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Regional Wer trägt die Schuld, wenn der Täter nicht schuldfähig ist?
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16:03 01.06.2019
Schriftsteller Katurian (Jakob Jockers) wird vom Polizisten Ariel (Clemens Ibrom) verhört.  Quelle: Ulf Janitschke
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Göttingen

Das Ensemble des Theaters im Op (ThOP) feierte am Freitagabend die Premiere von „Der Kissenmann“ nach einem Drama des irischen Autors Martin McDonagh.

Zwei Kinder sind tot, ein drittes wird vermisst. Die Polizei ermittelt und stößt auf die Geschichten des Schriftstellers Katurian (Jakob Jockers), die beschreiben, wie Kinder gewaltsam zu Tode kommen. Da Parallelen zwischen den Fällen der getöteten Kinder und den Geschichten Katurians bestehen, werden die Polizeibeamten Tupolski (Theo Ockert) und Ariel (Clemens Ibrom) aufmerksam und nehmen den Autor ebenso in Gewahrsam wie dessen „zurückgebliebenen“ Bruder Michal (Nils Finck).

In düsterer literarischer Tradition

Es ist schwere Kost, die das Ensemble des ThOP unter der Regie von René Anders auf die Bühne bringt. Die Themen des Dramas von McDonagh (bekannt durch den oscarprämierten Kinofilm „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) werden deutlich benannt: Es geht um Mord, Misshandlung, Kindheit und Wahrheit.

Das Bühnenbild ist detailreich geplant: Die Bettwäsche des Literaten Katurian ist, natürlich, mit Zeichen versehen. Quelle: Ulf Janitschke

Literarisch drängen sich Vergleiche zwischen John Steinbecks Roman „Von Mäusen und Menschen“ und dem Drama „Der Kissenmann“ auf. Es ist einmal mehr die Frage nach der Schuld, die sich dem Publikum stellt – wer trägt die Verantwortung für die Taten, wenn der Täter selbst nicht versteht, was er tut? Und: Rechtfertigt die Vergangenheit das Verhalten des Menschen in der Gegenwart?

„Hast du mir die Geschichten erzählt, oder nicht?“, befragt Michal seinen Bruder Katurian, in dessen Geschichten es Kindern immer schlecht ergeht, und schlussfolgert, wie es ihn die Geschichte des Kissenmanns gelehrt hat: „Alle Kinder müssen ein schreckliches Leben führen, man kann ihnen den Ärger aber auch ersparen!“

Sympathie für den Täter

Wohl selten ist einem Kindermörder vom Publikum so viel Sympathie entgegengebracht worden wie am Premierenabend im ThOP – angesichts der dargestellten Grausamkeiten sicher nicht immer angemessen. Doch während Finck seine Rolle fraglos anrührend spielt, wünscht sich manch einer in der Interpretation des Michal vielleicht mehr Tiefe. Ohne Fincks Spiel an dieser Stelle über Gebühr in Zweifel zu ziehen, hätte Regisseur Anders mit seinem Darsteller sicherlich mehr Facetten als nur die der scheinbar arglosen Seele aus „Michal“ herausarbeiten können. Das Potenzial dafür bieten Plot und Darsteller alle mal.

Schriftsteller Katurian (Jakob Jockers) lebt mit seinem Bruder Michal (Nils Finck) zusammen.   Quelle: Ulf Janitschke

Ensemble mit großem Engagement

Das Ensemble trägt dem schweren Stück insgesamt Rechnung und leistet für eine Laienspielgruppe Beachtliches – nicht zuletzt aufgrund der großen Textmengen, die die Schauspieler souverän deklamieren. Wenn sich die Schauspieler an der Leistung von Theo Ockert am Premierenabend orientieren, dürfen sich die Besucher der kommenden Vorstellungen auf ein noch lebhafteres Spiel freuen. Ockert hatte sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den ersten Szenen freigespielt und sich gegen Ende authentisch in seine Rolle eingefühlt. Auch das Bühnenbild, welches das Team unter der Leitung von Ulf Janitschke gebaut hat, trägt seinen Teil dazu bei, das Stück auf der kleinen Bühne des ThOP erfolgreich zu realisieren – das Konzept des Zimmers auf dem Drehteller geht auf.

Info:

Weitere Vorstellungen sind Dienstag und Mittwoch, 4. und 5. Juni, Freitag und Sonnabend, 7. und 8. Juni, und Mittwoch bis Sonnabend, 12. bis 15. Juni, jeweils um 20.15 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet neun Euro, ermäßigt sechs Euro. Studierende ­können mit dem Kulturticket die Vorstellungen kostenlos besuchen.

Von Claudia Bartels

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