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Regional Kultur nach der Krise: Vorbereitungen in Südniedersachsen laufen sehr unterschiedlich
Nachrichten Kultur Regional Kultur nach der Krise: Vorbereitungen in Südniedersachsen laufen sehr unterschiedlich
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11:58 24.04.2020
Derzeit geschlossen: der Live-Club Nörgelbuff im Gewölbekeller an der Groner Straße. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

„Die Broschüre ist inhaltlich fertig, das Plakat auch“, sagt Gregor Jess. Er organisiert gemeinsam mit Heide Stock aus Hannover seit Jahren „Kultur im Kreis“, eine Veranstaltungsreihe, die, vom Landkreis gefördert, Kultur in die Region außerhalb Göttingens bringt. Fertig sind die Werbeprodukte, aber noch nicht im Druck. „Wir entscheiden von Woche zu Woche“, sagt der Kulturmanager.

Verträge mit den Künstlern bereits abgeschlossen

Sieben Veranstaltungen zwischen Klassik und Kabarett soll die Reihe in diesem Jahr umfassen, berichtet Jess, ein eher schmales Programm. Die Verträge mit den Künstlern sind bereits abgeschlossen. Allerdings seien sie diesmal eher spät unterschrieben worden, im Februar. Jetzt enthalten sie einen Passus, der den Rücktritt der Organisatoren von der Vereinbarung möglich macht. Dass notwendig sein könnte, habe sich bereits im Februar angedeutet.

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Doch Jess denkt auch an die Künstler, die bei einer Absage ohne Gage dastehen könnten. „Wenn wir absagen müssen, versuchen wir, das Festival eins zu eins ins kommende Jahr zu übertragen.“

Bühnen im Landkreis

Die übliche Pressekonferenz ist ebenfalls bereits geplant, wenn sich abzeichnet, dass das „Kultur im Kreis“ doch noch über die Bühnen im Landkreis gehen kann. Die Werbung ist noch nicht gestartet.

Er sei im Austausch mit einigen Veranstaltern, deren große Festivals eigentlich gerade laufen oder bald starten sollten. Die schlügen sich derzeit mit ganz anderen Problemen herum. Allein die Erstattung der Tickets – gerade bei den vielen ausverkauften Festivals – ist laut Jess sehr aufwendig.

Das meiste Geschäft an der Abendkasse

„Da haben wir Glück, dass wir eine so kleine Veranstaltungsreihe sind“, sagt Jess. „Wir haben noch nicht eine Karte verkauft.“ Der Vorverkauf ist nicht gestartet und die Werbung nicht angelaufen. Das meiste Geschäfte machte das Festival sowieso an der Abendkasse.

Sorgen macht Jess sich noch über eine Veranstaltungsfreigabe mit Auflagen. 30 Prozent des Budgets müssten sie durch den Ticketverkauf erwirtschaften. Wenn allerdings Abstandsregeln zwischen den Besuchern eingehalten werden müssten und deswegen statt 200 Besuchern vielleicht nur 50 oder 60 in den Zuschauerraum passten, sei das nicht mehr möglich umzusetzen. Doch noch bleibt Jess erstmal einigermaßen entspannt: „Wir denken jetzt erstmal positiv“.

Über die Besetzung der Festivalreihe will Jess noch keine Angaben machen. „Wenn es dann vielleicht doch nicht stattfindet?“

Höhere Gewalt und bereits geschlossene Verträge

Die Situation in der Musa ist wie die im Live-Club Nörgelbuff auch angespannt. Die Organisatoren der Konzertveranstaltungen leiden laut eigener Aussage in beiden Häusern darunter, dass sogenannte Allgemeinverfügungen für ihre Bereiche nur kurzfristig verkündet werden. Veranstaltungen ab 1000 Besucher sind bis 31. August abgesagt. Doch die kleineren in Musa und Nörgelbuff sind bis 6.Mai untersagt, darüber hinaus wahrscheinlich auch. eine Aussage, mit der beide wenig anfangen können. Erste wenn die Allgemeinverfügung erlassen wurde, greift der der Hinweis auf höhere Gewalt und bereits geschlossene Verträge können ohne Strafzahlungen aufgelöst werden. „Es würde helfen, wenn wir es früher wüssten“, sagt Tine Tiedemann von der Musa.

Cluböffnungen mit Hygienevorschriften

Sascha Pelzel (Nörgelbuff) spricht sich für eine Verlegung der Konzerte statt einer Absage aus – und lenkt den Blick schon auf mögliche Cluböffnungen mit Hygienevorschriften. Im Nörgelbuff seien mit Abstandsregel zwischen Besuchern die Kosten für eine Öffnung höher als die Einnahmen.

Pelzel sorgt sich zudem um Agenturen, die Auftritte und Tourneen für ihre Künstler organisieren. Sollte der Festivalsommer ausfallen, könnte das einige der Agenturen die Existenz kosten. „Glaubt man tatsächlich, dass die am Ende alle noch da sind?“, meint Tiedemann.

Kulturschaffende ohne Wert?

Sie sei „nicht in Sorge, dass wir die Musa und die Mitarbeiter in das Jahr 2021 schaffen“, sagt Tiedemann. Sorge habe sie um die Künstler: „Ein ganzer Berufsstand geht in Hartz IV.“ Tiedemann: „Kulturschaffende haben in unserer Gesellschaft offenbar keinen Wert.“

Musikshow im Autokino

Das Junge Theater (JT) Göttingen hat seinen Vorstellungsbetrieb in dem Haus an der Bürgerstraße komplett ausgesetzt. Etwas überraschend kam jetzt die Nachricht von einem Auftritt des Ensembles. Trotz Ausgangsbeschränkungen können Besucher die Musikshow „Wild Thing“ unter freien Himmel erleben – im Auto. Denn die Inszenierung von Michaela Dicu und Fred Kerkmann kommt ins Autokino. Am Sonntag, 26. April, um 17 Uhr gastieren Schauspieler und Band im Autokino auf dem Parkplatz am Jahnstadion in Göttingen. Vorstellungsbesucher können die Show im Auto über ihr Autoradio genießen. Maximal 60 Fahrzeuge, also 120 Gäste, haben Platz vor der Bühne. Alle Einnahmen kommen soloselbstständigen Künstlern zugute. Die Musikshow ist eine Reise durch ein halbes Jahrhundert Rock’n’Roll-Geschichte. Der Vorverkauf startet am Donnerstag, 23. April, um 9 Uhr. Karten kosten 20 Euro pro Fahrzeug und sind nur online auf goesf.de erhältlich. Es wird keine Abendkasse geben.

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Landkreis und Tageblatt helfen Künstlern

Abgesagte Konzerte und Aufführungen, geschlossene Ausstellungen: Die Corona-Krise trifft viele Kunst- und Kulturschaffende in Göttingen und der Region hart. Die Initiative „Kultur in Südniedersachsen“ (KiSN) von Landkreis und Tageblatt soll Künstlern eine digitale Bühne bieten und ihnen helfen, die Krise zu überstehen. Bildende und darstellende Künstler, Museen, Bühnen, Spielstätten und Veranstalter: Sie alle gehören zur Zielgruppe der Initiative, mit der Kulturschaffende in der Corona-Krise unterstützt werden sollen. Mitmachen ist leicht: Überlegen Sie sich, was Sie zeigen möchten. Vom Video, das Sie bei der Arbeit zeigt, über Youtube-Playlists, Bildergalerien und Biografien bis hin zum digitalen Rundgang ist alles möglich.

Um auf der KiSN-Seite zu erscheinen, melden Sie sich auf der Website des Tageblatts oder per Mail an kultur@landkreisgoettingen.de an. Unter dieser Adresse erhalten Sie auch Hilfe vom Expertenteam aus Politik, Kultur und Vermarktung, wenn Sie Fragen oder Probleme haben. Es gilt: Inhalt vor Perfektion. KiSN soll auch die Vielfalt und Einzigartigkeit des kulturellen Lebens in Göttingen und der Region zeigen.

 

Von Peter Krüger-Lenz

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