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Regional Krachende Riffs in der Schmusewelt
Nachrichten Kultur Regional Krachende Riffs in der Schmusewelt
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19:32 06.03.2012
Von Peter Krüger-Lenz
Schlacks mit Locken: Max Prosa (Mitte) mit Band und vielen weiblichen Fans.
Schlacks mit Locken: Max Prosa (Mitte) mit Band und vielen weiblichen Fans. Quelle: Hinzmann
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Und zum Ende hin wurde Tex seiner Gitarre in die Band aufgenommen. Die mögen sich offensichtlich. Sehr nett. Aber sie passen auch gut zusammen. Tex ist Liedermacher, Prosa auch. Beide kommen aus Berlin, beide schreiben sehr poetisch und ziemlich klug. Und beide finden gut, was Bob Dylan schreibt und singt. Natürlich geht es wieder mal meistens um die Liebe, zum Glück nicht immer. Vor allem der 22-jährige Prosa könnte die Stimme einer Generation werden, wie es vielleicht zum letzten Mal „Wir sind Helden“ waren. „Tragt nur euer Leben in die totgesagte Welt, wir haben uns lange genug verstellt, warm sind die Paläste, doch wir bleiben lieber hier, tanzen draußen vor der Tür“, singt Prosa von sich und denen, die nicht umstandslos im Strom der Funktionierenden mitschwimmen wollen, „denn wir wollen nicht diskutieren, den lieben langen Tag, es ist alles längst gesagt“. Eine Generation der neuen Kreativen vielleicht, die im „Café noir“, einem weiteren Prosa-Titel, eher zwang- und zwecklos in den Tag hineinleben, auf hohem Niveau alltagsphilosophieren, ein bisschen tanzen und lieben.

Prosa ist ein lockiger Schlacks mit Ausstrahlung und einem Gefühl für Bühnengesten. Das verhindert Peinlichkeiten, weil es authentisch und nicht einstudiert wirkt. Er nuschelt manchmal ein bisschen, singt aber mit viel Herz. Das spricht an, offensichtlich besonders junge Frauen, die an diesem Abend – und nicht nur an diesem – eindeutig in der Überzahl sind. Sie erreicht er wohl sehr direkt: Liebeskummer-Tränen kullern bei den entscheidenden Songs.

Etikett Kuschelpop

Aber es sind nicht nur Texte, Optik und Haltung, die die Band bemerkenswert machen, es ist auch die Musik, die immer wieder überraschend arrangiert ist und sich wohltuend vom Einheitspop unterscheidet. Das Etikett „Kuschelpop“ haben Kritiker versucht aufzudrücken, doch das ist längst abgefallen und davongeflattert.

Immer wieder krachen die Riffs von Alex Binder, einem Gitarristen mit viel mehr Bühnenpotenzial als er am Montag gezeigt hat, in die Schmusewelt, bevor sich die Konzertbesucher dort so richtig einrichten können. Stefan Ebert bedient sehr gekonnt zahlreiche Tasteninstrumente. Dass er selbst Lieder schreibt und auch singt ist ebenso zu ahnen wie sein großer Einfluss auf den Sound der Band. Schlagzeuger Joda Foerster macht seinen Job unaufgeregt und präzise. Und Bassist Erez Frank darf einmal selbst nach vorne. Dann tauscht der Israeli mit Binder Bass gegen Gitarre, plaudert hebräisch und singt ein zauberhaftes französisches Chanson.

Das Album übrigens, das Prosa und seine Band während ihrer Tournee präsentieren, ist ihr Debüt und heißt „Die Phantasie wird siegen“. Das klingt niedlicher als die CD tatsächlich ist. Und bei in der TV-Sendung „Inas Nacht“, in der Ina Müller immer Musiker oder Bands vorstellt, die ihr gefallen, waren sie auch schon zu Gast. Das Lied „Mein Kind“ haben sie dort druckvoll präsentiert. Dieser Song hat ihnen schon jetzt eine Menge Aufmerksamkeit eingebracht. Im Göttinger Apex war Prosa mit seiner Band im Oktober vergangenen Jahres schon einmal zu Gast. 60 Besucher wollten ihn da erleben. Diesmal waren es deutlich mehr als 200. Mal schauen, was noch geht.