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Regional Bayrle zwischen Göttingen und New York
Nachrichten Kultur Regional Bayrle zwischen Göttingen und New York
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16:34 31.08.2018
Thomas Bayrle in New York Quelle: dpa
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Frankfurt/Göttingen

Bayrle lebt in Frankfurt. Seine Telefonnummer steht einfach im Telefonbuch. Er schein ein eher ungewöhnliches Leben zu führen –wenn man von seiner Beruf absieht. Bayrle ist ein Künstler, der sich über die Jahrzehnte hinweg stetig seinen Platz in der Kunstgeschichte erarbeitet hat, nicht nur der deutschen.

Klar kann er sich noch an die Schau im Center erinnern. Er habe gemeinsam mit Bernhard Jäger dort ausgestellt, „nur Lithografien“, ist sich Bayrle nach einigem Überlegen sicher. Besonders gefallen habe ihm „die sehr schöne, lebendige Studentensituation“ im Center. Und nach einigem Überlegen ist er sich sicher, dass es tatsächlich ihre erste Ausstellung war.

Die Kneipe war in den 1950er-Jahren von Göttinger Studenten eröffnet worden, die eigentlich dort zum jazzen zusammengekommen waren. Ein Kasten Bier stand in der Ecke und eine Dose, in den jeder Geld stecken musste, der eine Flasche nahm. Mehr Gäste fielen ein, eine Theke wurde gebaut, der Betrieb organisiert. Bald starteten die Betreiber, zu denen auch der heute noch in Göttingen lebende Gerhard Bodenstein zählte, einen Galeriebetrieb. Sie stellten Kunst aus.

Die Schau mit Werken von Bayrle (Jahrgang 1937) und Jäger (Jahrgang 1935) zählte zu den frühen Ausstellungen. Am 9. Dezember 1962 wurde sie eröffnet, bis zum 13. Januar 1963 blieben die Bilder hängen. Beide verewigten sich mit jeweils einem Druck im Gästebuch, dem „Centauer“, auf einer weiteren Seite steht zu lesen: „Achtung! Bayrle & Jäger“.

In bester Gesellschaft befinden sich die beiden Künstler dort. Auch Günter Grass hat sich dort verewigt, der inzwischen 90-jährige Göttinger Holzschneider Alfred Pohl, der Verleger und Schriftsteller Victor Otto Stomps, der Künstler Arno Waldschmidt und viele andere aus dem Center-Programm der Jahre 1962/63. Das Plakat zur Ausstellung ist eher schlicht gestaltet. Am oberen Rand sind Namen der Künstler zu lesen, im Zentrum, von Schrift umgeben, das Datum. Darum herum eine handschriftliche Beschreibung des Drucks mit Stein.

Ihren eigenen Verlag hätte er damals gemeinsam mit Jäger gehabt, erinnert sich Bayrle, Gulliver-Presse hießt er, „ein ganz solider kleiner Verlag“. Bücher haben sie gedruckt und Graphik auf Stein. „Alles haben wir selber gemacht.“

An die Ausstellung im Center und später noch Anfang der 1970 Jahre nach Eröffnung der Galerie Apex einer weiteren Schau dort denke er auch deswegen gerne zurück wegen dem Ausstellungort Kneipe „und der studentischen Situation. Es war uns wichtig, dass wir in lebendigen Zusammenhängen ausstellen. Das ist immer besser als in einer Galerie“, sagt Bayrle auch heute noch. Und immer wieder werde er daran erinnert, wenn er mit dem Zug von Berlin, seinem Geburtsort, nach Frankfurt an Göttingen vorbei fahre.

Derzeit läuft nun also in New York eine große Einzelausstellung mit Werken von Bayrle. Im vergangenen Jahr habe er eine weitere große Schau in Miami/Florida gehabt, die ersten Einzelausstellungen in den Vereinigten Staaten. „Ich hatte Glück, dass ich immer weitergemacht habe“, sagt Bayrle. Erst habe er in Europa ausgestellt, viel in Belgien, Frankreich, England und Italien. Auch nach Japan habe er gute Kontakte gehabt. Vom kleinen Center in Göttingen jetzt also ins große Museum in New York. „Das war alles zu seiner Zeit ganz richtig“, sagt der 80-Jährige und klingt dabei sehr zufrieden.

Das Leben eines Künstlers

Thomas Bayrle ist 1937 in Berlin geboren. Von 1958 bis 1961 studierte er an der Werkkunstschule Offenbach. 1961 gründete er zusammen mit Bernhard Jäger den Verlag Gulliver-Presse. Er nahm an den Documentas 3, 6 und 13 teil. 1972 bis 2002 lehrte er an der Städelschule in Frankfurt. Bayrle galt als einer der ersten und wichtigsten deutschen Vertreter der Pop Art, wie sie Andy Warhol und Roy Lichtenstein entwickelt hatten. Allerdings verfolgte Bayrle andere Inhalte als seine US-amerikanischen Kollegen. Er entnahm seine Sujets zwar auch häufig aus der Konsumwelt. Doch meist setzte er kleine immer gleiche Motive so zusammen, dass sie als Gesamtheit das gleiche Sujet zeigten. Sein Motto: Alles Große existiert im Kleinen, alles Kleine auch im Großen.

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