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13:41 21.08.2019
Julianne Moore in einer Szene des Films „Gloria - Das Leben wartet nicht“ Quelle: SquareOne Entertainment/dpa
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Göttingen

Was gibt es in dieser Woche in den Kinos in und um Göttingen zu sehen? Ein Überblick:

Gelungenes Remake: Eine Mittfünfzigerin geht ihren Weg

Wer Amerikaner ins Kino locken will, muss einen amerikanischen Film drehen. Anders ist es kaum zu erklären, dass der Chilene Sebastián Lelio (Oscargewinner mit „Eine fantastische Frau“, 2017) – nun ein eng am Original orientiertes US-Remake seines eigenen Films „Gloria“ inszeniert hat. Bedurft hätte es dieser Anstrengung nicht unbedingt. Die chilenische „Gloria“ war der gefeierte Film der Berlinale 2013: Eine Mittfünfzigerin geht lieber unbemannt ihres Weges, als sich an die gefühlt letzte Liebeshoffnung zu klammern. Regisseur Sebastián Lelio hat die Geschichte nach Los Angeles verlegt und verfügt nach Pauline García wieder über eine grandiose Darstellerin: Julianne Moore.

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Die gute Nachricht lautet dennoch: „Gloria“ ist ein gelungenes Remake. Das Setting ist schicker, die Leere in Glorias Leben nach dem Flüggewerden ihrer Kinder größer. Die Dekadenz einer auf Jugendlichkeit fixierten Gesellschaft weht durch den Film. Mittendrin: ein ebenbürtiger John Turturro als Arnold, der nicht von seiner Ex-Familie loskommt. So eine Alltagsheldin würde man sich häufiger im Kino wünschen – egal ob sie in Chile, den USA oder anderswo zum Paintball-Gewehr greift. sto

„Gloria“, Regie: Sebastián Lelio, mit Julianne Moore, John Turturro, 101 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen

Zotige Sechstklässlerkomödie

Drei ziemlich unscheinbar und zunächst total harmlos wirkende Zwölfjährige machen sich daran, endlich das eine oder das andere Mysterium in Sachen Großwerden zu entschlüsseln. Auslöser dieser Odyssee in adulte Gefilde ist das Verschwinden einer Drohne. Das Luftüberwachungsgerät aber, das der kleine Max seinem Vater entliehen hatte, muss unbedingt wieder her. Ansonsten wird das nichts mit der Knutschparty. In seinem Regie-Debüt setzt Gene Stupnitsky unter anderem auf das, durch den atemberaubenden Thriller „Raum“ (2015) bekannt gewordene Gesicht von Jacob Tremblay (Jahrgang 2006). dpa

„Good Boys“, Regie: Gene Stupnitsky, mit Jacob Tremblay, Keith L. Williams, Brady Noon, 90 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Krokodil-Horror in Florida

Wenn sich ein Hurrikan der Kategorie 5 der Küste Floridas nähert, stehen alle Zeichen auf Alarm. Die Durchsagen im TV tun ein Übriges: Man solle sich so schnell wie möglich mit seinen Liebsten aufmachen, Haus und Hof evakuieren. Haley indes, verkörpert von Kaya Scodelario, ignoriert die Warnungen und Anordnungen; sie möchte zunächst ihren Vater finden. Dieser liegt verletzt unter seinem Haus. Damit nicht genug, bekommt es Haley auch mit gefräßigen Alligatoren zu tun. Der französische Regisseur und Horrorspezialist Alexandre Aja („The Hills Have Eyes“) führte Regie, Kultregisseur und -produzent Sam Raimi („Tanz der Teufel“) produzierte mit. dpa

„Crawl“, Regie: Alexandre Aja, mit Kaya Scodelario, Barry Pepper, Morfydd Clark, 87 Minuten, FSK 16, Cinemaxx Göttingen

Wahres Märchen von der britischen Küste

Vor neun Jahren war das eine musikalische Sensation: Das Debütalbum des zehnköpfigen Shanty-Chors Fisherman’s Friends eroberte aus dem Stand die britischen Charts. Bis dahin waren die reifen Herren nur in Cornwall bekannt gewesen, wo sie – unterstützt von harten Getränken – Lieder schmetterten. Seitdem wird die Oldie-Gruppe gefeiert.

Wie es zu diesem wahren Märchen kam, erzählt Chris Foggin als warmherziges Feel-good-Movie. Ein paar hippe Typen aus der Londoner Musikbranche fallen in das idyllische Port Isaac ein und unangenehm auf. Sie halten die Einheimischen für Provinzdeppen und die singenden Seebären mit ihrem „Drunken Sailor“ für antiquiert. Allerdings hat Musikproduzent Danny (Daniel Mays) einen Auftrag zu erfüllen: Er soll die Fischer unter Vertrag nehmen. Prompt entdeckt er nicht nur das kommerzielle Potenzial der Sänger, sondern auch die Tochter des grimmigen Chorleiters (James Purefoy).

So oder so ähnlich soll sich die unglaubliche Geschichte ereignet haben – auch wenn die Lust am Fabulieren hier erkennbar dominiert. Die Wirklichkeit wird mit skurriler Situationskomik und anarchischem Witz aufgepeppt.

Fisherman’s Friends“, Regie: Chris Foggin, mit Daniel Mays, James Purefoy, 112 Minuten, FSK 0, Lumière

Schmerzende Wahrhaftigkeit

Nach der Premiere in Cannes schaute Pedro Almodóvar sichtlich aufgelöst drein. Minutenlang war der Applaus des Kinopublikums auf den Regisseur niedergeprasselt. Tränen der Rührung kullerten ihm übers Gesicht, als er sagte: „Alles, was ich bin, ist in diesem Film zu finden.“

Und tatsächlich: Alles, wovon der bald 70-jährige Filmemacher schon immer auf der Leinwand durchaus auch mit autobiografischen Anspielungen erzählt hat, verdichtet sich in diesem Werk – und doch schwingt hier ein anderer Ton mit. Der verhasste Katholizismus seiner Kindheit, sexuelles Begehren, die Liebe zu seiner Mutter und auch die zum Kino: Diese Themen ziehen sich auch durch „Leid und Herrlichkeit“. Das Schrille und Exaltierte jedoch, bislang so typisch für den Spanier, ist hier einer stillen Melancholie gewichen.

In der ersten Szene – womöglich einer Traumsequenz – begegnen wir dem alternden Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) in einem Schwimmbecken. Wie ein Baby im Mutterleib verharrt er unter der Wasseroberfläche. Aber irgendwann muss er wieder auftauchen und das schützende Bassin verlassen. Seinen Depressionen, Ängsten, Süchten, auch seinem lädierten Körper entkommt er nicht.

Mallo ist das Alter Ego von Almodóvar. Wie in einem Puzzlespiel entfaltet der echte Regisseur in elegant eingebundenen Rückblenden das Leben seines Protagonisten – und die Übereinstimmungen von Plot und Biografie sind verblüffend groß.

Almodóvar wurde wie Mallo in der spanischen Provinz allein von seiner Mutter großgezogen und ging nach Madrid, um der traditionell katholisch geprägten Welt zu entkommen. Almodóvars künstlerisch wildeste Zeit war die der Kulturbewegung „Movida Madrilena“, die Spanien nach dem Tod des Diktators Franco durchschüttelte; das war bei Mallo ähnlich. Das Schlimmste, was sich Almodóvar vorstellen kann, ist es, nicht mehr filmen zu können. Was, wenn die Leidenschaft ihn verlässt? Für Mallo ist dieser Horror wahr geworden.

Man könnte endlos so weitermachen. Und in beinahe jeder Szene fragte man sich: Wie viel von Almodóvars eigenem Leben steckt in diesem Film? Wie weit offenbart er sich dem Zuschauer? Zwischenzeitlich keimt gar der Verdacht, „Leid und Herrlichkeit“ komme einer Eigentherapie mit Kinomitteln gleich.

Zurückhaltung prägt Almodóvars Blick, und das ist eine weise Entscheidung: Stand nicht gerade in seinem Fall zu befürchten, dass das Kokette, Selbstverliebte, Exzentrische die Oberhand gewinnt?

Stattdessen pickt er Momente der größtmöglichen Verletzlichkeit heraus: Als Zehnjähriger beobachtet Mallo einen jungen Handwerker, der sich in seiner Küche nach getaner Arbeit wäscht – und wird erstmals vom erwachenden sexuellen Verlangen gepackt. Mallo trifft nach vielen Jahren überraschend seine große Liebe wieder (gespielt von Leonardo Sbaraglia) – und in dem einen Kuss zwischen den beiden stecken Leidenschaft und Sehnsucht, gepaart mit dem Wissen, dass sich Zeit nicht zurückdrehen lässt. Mallo muss Abschied nehmen von seiner geliebten Mutter (als jüngere Frau gespielt von Penélope Cruz, als ältere von Juieta Serrano) – und plagt sich mit seinem schlechten Gewissen, weil er ihr nicht genügend beigestanden hat. „Leid und Herrlichkeit“ ist von schmerzhafter Wahrhaftigkeit durchdrungen, und durch Banderas’ subtiles Spiel rückt einem die Geschichte noch näher. In Cannes gewann der Spanier die Darstellerpalme.

Die Karrieren von Hauptdarsteller und Regisseur sind untrennbar miteinander verbunden. Banderas wirkte schon in frühen Almodóvar-Filmen wie „Das Gesetz der Begierde“ (1987), „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (1988) oder auch in „Fessle mich!“ (1990) mit. Die Wege der zwei trennten sich, als sich Banderas nach Hollywood aufmachte („Die Legende des Zorro“). Später fanden sie beim Rachedrama „Die Haut, in der ich wohne“ (2011) wieder zusammen.

Banderas war allerdings verblüfft, wie sehr Almodóvar bei diesem Film seine Kinofigur in ein Bild des echten Regisseurs verwandelte. Gedreht wurde in einer in knalligen Farben durchkomponierten Wohnung, die der von Almodóvar nachgebildet war. An den Wänden hingen dieselben Kunstwerke. Almodóvar verpasste Banderas eine Frisur, wie er selbst sie trägt.

Was Mallo im Laufe des Films lernt, ist dies: Es hat keinen Sinn, sich vor der Vergangenheit zu verstecken. Erinnerung kann heilsam sein, durch sie kann neuer Mut erwachsen. Ein Regisseur zieht hier bitter Bilanz und sucht einen versöhnlichen Weg aus seiner zunehmenden Verzweiflung – oder sollte man sagen, dass zwei Regisseure Bilanz ziehen?

Vor Kurzem hat das Filmfestival in Venedig (28. August bis 7. September) bekannt gegeben, dass Almodóvar den Ehrenlöwen fürs Lebenswerk bekommt. Könnte sein, dass das genau der richtige Moment dafür ist. Für den Regisseur Almodóvar hat mit diesem Film womöglich ein neuer Abschnitt begonnen.

„Leid und Herrlichkeit“, Regie: Pedro Almodóvar, mit Antonio Banderas, Penélope Cruz, Leonardo Sbaraglia, 112 Minuten, FSK 0, Lumière

Filme im Open Air-Kino im Freibad am Brauweg

Gundermann

Baggerfahrer und Liedermacher, Genosse und Rebell, Rocksänger und Familienvater - Gerhard Gundermann lebte intensiv, im Widerspruch und starb früh. Er arbeitete 20 Jahre im Braunkohletagebau, nahe Hoyerswerda. Mit seiner Band probte er mehrmals pro Woche und fuhr dann zu Konzerten, die oft mehrere Stunden dauerten. Oft saß er nach kurzem Schlaf wieder im Fu?hrerhaus seines Baggers. Und er war Familienvater, drei Kinder hatte er mit seiner Frau Conny.Doch das ist nur ein Teil seiner Biografie. Der andere Teil besteht aus widerspru?chlichen und verschlungenen Lebenswegen und eigenwilligen Entscheidungen. Gundermann glaubte an den Sozialismus in der DDR, flog aber von der Offiziersschule, weil er kein Loblied auf den Verteidigungsminister singen wollte. Gundermann entschied sich, als IM fu?r die Stasi zu arbeiten, er wollte „Agenten und Saboteure jagen“. Und die Welt zum Besseren verändern. Doch dann war er auch der Stasi zu kritisch und und wurde selbst zum Bespitzelten. r

Gundermann“, Regie: Andreas Dresen, mit Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, 127 Minuten, FSK o.A., Donnerstag, 22. August, 21 Uhr

„A Star is Born“

Der Country-Musik-Star Jackson Maine trifft die begabte, aber erfolglose Musikerin Ally – und verliebt sich in sie. Ally hatte ihren Traum von der großen Gesangskarriere fast aufgegeben, doch jetzt drängt Jack sie ins Rampenlicht. Während sie über Nacht zum Star aufsteigt, gerät die private Beziehung der beiden in eine Krise.Bradley Cooper gab mit der Neuverfilmung des Filmklassikers A STAR IS BORN sein Regiedebüt und spielt selbst eine der Hauptrollen. Ihm gegenüber ist der mehrfach ausgezeichnete Popmusik-Superstar Lady Gaga zu sehen: Die Oscar-Kandidatin übernimmt damit ihre erste Hauptrolle in einem großen Kinofilm.r

„A Star is Born“, Regie: Bradley Cooper, mit Bradley Cooper, Lady Gaga, 135 Minuten, FSK 12, Sonnabend, 24. August, 21 Uhr

Von Stefan Stosch / dpa

20.08.2019
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