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Regional „Kultur im Kreis“: The Classic Buskers mit „kleiner Lachmusik“ im Landgasthaus
Nachrichten Kultur Regional „Kultur im Kreis“: The Classic Buskers mit „kleiner Lachmusik“ im Landgasthaus
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20:10 29.08.2013
König(in) der Nacht: Ian Moore, einer der beiden „Classic Busters“. Quelle: EL
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Landwehrhagen

The Classic Buskers haben sich angesagt, die beiden englischen Musikkomödianten Michael Copley (Flöten aller Art) und Ian Moore (Akkordeon), die mit ihrem Programm „Eine kleine Lachmusik“ eine Perlenkette der europäischen Musikgeschichte aufziehen.

Viele Göttinger Musikfreunde kennen die Classic Buskers von Open-Air-Konzerten bei den Händel-Festspielen. Sie waren etwa achtmal dabei, erstmals vor fast 30 Jahren, in der „Händel-Promenade“ 1984. Jetzt sind sie gerade von einer China-Tournee zurückgekehrt.

Im Gepäck – das heißt: im Kopf – haben sie die populärsten Klassik-Hits aus Orchester- und Kammermusik. Das fängt im englischen Barock bei Purcell an und führt weit bis ins 20. Jahrhundert. Gestreift werden Vivaldi ebenso wie Smetana, Mozart wie Bizet, Borodin wie Rossini, Händel wie Haydn, Offenbach wie de Falla.

Ton gepfiffen oder angesungen

Copley bedient sich dabei aus einem auf einem großen Tisch ausgebreiteten Blasinstrumenten-Arsenal. Es reicht von Block- und Querflöten über Piccolo und einen modernen elektronischen Blaswandler bis zum Tierhorn, der Melodica und Okarinas in allen Größen und Formen. Wenn das alles nicht reicht, wird der fehlende Ton gepfiffen oder angesungen, worin besonders Ian Moore Meister ist. Groß ist auch Moores Kunst, dem Akkordeon die Akkorde wie nebenbei zu entlocken, sie mit kaum wahrnehmbarer Handbewegung in den Raum zu tupfen und dazu sich vielleicht noch mit der freien Hand am Kopf zu kratzen.

Ihr Rezept: Die Buskers nehmen die Musik sehr wohl ernst, das heißt, sie spielen sie sauber – jedenfalls dann, wenn sie es wollen –, sehr ausdrucksvoll und gern schnell bis zu weltrekordverdächtigen Tempi. Und sie nehmen sie zugleich völlig unernst, lassen etwa in Smetanas „Moldau“ Themen anderer Komponisten fast unmerklich einfließen, so dass mitten in der „Bauernhochzeit“ Mendelssohns Hochzeitsmarsch tönt oder die Nymphen in ihrem nächtlichen Reigen unvermittelt mit den Mondscheintönen aus Debussys „Clair de lune“ verzaubert werden.

„Mein Hut, der hat drei Ecken“

Ein paar Höhepunkte aus dem munteren Treiben: ein Potpourri aus Bizets „Carmen“, in dem die Singstimmen auf alle möglichen Blasinstrumente verteilt sind, die ganz ernst und schön gespielte Arie aus Purcells „Dido und Aeneas“ mit ihrem Lamento-Bass im Akkordeon, Copleys wirbelnde Okarina-Variationen über „Mein Hut, der hat drei Ecken“ oder die Schlussnummer des zweiten Teils, Ravels „Boléro“ mit Schlagzeug­einlage auf dem Akkordeon-Korpus und einer wahrhaft furiosen Schlusssteigerung, bei der ungefähr sechs Instrumente gleichzeitig eingesetzt sind. Moore glänzt darüber hinaus mit einer unglaublich komischen Gesangsnummer, die bei Mozarts Königin der Nacht startet, um am Ende in ganz unerwartete Gefilde abzudriften.

Dieser „kleinen Lachmusik“ lauscht das Publikum andächtig, gluckst vor Vergnügen, bricht in schallendes Gelächter aus, um dann wieder nur stumm zu staunen. Am Ende klatschen und trampeln die Zuhörer, bis sie mit einem ganzen Bukett Zugaben belohnt werden. Die letzte: ein Satz aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ – im Duett gepfiffen.

Von Michael Schäfer