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Regional Mit Fuchur und Led Zeppelin im Hintergrund
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15:03 21.11.2019
Kristin Shey verfügt über eine leidenschaftliche Stimme. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Wenn Kristin Shey ihre Stimme erhebt, würde man sie locker in die USA oder Kanada verorten. Mit ihrem eigenständigen Stil gewann die Bielefelder Künstlerin zahlreiche Nachwuchspreise. In L. A. und San Francisco entdeckte sie als Straßenmusikerin ihre Leidenschaft für Blues, Jazz und Soul. Auf eine bestimmte Stilrichtung festlegen will sie sich aber nicht. „In einem Song möchte ich dem, was mich berührt oder inspiriert, eine Form, einen Namen und eine Stimme geben”, sagt sie selbst zu ihrer Art, Musik zu leben.

Auch ohne Band perfekt

Ihr Debütalbum „Nirmama“ erschien 2007, vier Jahre später folgte „Soulshaker“. Im Trio nahm sie dann 2017 ihr aktuelles Album „The Confession“ auf. Und in der erweiterten Besetzung grooven und rocken die Songs auch teils kräftig los. Doch Shey hat ihre Kompositionen so angelegt, dass sie auch ohne Band perfekt funktionieren. Davon konnten sich die Besucher im Apex überzeugen.

Nur mit einer akustischen Gitarre betrat Shey die Bühne. Mehr brauchte sie auch nicht, um fortan mit großartigen Songs, Dynamik und faszinierend variabler Stimme zu fesseln. Wenn sie angibt, beim Singen zu versuchen, jeder einzelnen Silbe Leben zu geben, ist das keinesfalls übertrieben. Der Song „Scirocco“ ist gleich zu Beginn ein wunderbares Beispiel dafür. Ihn trägt ein magischer Rhythmus, über den sich dann ihre aufreizend lässige Stimme legt. Melodie und Groove brennen sich ins Gehör. Und gleich mit „It Had To Be You“ zeigt Shey eindrucksvoll, dass sie Blues und Soul nicht nur kopiert, sondern in ihrer Stimme und Seele trägt, als sei sie damit aufgewachsen.

Aufregend abwechslungsreich

„Used Up“ handelt von dem Druck, den ein Künstler verspürt, wenn er schon einige Zeit unterwegs ist. Eingeleitet mit einem Pfeifen, phrasiert Shey anschließend aufregend abwechslungsreich mit ihrer Stimme. „Knocking Myself Out“ habe sie auf einem Sampler entdeckt, der nur Marihuana-Songs enthielt. In dem Song, der in ihrer Version zu einer Hammerinterpretation wird, geht es dann folgerichtig auch darum, sich mal richtig abzuschießen.

Im Laufe des Abends fasziniert ihre unglaubliche Varianz in den Songs und ihrer Stimme. Es gibt keinen qualitativen Unterschied zwischen ihren eigenen Kompositionen und den von ihr eingestreuten, ausnahmslos interessanten und weniger populären Cover-Versionen. Deren meist anspruchsvolle Strukturen interpretiert sie mit einer erfrischenden Leichtigkeit.

Mächtiges Organ

So wechseln sich der 1930er-Jahre-Song „If You Want The Rainbow“ und „Hang Me“ aus dem Coen-Film „Inside Llewyn Davis“ mit Liedern wie „Me, My Cigarette And My Dog“ ab, der ihrem Hund gewidmet ist, der aussehe wie der Drache Fuchur aus der „Unendlichen Geschichte“, wie Shey schmunzelnd anfügt. Zu „The Ocean You Saw“, in dem ihre Stimme zu einem mächtigen Organ wird, solle man sich vorstellen, so Shey, dass die legendären Led Zeppelin im Hintergrund spielen. In „Soulshaker“ gibt sie dann den Prince, bevor sie mit dem Liebeslied „All I Need“ zum letzten Song ausholt. Aber trotz einer Erkältung lässt Shey sich noch mal zurück auf die Bühne klatschen und überrascht a cappella mit einer schlicht umwerfenden Gospel-Soul-Version des Traditionals „God’s Gonna Cut You Down“.

Damit nicht genug rockt Shey sich anschließend noch in „Von der Hand in den Mund“ durch ihr einziges deutschsprachiges Lied, um zu guter Letzt mit dem Jazz-Standard „That’s All“ die begeistert applaudierenden Besucher in die kühle Nacht zu verabschieden.

Werbesong und Hymne

„Musik ist Lebendigkeit in ihrer reinsten Form. Darum liebe ich sie. Der Grund auf die Bühne oder ins Studio zu gehen, ist das Bedürfnis, dieses Gefühl zu teilen”, schreibt Kristin Shey auf ihrer Webseite in ihrer Biografie. Seit der Schulzeit in Bielefeld geht die 1985 geborene Sängerin und Songwriterin Kristin Shey eigene Wege. Mit ihrer Gitarre als Begleiter streifte sie durch Kalifornien, entdeckte als Straßenmusikerin in L. A. und San Francisco ihre Leidenschaft für Blues, Jazz und Soul und gewann in Deutschland mit ihrem eigenständigen Stil aus Songwriting, Gesang und Performance zahlreiche Nachwuchspreise. Ihr Song „Boomerang“ wurde als offizieller Heineken-Werbesong zur Hymne des Rugby Worldcups 2015 in England. Shey hat inzwischen vier Alben veröffentlicht. Auf ihrem aktuellen Album „The Confession“ aus dem Jahr 2017 wird sie von Max Preiß am Bass und Elmar Lappe am Schlagzeug begleitet. Zusätzlich zu diesem Trio und ihren Solo-Auftritten tritt Shey noch in einem Jazz-Quartett auf.

Von Jörg Linnhoff

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