Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Kultur aus "Göttingen ist bunt"
Nachrichten Kultur Regional Kultur aus "Göttingen ist bunt"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.03.2016
Von Michael Schäfer
Artistik und Tanz mit Natalie Nowak am Vertikaltuch.
Artistik und Tanz mit Natalie Nowak am Vertikaltuch. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Mit der festlichen Ouvertüre zur „Zauberflöte“ eröffnete das Göttinger Symphonie-Orchester unter Christoph-Mathias Mueller den Abend. „Göttingen ist bunt“: Unter dieses Motto stellte Händelfestspiel-Intendant Tobias Wolff das außergewöhnliche Event. Er führte zusammen mit seiner Co-Moderatorin Nina de la Chevallerie vom Boat-People-Projekt charmant durch den Abend.

Bunt sei Göttingen auch durch die Flüchtlinge, die in Göttingen Zuflucht gefunden hätten, hob Wolff hervor – und holte aus diesem Grund Ausländer auf die Bühne, die die Ansagen der Moderatoren in ihre Muttersprache übersetzten. Da hörte man Arabisch, Afghanisch, Chinesisch, Indonesisch, mit Tigrinya und Nara zwei Sprachen Eritreas, Belutschi, gesprochen in Belutschistan im iranischen Hochland, und viele andere.

Sehr deftiges Deutsch dagegen war in der Szene aus dem Stück „Tigermilch“ zu erleben, die die Schauspielerinnen Nancy Pönitz und Felicitas Madl vom Deutschen Theater präsentierten: pubertierende Mädchen in Reinkultur, erfrischend frech. Als Intermezzo bot Natalie Nowak am Vertikaltuch ihre akrobatische und sehr ästhetische Kletternummer „Colour of life“, das gelbe Tuch mal als Seil nutzend, mal als Schmuckelement, das ihre Bewegungen in flatternder Grazie nachzeichnete.

Es folgten zwei eindringliche Songs aus „Flutlicht“, der gerade am Nonnenstieg uraufgeführten Produktion des Boat-People-Projekts, gesungen auf Arabisch und auf Afghanisch. Solisten waren die Flüchtlinge Reshad Sultan und Bushkin Mohammed Ali: Lieder aus „meiner Heimat, die kaputt ist“, wie Sultan sagte. Bevor das Ensemble des Jungen Theaters mit dem aggressiv-lauten Song „Hurra, die Welt geht unter“ aus „Money, money, money“ das Publikum in die Pause entließ, sorgte die souveräne koreanische Pianistin Ju Hyeon Lee mit einer Brahms-Rhapsodie am Flügel für einen poetischen Ruhepunkt.

Diese Pause war, wie üblich bei der Kunst-Gala, mit Programm. Zwischen vier Foyer-Bühnen konnten die Zuschauer wählen: von afrikanischen Liedern und Percussion (Afroxé) über Orient-Rock mit Buzzzaar und Irish Folk mit Mary’s Bard bis zum „Barocco Nuevo“ mit Andreas Düker (Laute) und Martin Tschoepe (Kontrabass).

Geförderte Projekte

Die stolze Summe von 20 500 Euro konnte der Verein „Kultur unterstützt Stadt Göttingen“ (Kunst) 2015 als Erlös der 14. Kunst-Gala verbuchen. Was damit geschehen ist, erläuterten der Vorsitzende Nils König und seine Vereinsvorstandskollegen Inge Mathes (Deutsches Theater) Anne Moldenhauer (Kaz) und Wilfried Arnold (Lumière).

Zu den vom Verein Kunst mit 17 500 Euro geförderten Projekten gehören unter anderem das Familientheaterfest Sommerbrise des Theatervereins Domino, Gastspiele des Jungen Theaters in der Justizvollzugsanstalt Göttingen, das Poetree-Festival des Kunstvereins im Cheltenham-Park, ein Gastspiel des Boat-People-Projekts in einem Kinderzimmer und ein Zuschuss an das Künstlerhaus für vier Kunst-Installationen an außergewöhnlichen Orten.

Der Erlös der Gala 2016 ist für Projekte bestimmt, die Flüchtlingen die Möglichkeit der Begegnung und des Austausches untereinander und mit Kulturschaffenden eröffnen. Bis jetzt seien schon 20 Anträge eingegangen, berichtete König. el

Das war der Appetithappen für den zweiten Showteil auf der großen Bühne. Ihn eröffnete das 17-köpfige Interkulturelle Orchester der Musa unter Hans Kaul mit einem afghanischen und einem italienischen Lied. Wobei das Besondere an diesem Ensemble nicht unbedingt seine musikalische Qualität ist, sondern die ungewöhnlich bunte und stets kooperative Mischung aus deutschen und ausländischen Musikern.

Als Überraschung folgte der Kurzfilm „Connected“, produziert von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen aus Hann. Münden: eine fröhliche filmische Bebilderung der Schwierigkeit, Freunde zu finden.

Zwei melancholisch-sanfte Titel steuerte Kyles Tolone bei, die Dreimann-Band, die beim Bundeswettbewerb Local Heroes 2015 den Publikumspreis gewann. Auf eine andere Art melancholisch ist Andersens Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, das bei der 7. Tanz-Kultur-Woche im September von den Ballettschülerinnen von Judith Kara (Art la danse) in der Alten Fechthalle uraufgeführt werden soll.

Eine Szene daraus gab einen Vorgeschmack: sehr ästhetisch, sehr fließend in den Bewegungen, grazil und ausdrucksstark.

Stargast Alexis Kara – Göttingern geläufig als ehemaliges Mitglied der Comedy Company, heute Dauergast der „Heute-Show“ – plauderte solo gut fünf sehr unterhaltsame Minuten über das Thema, wie schwierig es ist, ein Thema für einen Soloauftritt zu finden. Den lautstark-heiteren Schlusspunkt setzten die Latin-Percussion-Gruppen des Kaz: rund 35 begeisterte Trommler, die das begeisterte Publikum in kubanische Karnevalsstimmung versetzten. Tosender Beifall.