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Regional Konzert mit Streichquartetten von Britten und Bridge in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Konzert mit Streichquartetten von Britten und Bridge in Göttingen
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18:42 21.10.2013
Maggini Quartet: Martin Outram, Michal Kaznowski, David Angel und Susanne Stanzeleit (von links). Quelle: EL
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Göttingen

Der Göttinger Kammermusikgesellschaft ist es zu danken, dass sich in diesem Winter wenigstens einige dieser Lücken schließen. Die Saison unter dem Motto „Anglia cantat!“ bietet unter anderem das Streichquartettschaffen von Benjamin Britten.

Dessen offizieller Streichquartett-Erstling, das 1941 komponierte D-Dur-Quartett op. 41, war der Schwerpunkt der ersten Hälfte des Aulakonzerts mit dem Maggini Quartet aus London, zu dem am Sonntag etwas weniger Besucher als sonst gekommen waren. Vielleicht hatten einige derer, die fortblieben, das Risiko des Unbekannten gescheut – sie haben etwas verpasst, keine Frage.

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Britten bewegt sich in diesem Quartett, das er als 27-Jähriger Stürmer und Dränger schrieb, in einer eindrucksvoll großen Spannweite zwischen traditionellen Klängen und waghalsigen Ausflügen in exotisches Terrain.

Verliebt in den Wohlklang des Instruments

Flirrenden Geigenakkorden in höchster Lage stellt er sanft gezupfte Durdreiklänge im Violoncello gegenüber, so als nähme der Cellist, verliebt in den Wohlklang seines Instruments, überhaupt nichts wahr von dem gefährlichen Sirren in seiner Nachbarschaft.

In ruhige, beinahe archaisch anmutende Klanggefilde brechen unvermutet wild aggressive Figuren, aus sanft schwingenden Rhythmen stechen plötzlich verwirrende Zeitstrukturen in höchstem Tempo hervor. Ein Wechselbad widerstreitender Gefühle, das den Hörer binnen kurzem in seinen Bann zieht.

Das Maggini Quartet, seit 25 Jahren in dieser Besetzung beisammen, erwies sich als perfekter Sachwalter dieser faszinierenden Musik. Der Klang des Quartetts ist auffallend schlank, im Pianissimo können sie sich bis hin zu fast unhörbaren, geisterhaften Phrasen zurücknehmen, um im nächsten Augenblick in einem exstatischen Ausbruch förmlich zu explodieren.

Freude am romantischen Schwelgen

Das war die verlässliche Basis auch für die zweite Entdeckung des Abends, das g-Moll-Quartett von Frank Bridge, dem Lehrer Brittens. In diesem 1914/15 entstandenen Werk ist die Freude am romantischen Schwelgen noch beinahe ungebrochen, auch wenn hier und da schon ein Zweifel musikalisch aufblitzt. Mit Hingabe musizierten die Londoner Gäste dieses groß dimensionierte Quartett: keine leichte Kost, aber keineswegs unverdaulich, im Gegenteil.

Eine klassisches Stück (Mozarts KV 499), dazu ein Häppchen Barock (eine Purcell-Chaconne im Arrangement von Britten) waren die Beigaben. Die Zugabe für den begeisterten Applaus: eine Idylle von Bridge, über die Britten seine Variationen op. 10 geschrieben hat. Anglia cantat, England singt.

Von Michael Schäfer