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Regional Punk und Poesie gegen Rechts
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17:00 26.04.2019
Umtriebiger Kosmopolit mit geschliffener Wortkunst: Heinz Ratz und seine Band „Strom & Wasser“. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Ratz ist mit seiner Band „Strom & Wasser“ seit mehr als 20 Jahren auf Tour. Gemeinsam mit Wecker hat er das „Büro für Offensivkultur“, kurz BOK genannt, gegründet und aktuell die Aktion „Eine Million gegen Rechts“ ins Leben gerufen.

Mit der Aktion wollen Wecker und der 47-jährigen Musiker, Lyriker und Schauspieler Ratz von durch rechte Unterwanderung bedrohten soziokulturelle Zentren und selbstverwaltete Jugendhäuser in Sachsen, Thüringen und Brandenburg erhalten. 100 Konzerte in 100 Städten sind zur Unterstützung geplant. Alle Konzerterlöse fließen in das Projekt. Von Göttingen hätten sie sich schon etwas mehr Resonanz erwartet, sagte Ratz mit Blick in den Saal. Rund 100 Besucher waren in die Musa gekommen.

Mitreißend scharfer Auftritt

Das Leipziger Quartett „Wonach wir suchen“ zeigte gleich zu Beginn, dass Punkmusik sich nicht zwingend über Lautstärke und Geschwindigkeit definieren muss. Die Band um Sänger und Bassist Pirr legte einen mitreißend scharfen Auftritt mit melodischem Akustik-Punk hin. Dazu reichten ihnen zwei akustische Gitarren, ein akustischer Bass und ein Drumset. Die Göttinger Band Trykka begeisterte mit durchweg tanzbaren Grooves in ungewöhnlicher Besetzung mit Akkordeon, Geige, Kontrabass, Gitarre, Percussion und mit mehrstimmigem Gesang. Allen drei Bands waren an diesem Abend die substanziellen deutschsprachigen Songs.

Ratz ist ein umtriebiger Kosmopolit, der mit seiner Band „Strom & Wasser“ zu fantasievollen Texten und einer teils wilden musikalischen Mischung aus Samba, Punk, Walzer, Rock, Tango und Ska begeistert. Ratz’ Texte sind geschliffene Zeugnisse erlesener, teils poetischer, aber auch sehr deutlicher Wortkunst, beruhend auf gestochen scharfen Beobachtungen. Begleitet wurde er von Ruben Röh an der E-Gitarre, Stefan Littman an den Keyboards und Luca Seitz an den Drums.

Mischung aus Kraftwerk und Reinhard Mey

„Ein Fleckchen Anarchie“ ist ein Liebeslied an die Bühne mit Zeilen wie „Die Bühne ist die Armbrust der Poesie ...“. „Das Raubtier von heute“ sei eine Mischung aus Kraftwerk und Reinhard Mey, so Ratz. Einem Walzer für seine Tochter folgte ein Lied über Friedensroboter. Zwischendurch gab er Erläuterungen zu den Stücken und zum Projekt. Durch dieses entstehe auch ein gutes Netzwerk zwischen den beteiligten Künstlern, so Ratz.

Er prangerte aber auch andere Umstände im Land an. Als Protest gegen die Autoindustrie schreibe er gerade ein Theaterstück, in dem 13 alte Autos ihre Geschichte erzählten. Ratz ist schon oft unkonventionelle Wege gegangen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. 2008 lief er zugunsten von Obdachlosen zu Fuß von Konzert zu Konzert. Für regionale Artenschutzprogramme schwamm er zu seiner Tour „Die Lee(h)re der Flüsse“ von Lindau nach Kiel. Per Rad besuchte er rund 80 Flüchtlingslager in Deutschland, wo er auf erstklassige Musiker stieß, die er dann nach Hamburg einlud, um mit ihnen ein Album aufzunehmen. 2012 wurde ihm die Integrationsmedaille der Bundesregierung verliehen.

Letztendlich landen etwas mehr als 600 Euro in dem „rechten Stiefel von Kaiser Wilhelm II“, den er in Kiel entdeckt habe, sagte Ratz augenzwinkernd. Mit dem „Lied von der Elbe“ zeigte er zum Ende noch mal die wilde weibliche Seite des Flusses. Das Punk und Poesie durchaus harmonieren, bewiesen Ratz und seine Musiker auf beeindruckende Weise.

Von Jörg Linnhoff

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