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Regional Konzert mit dem Göttinger Symphonie-Orchester
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00:15 12.12.2017
Wirbelnde Virtuosität: Solistin Natalia Scholz im GSO-Konzert mit dem Dirigenten Christoph-Mathias Mueller
Wirbelnde Virtuosität: Solistin Natalia Scholz im GSO-Konzert mit dem Dirigenten Christoph-Mathias Mueller Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Mit diesem Konzert war die Reihe der zahlreichen Gastdirigenten der GSO-Konzerte beendet. Am Pult stand wieder Orchesterchef Christoph-Mathias Mueller. Er eröffnete den Abend mit den „Liedern und Tänzen aus dem Ghetto“ des russischen Komponisten Alexander Weprik (1899-1958). Dieser Musiker, in den 1920er-Jahren international renommiert, wurde später seiner jüdischen Herkunft wegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Sowjetunion verfemt und dort zu Zwangsarbeit im Gulag verurteilt. Den Folgen der unmenschlichen Bedingungen im Straflager erlag er vier Jahre nach seiner Freilassung – und wurde auch weiter noch totgeschwiegen. Mueller hatte bereits zu Beginn dieser Saison mit einem ausschließlich Weprik gewidmeten Sonderkonzert nachdrücklich auf diesen bemerkenswerten Musiker hingewiesen.

Die „Lieder und Tänze aus dem Ghetto“ sind zwar deutlich von jüdischer Folklore beeinflusst, sie zeigen aber zugleich sehr deutlich die faszinierend eigenwillige Handschrift des Komponisten, der über eine reiche Klangfantasie verfügt, mit ungewöhnlichen Instrumentenkombinationen aufhorchen lässt und ganz auf billige Effekte verzichtet. So endet dieses Werk nicht mit der zu erwartenden Wiederholung des raschen, rhythmisch diffizilen Anfangsteils, sondern mit einem ganz verhaltenen langsamen Abschnitt. Es verklingt im Piano und wirkt durch die eindringliche Intensität dieses Schlusses besonders lange nach.

Die GSO-Musiker widmeten sich dieser Musik unter Muellers leidenschaftlichem Dirigat mit konzentrierter Hingabe: ein eindrucksvolles Plädoyer für die Wiederentdeckung Wepriks, das neugierig macht auf weitere Werke aus seiner Feder.

Im Zentrum des Abends stand Prokofjews zweites Violinkonzert aus dem Jahre 1935, das sowohl mit zarten lyrischen Passagen als auch mit entfesselter Virtuosität aufwartet. GSO-Konzertmeisterin Natalia Scholz bewältigte diesen herausfordernden Part mit Bravour. Ihre Ausdrucksspannweite reichte von wunderbar sanglichen, sanft dahinströmenden Linien bis hin zu mitreißendem Temperament im stürmischen Finale. Ob schwierige Doppelgriff-Passagen, rasende Läufe oder Spiel in schwindelerregend hohen Lagen: Natalia Scholz meisterte die Schwierigkeiten souverän und entfaltete einen großen, raumfüllenden Ton, mit dem sie sich ohne Mühe gegen das volle Orchester durchsetzen konnte. Mueller sorgte für die klangliche Ausgewogenheit, für klare musikalische Konturen und eine spannungsreiche Dramaturgie.

Die Begeisterung der Zuhörer entlud sich in lang anhaltendem Beifall und Bravorufen. Dafür bedanke sich Natalia Scholz mit einer wild wirbelnden Solo-Zugabe: dem Finale („Les Furies“) aus der Sonate „Obsessions“ von Eugène Ysaÿe.

Weitere Konzert-Termine

Nächste GSO-Termine: Silvesterkonzert am 31. Dezember (ausverkauft) und Neujahrskonzert am Montag, 1. Januar, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Dirigent: Christoph-Mathias Mueller. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und in Duderstadt, Marktstraße 9, sowie unter gso-online.de, Button Tickets

Mit Mozarts „Prager“ Symphonie KV 504 setzte Mueller dem Abend einen klassisch-klaren Schlusspunkt. Sehr transparent und leichtfüßig kam diese geistreich-lebhafte Musik daher, packend feurig in den raschen Sätzen, mit dramatisch großem Gestus in der langsamen Einleitung und bezwingender Zärtlichkeit im Andante. Nur hier und da hätte man sich noch ein bisschen mehr Präzision bei den Streichern wünschen können, die gleichwohl mit ihrem federnd-luftigen Spiel ohne Vibrato stilistisch überzeugten. Der freudige Applaus wollte kaum enden.

Von Michael Schäfer

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