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Regional Kling ohne Känguru
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00:18 16.10.2017
Unterwegs im Qualityland: Marc-Uwe Kling, im Hintergrund Boris the Beast. Quelle: Arne Bänsch
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Göttingen

Kling ist ein eher unscheinbarer junger Mann. Er trägt Vollbart und Kapuzenjacke, auf dem Kopf eine Schiebermütze. So sehen heute viele jungen Männer aus. Doch Kling hat das Känguru erfunden, das macht ihn berühmt. Seine Leser sind treu, Fans gibt es in allen Altersgruppen. Das Publikum in der Stadthalle ist tatsächlich kunterbunt gemischt.Zehnjährige und Seniorinnen sind gekommen, Väter mit ihren Söhnen, Mütter mit ihren Töchtern, Studenten, die nach Betriebswirtschaftslehre aussehen und Bewohner von Landkommunen. Ein Ex-Oberbürgermeister sitzt im Publikum, eine Kulturdezernentin, ein Stadtwerke-Vorstand und der Cousin eines Schwaben aus Ludwigsburg. Menschen tragen Stoffkängurus mit sich herum, in der Pause ist der Bücherstand dicht umlagert. Marc-Uwe-Kling-Hype.

Dabei stellt Kling an diesem Abend ein Buch vor, dessen Geschichte ganz ohne Känguru auskommen muss. Jedenfalls die Kapitel, die Kling liest. Der Protagonist heißt Peter Arbeitsloser, der Nachname spiegelt den Beruf seines Vaters. Peter lebt im Qualityland, in einer Welt der Zukunft, in der das Leben optimiert ist. Sein Job: Maschinenverschrotter. Denn in Qualityland gibt es viele Maschinen und dementsprechend eine Menge von ihnen mit Defekten. Doch hier wird nicht repariert, hier wird zermalmt. Peter aber rettet Kampfroboter mit posttraumatischen Belastungsstörungen und Rasenmähroboter, für die es einfach keinen Rasen mehr gibt. Auch Kalliope 7.3 taucht bei Peter auf, ein weiblicher Schriftsteller-Automat. Auch ihr droht die Verschrottung, weil sie keine personalisierten Bücher schreiben will, die sich dem Geschmack der Leser anpassen. Ihr Chef gab ihr den Verschrottungsbefehl und „Unterordnung ist Teil ihrer Programmierung“, liest Kling, man nenne das auch German Code.

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Einiges liest Kling an in der Stadthalle aus dem Buch, aber er setzt auch fort, was er in früheren Lesungen begonnen hat. Beispielsweise das Format, Zitate falsch zuzuordnen. Immer ist auch Musik im Spiel, diesmal mit „Boris the Beast“, ein voluminöser Rocker mit Nietenarmbändern und E-Bass. Boris spielt Jingle ein für Nachrichten oder Werbung, ein netter Sparringspartner, der grimmig aussieht und deswegen auch als Bodyguard dabei sei, erzählt Kling.

Die Känguru-Freunde werden im zweiten Teil des Abends zumindest ein bisschen auf ihre Kosten gekommen sein. Denn da klang Kling immer wieder auch wir Marc-Uwe, der sich mit dem Känguru kabbelt. Der junge Mann immer ein wenig lakonisch, sein Gegenüber ein bisschen schnippisch, etwas renitent, ziemlich intelligent und auf jeden Fall radikal.

Der bisherige Besucherrekordhalter des Literaturherbstes sei übrigens Douglas Adams gewesen, sagte Literaturherbst-Chef Herberhold. Ein Zufall? Manchmal klingen Kling-Wendungen wie Adams-Humor. Und der gestörte Kampfroboter erinnert ein bisschen an den depressiven Metallkollegen Marvin aus „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Marc-Uwe Kling: „Qualityland“, Ullstein, 384 Seiten, 18 Euro. Das Buch gibt es in einer hellen und einer dunklen Coverversionen. Die Geschichte ist die gleiche, lediglich Zwischentexte unterscheiden sich. Die des jeweils anderen Buches können nach dem Kauf per Link im Internet angesteuert werden. Im Jungen Theater Göttingen stehen die Känguru-Chroniken auf dem Spielplan. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

Von Peter Krüger-Lenz

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