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Regional Ein Leben für die Kunst: Glenn Walbaum feiert 80. Geburtstag
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13:52 30.08.2019
Der Musiker und Kabarettist feiert 80. Geburtstag. Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

„Ich bin seit dem 15. Lebensjahr eigentlich nicht mehr von der Bühne heruntergekommen“, sagt Walbaum. Im Internat im Hessischen machte er seine ersten Gehversuche auf den Brettern, die künftig auch seine Welt bedeuten sollten. Er spielte in der Inszenierung „Ein Kommandant meutert – gemeinsam mit dem Satiriker Pit Knorr, der seit 2018 Träger des Satirepreises „Göttinger Elch“ ist. „Wir sind ein Jahrgang“, erinnert sich Walbaum.

Mit Jazz das Studium finanziert

Geboren ist Walbaum am 31. August 1939 in Wien – „am letzten Tag des Friedens“, sagt Walbaum. Am 1. September marschierten deutsche Soldaten in Polen ein. Seine Mutter war eine Wienerin, der Vater Göttinger. Zum Lehramtsstudium kam Walbaum nach Göttingen – und hörte umgehend vom Center, der ersten Jazzkneipe, die gerade gestartet war. „Dort haben sie mich gleich ans Klavier gesetzt.“ Mit George Bodenstein traf er dort einen der Mitbegründer, über die Jahrzehnte einer seiner Wegbegleiter.

In dieser Zeit gründete er auch ein Jazz-Quintett, mit dem er sein Studium finanzierte. Auf Uni-festen und Studentenfeten seien sie aufgetreten, berichtet Walbaum. Nach dem Studium allerdings wurde das Lehrerdasein sein erstes und wichtigstes Standbein. „Ich habe die IGS mitgegründet und den Musikzweig dort aufgebaut“, sagt Walbaum. Musik und Theater seien da noch nebenher gelaufen.

Ein erster Karrieresprung

In der 1960er-Jahren übernahm Walbaum die musikalische Leitung im Jungen Theater, wo er auch seinen späteren Kabarett-Partner Peter Grande kennen. 1964 stieg er bei dessen „Hamburger Studentenkabarett Das faule Ei“ ein. Einen ersten Karrieresprung erlebte er 1968. Er sei von Kay Lorenz ans Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ engagiert worden, damals eines der führenden Häuser in Deutschland. Zwei Jahre blieb er dort, dann kam er wieder zurück nach Göttingen.

Den Auszug der Kunst-Fraktion aus dem Center in die ehemalige Schlosser-Werkstatt in der Burgstraße, die dann das Apex wurde, machte Walbaum mit. Hier etablierte Walbaum seine Solo-Kabarettprogramme, die er jahrzehntelang mit viel Leben füllte. Im Apex, aber auch im Nörgelbuff trat er damit auf. Darüber hinaus spielte er in einer Reihe von Bands wie dem Blue Roseland Orchestra.

Musikalischer Leiter

1976 dann der nächste Karrieresprung. Günther Fleckenstein, damals Intendant des Deutschen Theaters Göttingen, holte ihn als musikalischen Leiter in sein Haus, eine Position, die er 20 Jahre lang bekleidete, ab 1977 auch bei den Bad Hersfelder Festspielen. „Eine sehr produktive Zeit“, sagt Walbaum heute im Rückblick.

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Die Stimmgabel und andere Chöre:

Die Chor-Karriere

Mit großem Vergnügen erinnert sich Walbaum auch an seine Zeit als Leiter diverser Chöre. Im Lehrerstudium habe er das Dirigieren gelernt, berichtet er. Ein Ensemble ragt in der langen Chorvita heraus: „Die Stimmgabel“ – „eine große Liebe“. Junge Männer wollten singen, allerdings nicht im gemischten Chor Groß Schneen, sondern „wie die Comedian Harmonists“. Walbaum verdonnerte sie zu einem Jahr beim Gemischten Chor und stellte dabei den Versuch in Aussicht. Sie hielten durch, und Walbaum entwickelte die Sangesgruppe später auch mit seiner Ehefrau Renate Schindler-Walbaum zum „besten Chor Niedersachsen“. Zu den bewegenden Momenten in seinem künstlerischen Leben gehöre auch, „wenn das ganze Publikum aufsteht und klatscht“.

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Walbaum entwickelte mit „So weit die scharfe Zunge reicht“ eine Zeitreise vom Wiener bis zum Berliner Kabarett. Unzählige Vorstellungen gab er mit beiden Abenden. Gemeinsam mit Peter Janssens entwickelte er das Programm „Wenn ich zwei Flügel hätt’“, mit dem sie auch international engagiert worden seien, beispielsweise nach Paris. „Aber ich habe nie aufgehört, auch Jazz zu machen“, sagt Walbaum.

Der niedersächsische Herr Karl

1984 dann schuf er eine Figur, die für die nächsten fast 30 Jahre sein Leben sehr beeinflussen sollte. Gemeinsam mit Bodenstein und beider Ehefrauen verbrachten sie einen Urlaub in der Pfalz. Bodenstein habe vorgeschlagen, er könne doch den „Herrn Karl“ von dem großen Österreicher Helmut Qualtinger auf die Bühne bringen. Den könne im hohen Norden niemand verstehen, habe er eingewandt und selbst vorgeschlagen: Was hältst du davon, wenn ich einen niedersächsischen Herrn Karl erfinde?“ – die Geburtsstunde des enorm erfolgreichen Kabarettabends „Hier, höre zu“.

Mit Grande holte er dazu, der die Texte schrieb, die getränkt waren mit Erlauschtem aus den südniedersächsischen Tanzdielen, Dorfkneipen und Wohnzimmern. Walbaum spielte den Landwirt Heinrich Eickemeier, Grande den Lokführer Fritze Brinkmann. Mit kabarettistischen Texten und Schrammelmusik auf Trompete und Schweineorgel tourten sie durch Deutschland und vertraten als Kulturbotschafter Göttingen – auch bei einem Auftritt im Fliegerhorste Jever, erinnert sich Walbaum lachend. Seine angeborene Begabung für Dialekte habe ihm dabei sehr geholfen, meint Wallbaum und spricht das Wort mit drei verschiedenen As: „Waldamase“.

Schluss im Dezember 2015

Im Dezember 2015 beendete Walbaum schließlich seine bemerkenswerte musikalische und kabarettistische Karriere. „Ich habe versucht aufzuhören, als es noch keinen Qualitätsverlust gab“, sagt Walbaum und sieht dabei sehr zufrieden aus.

Stationen im Leben von Glenn Walbaum:

Sunny Boys

Die „Stimmgabel“ beim Festival Baltic Jazz Singers

Von Peter Krüger-Lenz

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