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Regional Genuss zum Sonnenaufgang
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00:20 28.05.2019
„Lassen Sie die Klänge auf sich wirken“, bat Franziska Fleischanderl ihr Publikum. Das war zum „Sunrise-Konzert“ um 5 Uhr in der Frühe auf den Sartorius Campus gekommen. Quelle: Meinhard
Göttingen

„Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren guten Morgen.“ Mit diesen Worten begrüßte Franziska Fleischanderl am Sonnabend die Gäste ihres Konzertes. Das erklang auf dem Campus der Firma Sartorius und war im Rahmen der diesjährigen Internationalen Händel-Festspiele zweifelsohne ein außergewöhnliches Erlebnis. Das lag allein schon an der Uhrzeit: 5 Uhr in der Frühe mag für einige der knapp 60 Gäste eine Herausforderung gewesen sein. Für die österreichische Künstlerin war es „ein kleines Abenteuer“, wie sie ihr Konzert zum Sonnenaufgang kommentierte. „Sunrise“ hatten es die Veranstalter überschrieben. Ungewöhnlich ist auch das Instrument, das die junge Frau spielt: ein Salterio, ein Zupfinstrument, das als Urform der Zither gilt.

Mit dem Adel ging das Salterio

Die Stille des Morgens mit Tönen streicheln und sie so erfahrbar transparent machen – das schafft nicht jeder Musiker. Für Fleischanderl und ihr fast 300 Jahre altes Instrument fast ein Kinderspiel. Diesen Klang der mehrchörigen Saiten hat Göttingen noch nicht gehört. Und wenn, dann ist es lange her. Das Salterio war im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in Adelskreisen und Klöstern sehr populär. Für handfeste Straßenmusik eignet es sich indes nicht. Der Adel verlor an Bedeutung, die Klöster lösten sich auf, das Salterio geriet unter anderem deshalb in Vergessenheit. Es wird erst jetzt und vor allem durch die Leidenschaft der jungen Frau aus Salzburg für dieses Instrument allmählich wiederentdeckt.

Ein feinfühlendes Instrument

Für Franziska Fleischanderl war das Sunrise-Konzert auf dem Campus der Firma Sartorius mit seiner futuristischen Architektur ein kleines Abenteuer. Nach ihrem Auftritt fuhr sie zurück nach Salzburg: ihre Ehemann hatte Geburtstag. Quelle: Meinhard

Sein Klang macht glauben, dass es kein Tagwerk gibt, kein Räderwerk, angetrieben von beruflichen und privaten Pflichten – sondern nur das Sein und Verweilen im Augenblick. Fleischanderl schenkt mit ihrer Kunst eine Musik, in der die Gedanken freien Lauf haben dürfen. Sie werden sich nirgends stoßen an etwas Hartem. Alles fließt. Das Salterio ist ein feinfühlendes Instrument, das auf kleinste Veränderungen reagiert. Schon um einen Hauch festere Schlägelchen entlocken ihm eine andere Stimmung. Eine Mimose im besten Sinne. Fleischanderl brachte eigene Kompositionen sowie Werke von Händel und alten italienischen und spanischen Meistern zu Gehör. Sie nutzte sowohl die Schlag- als auch die Zupftechnik (pizzicato und battuto).

Das Klavier setzte sich durch

Die interessierten Gäste umringten nach dem Konzert die Künstlerin und wollten wissen, weshalb das Instrument heute nicht mehr gebräuchlich ist. Es sei, erläuterte die Musikerin, auch durch das ähnlich klingende Klavier verdrängt worden. „Es ist mir ein Anliegen, dass der Klang zurückkommt“, sagte Fleischanderl. Die Zuhörer verließen das Konzert mit freudigen, entspannten Gesichtern. „Ein Genuss“ sei es gewesen, war zu hören.

Um 3 Uhr aus den Federn

Zum Gelingen des Konzertes hatten neben Mitarbeitern eines Catering-Service (es gab für die Gäste nach dem Kunstgenuss ein Frühstücksangebot) auch Suzan Yazici und Linnea Keiter beigetragen. Die jungen Damen in Diensten der Händel-Festspiele waren um 3 Uhr morgens aufgestanden, um alles vorzubereiten. Dafür hatten sie um 7 Uhr Feierabend – genau wie Franziska Fleischanderl, die mit dem Zug zurück nach Salzburg fuhr. Göttingen hatte sie einen Tag zuvor kennengelernt und Gefallen an der Stadt gefunden, wie sie gegenüber dem Tageblatt sagte.

Von Ulrich Meinhard

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