noch mal wissen wollen: Jetzt oder nie, so lautet ihre Devise. Die Generation 60+ wird aufgrund des demografischen Wandels zur interessanten Zielgruppe im Kino.

Es muss dabei nicht immer so fidel zugehen wie bei den rüstigen Rentnern in „Best Exotic Marigold Hotel“. Manche brauchen auch einen Schubs, um zu handeln. So wie Hausfrau Britt-Marie (Pernilla August), die sich seit 40 Jahren ihrem Gatten anpasst und es im geordneten Heim blitzen und blinken lässt wie im Spiegelsaal von Versailles. Als ihr Ehemann einen Herzinfarkt erleidet, eilt sie in die Klinik und findet am Bett seine Geliebte. Sie macht keine Szene, zieht aber Konsequenzen. Der Ehering wird abgestreift wie eine alte Haut.

Dass ihr das Arbeitsamt trotz ihrer 63 Lebensjahre einen Übergangsjob als Jugendbetreuerin und Fußballtrainerin in der schwedischen Pampa vermittelt, obwohl sie keine Ahnung hat, ist ein kleines Wunder. Die Eigenbrötlerin gewinnt trotz stoischer Einsilbigkeit die Herzen und Unterstützung der Dörfler und mit liebevoller Strenge auch Respekt und Zuneigung der Jugend. Britt-Marie lernt, sich selbst und andere zu mögen und zu akzeptieren.

Die schwedische Regisseurin Tuva Novotny zeichnet nach dem Roman des Bestsellerautors Fredrik Backman („Ein Mann namens Ove“) die persönliche Reise einer vielschichtigen Figur zwischen Härte und Verletzlichkeit, zwischen Mut und Wehmut, trockenem Humor und milder Melancholie. Ein sanftes Porträt. Mit einer starken Botschaft: Man muss nur wagen, auf Reset zu drücken. Carpe diem! Für Träume ist es nie zu spät.

„Britt-Marie war hier“, Regie: Tuva Novotny, mit Pernilla August, Peter Haber, Anders Mossling. Länge 97 Minuten, FSK 0, Lumière (ab 18. Juni)

Von Martin Schwickert und Margret Köhler

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