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Regional „Dies und das“ von Anthony Canham
Nachrichten Kultur Regional „Dies und das“ von Anthony Canham
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15:00 28.02.2019
Anthony Canhams Werk „East Beach“. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Manche von Canhams Bildern sind nicht rechteckig wie gewohnt. Vieleckig lässt bisweilen an Architektur denken. Was auf ihnen zu sehen ist, erinnert immer wieder an bekannte Positionen aus der jüngeren Kunstgeschichte.

Kurz vor seinem Tod

Pop-Art blitzt manchmal auf, formal zumindest, weniger inhaltlich. Als Canham 1963 sein Kunststudium an der Royal Academy in London aufgenommen habe, sei in Großbritannien gerade der Durchbruch der Pop-Art gefeiert worden, erläuterte Canhams Künstlerkollege Georg Hoppenstedt in seiner Eröffnungsrede.

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Der großen Franzosen Matisse hat sich Canham ebenfalls gewidmet. „Hotel Regina“ hat er ein Bild genannt. In dieser Herberge oberhalb Nizzas schuf Matisse kurz vor seinem Tod noch eine Serie von Scherenschnitten. Motivisch hat sich Canham in seinem Bild an der Malerei von Matisse orientiert. Südländisch strahlt das abendliche Sonnenlicht. Pflanzenblätter tauchen auf, Tapeten- und Stoffmuster, ein Balkongitter, alles Sujets aus der malerischen Welt von Matisse.

Am Straßenrand oder im Sperrmüll

In den frühen Jahren zu Beginn seiner Karriere orientierte sich Canham vor allem an der realen Welt. Er malte und zeichnete realistisch. Über die Jahrzehnte hat der in Hildesheim lebende Künstler sich der Ungegenständlichkeit zugewandt. Er kombiniert vorgefundenes Material wie Stücke von Obstkisten und Kartons mit einer Kordel. Canham könne nicht auf gekauften Leinwänden malen, sagte Hoppenstedt. Anspruchsvolles Material hemme seine Inspiration. Nun nutzt er also gefundenes Material wie Hartfaserplatten, die er am Straßenrand oder im Sperrmüll aufliest.

Auf diese diversen und unterschiedlich reagierenden Malgründe setzt Canham malerisch feine Akzente und wird wuchtig, wenn das Bild es erfordert. Er setzt Rechtecke gegen Kreise oder Ovale und kombiniert mit sicherer Hand Muster. Er trägt Farbe auf, schabt sie wieder ab oder ritzt Schraffuren und Linien in den Untergrund. So formt er mit großer Vielfalt eigene Räume, eigene Zeichen, eigene Piktogramme, die die Welt erklären könnten.

Eher formal als erzählerisch

So weit allerdings geht Canham denn doch nicht. Er forscht in der Kunstgeschichte und findet dabei seinen eigenen eher formalen als erzählerischen Weg.

Die Ausstellung „This and That“ von Anthony Canham läuft noch bis zum Sonntag, 17. März, im Weißen Saal des Künstlerhauses Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zu Finissage ist am 17. März um 17 Uhr ein Künstlergespräch mit Canham angesetzt.

Von Peter Krüger-Lenz

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