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Regional Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters unter Christoph-Mathias Mueller
Nachrichten Kultur Regional Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters unter Christoph-Mathias Mueller
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19:03 31.05.2013
Konzentriert und engagiert für Bruckners Spätwerk: das verstärkte Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Zwei gewichtige Spätwerke hatte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller aufs Programm gesetzt: Bartóks Violinkonzert, komponiert kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, und Bruckners 9. Symphonie (1887-1894), deren Finale der Komponist nicht mehr vollenden konnte.

Solistin im Bartók-Violinkonzert war die amerikanische Geigerin Rachel Barton Pine.

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Rachel Barton Pine

Mit saalfüllendem, ungeheuer sattem Ton verblüfft die Solistin gleich zu Beginn des Abends das Publikum und zieht es mit ihrem mitreißend temperamentvollen Spiel in den Bann. Die virtuosen Anforderungen ihres kräftezehrenden Parts erfüllt sie scheinbar ohne Mühe. Spannungsreich ist ihre Interpretation, sich entfaltend zwischen lyrisch blühenden und tänzerisch federnden Passagen.

Mueller zeigt sich im Zusammenspiel mit der Solistin als sehr aufmerksamer, aber auch selbstbewusst eigene Akzente setzender Dirigent, das Orchester musiziert elastisch. Schon zur Pause tönt der Beifall entsprechend lautstark, das Brahmssche Wiegenlied ist die sanft beruhigende Zugabe der Solistin.

Doch so gewichtig dieses Konzert ist, erweist es sich in der Rückschau „nur“ als Vorspeise zu Bruckners letzter Symphonie. Die inneren Dimensionen dieses Werks sind sehr, sehr groß – verwandt den symphonischen Weltentwürfen, die Gustav Mahler geschaffen hat.

Die gestalterischen Herausforderungen reichen von dem weitgespannten Kosmos des halbstündigen Kopfsatzes mit seinen drei kontrastierenden Themen über das stellenweise geisterhaft-fahle Scherzo bis zu den Katastrophen und den Verklärungen im Finale: eine Aufgabe, die durchaus mit der eines „Faust“-Regisseurs vergleichbar ist. Mueller geht sehr sorgsam mit den weiträumigen Steigerungen um, dosiert vorausschauend das dynamische Potenzial des ehrfurchtgebietenden Instrumentariums und sorgt für ausgewogene Farbmischungen.

Knapp 80 Musiker sitzen diesmal auf dem Podium: Viele zusätzliche Streicher sind nötig, um dem großen Bläserapparat Paroli bieten zu können. Sehr konzentriert und engagiert folgen die Musiker ihrem bis zum Schluss energiegeladenen und für die Musik glühenden Dirigenten, setzen Glanzlichter mit ausdrucksstarken Soli. Brausender Beifall und Bravorufe.

Von Michael Schäfer