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Regional Emotionale Reise
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19:30 17.03.2017
Quelle: Linnhoff
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Die musikalischen Arrangements der aus Toledo stammenden Alcaide sind zeitgemäße folkloristische Weltmusik, dargeboten auf selten zu hörenden Instrumenten. Die von Alcaide gespielte Nyckelharpa (Schlüsselharfe) ist ein Streichinstrument, dessen Saiten mit einem Bogen in Schwingung versetzt werden. Die Tonhöhe der Saiten wird durch das Betätigen von Tasten bestimmt. Das von Bill Cooley eingesetzte Psalterium gilt als Urform von Hackbrett und Zither. Neben Perkussionsinstrumenten wie Darbuka oder Tamburello spielt Cooley auch die Kurzhalslaute Oud. Dies geschieht in wunderbarem Zusammenspiel mit Rainer Seiferth an der akustischen und spanischen Gitarre. Das Trio schafft so im Wechsel an den Instrumenten ein faszinierend harmonisches Klangbild.

Alcaide eröffnet den Abend mit ihrer kräftigen, klaren Stimme zu einem provenzalischen Lied aus der Zeit der Minnesänger. Virtuos begleitet sie sich dabei allein auf der Nyckelharpa, deren Hals eine große Blüte schmückt.

Auf ihrem fünften Album „Leyenda“ taucht Alcaide tief in die Welt vorwiegend mittelspanischer Mythen ein und besingt darin vor allem weibliche Wesen. Die Geschichten dazu erzählt sie kurzweilig mal in Englisch, mal in Spanisch, das dann von Seiferth, der in Spanien lebt, übersetzt wird.

„La Mujer Muerta“ ist ein zentralspanisches Bergmassiv von der Gestalt einer liegenden Frau. Der Legende nach liebten zwei Brüder dieselbe Frau, ohne davon zu wissen. Als die Wahrheit ans Licht kommt, geraten sie in Streit. Dabei erliegt die umworbene Frau bei einem Schlichtungsversuch einem Dolchstoß. Im Augenblick ihres Niederfallens soll der Berg entstanden sein.

Intensiv hat sich Alcaide auch mit der Geschichte der sephardischen Juden in ihrer Heimat auseinandergesetzt. „Luna Sefardita“ basiert auf einer Legende aus Toledo. Als die Juden dort im 15. Jahrhundert vertrieben wurden, nahmen alle ihre Hausschlüssel mit, in der Hoffnung, irgendwann zurückzukehren. In dem Lied folgt ein Mädchen dem sephardischen Mond.

Zu „Ay Que Casas“, einem Traditional aus Bulgarien, steigert sich das Trio zum Ende seiner unterhaltsamen, emotionalen Reise mit großer Spielfreude und feurigen Rhythmen in einen musikalischen Rausch und reißt die euphorisch applaudieren Besucher förmlich von den Sitzen.

Von Jörg Linnhoff