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13:08 23.10.2019
Der Bronze-Abguss im Büro des Göttinger Oberbürgermeisters. Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Stolze stellt derzeit gemeinsam mit Abby Schulze und Rolf Meurer in der Galerie Alte Feuerwache aus. „Trilogie – Neusilber trifft Metall und Stein“ haben sie die Schau genannt. An diesem Vormittag flitzt sie von Kunstwerk zu Kunstwerk. Sie zeigt eine Arbeit aus seltenem Zedernholz, dem Material entsprechend außen hell und innen dunkel. Sie hat Steinskulpturen aufgebaut, die sie aus sogenanntem Serpentin, einem Gestein aus Zimbabwe herstellt. Der offenbare seine Farbe erst bei der Bearbeitung, erklärt die Künstlerin, die bis zu ihrem Ruhestand als Medizinerin gearbeitet hat.

Mira Stolze in der Ausstellung in der Galerie Alte Feuerwache. Quelle: Peter Krüger-Lenz

Paar-Figuren hat sie einige in die Ausstellung gebracht, eine Konstellation, die ihr liege, erklärt die 79-Jährige. Doch sie tummelt sich auch in einigen anderen Themenbereichen. Geld- oder Sparbücher hat sie aus Marmor gestaltet und Geldstücke in die Oberfläche eingelassen. Eher neu ist die Reihe „Facebook“, Bücher mit Gesichtern. Hier will sie auch weiterarbeiten.

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Gemeinsam mit Schulze arbeitet sie an Materialmix-Kunstwerken, wobei der Kollege Metall verarbeite, sagt Stolze, „das kann ich nämlich nicht“.

Vier Werke gekauft

Vor einigen Jahren wurde Rolf-Georg Köhler auf die Kunst von Stolze aufmerksam, damals noch Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau Göttingen. Er habe sich damals sieben Werke präsentieren lassen – und vier davon angekauft, erinnert sich die Künstlerin. Bei seinem Wechsel als Oberbürgermeister ins Göttinger Rathaus habe er eine Arbeit mitgenommen. Die stehe jetzt in seinem Büro.

Der Augenschein bestätigt das. Gleich rechts neben der Eingangstür steht das Werk auf einem weißen Sockel, mit einem weißen Schild ausgestattet. Das weißt die Bronze im Format eines großen Schuhkartons als Arbeit von Mira Stolze aus, betitelt mit dem Namen „Contradictio“, was in etwa „Widerspruch“ bedeutet. Eine organisch-runde Form steht dicht vor einer geometrischen Form mit geraden Kanten, die an eine Eins erinnert. Beide Formen sind fest mit einem Sockel verbunden.

Aus Granit gefertigt

Mit Abbildungen von fünf Werken, darunter dem aus dem Büro des Oberbürgermeisters bewarb sich Stolze für einen Wettbewerb ins Göttingens Partnerstadt Nanjing. Dort soll ein Park mit Werken von Künstlern aus den Partnerstädten der chinesischen Metropole ausgestaltet werden. Eine Jury, bestehend aus „Baumeistern, Architekten, Stadtverordneten und einem Künstler“, so Stolze, begutachtete die Werke – und entschied sich tatsächlich für „Contradictio“.

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Stolze hofft, dass ihre Skulptur aus Granit gefertigt wird. Die Höhe allerdings ist noch nicht klar. „Es soll sich harmonisch in den Park einfügen“, habe sie die Anfrage aus Nanjing beantwortet, sagt Stolze. Derzeit gehen die Planungen von vier bis fünf Metern aus.

Original in dem Park in Nanjing anschauen

Die ersten fünf Kunstwerke sollen jetzt in Angriff genommen werden. Auch hier ist das Stolze-Werk dabei. Fertiggestellt soll es laut den Planungen nach dem chinesischen Neujahrsfest sein, Ende Januar kommenden Jahres also. Jetzt hofft die Künstlerin, dass sie sich die Arbeit dann im Original in dem Park in Nanjing anschauen kann.

Die Ausstellung mit Werken von Mira Stolze, Abby Schulze und Rolf Meurer läuft noch bis zum Freitag, 25. Oktober, in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4 in Göttingen. Sie ist am Donnerstag und am Freitag von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Meurers Tiere, Schulzes Stiere

Rolf Meurer ist gelernter Ingenieur. Zeit seines Lebens hat der heute 79-Jährige in seinem Ziegelwerk in Rosdorf gearbeitet. Mit der Kunst beschäftigt er sich schon seit der Schule. Neben dem Job begann er später wieder sich damit zu befassen. Er fertigt Tierplastiken aus Neusilber-Besteck. Hochglänzend stehen sie in der Ausstellung, Hahn, Bulle, Nashorn und allerlei Federvieh. Alle Körper fügt er mit bemerkenswertem Gefühl für Proportion und Anatomie aus Messer, gabel, Löffel.

Abby Schulz, Jahrgang 1960, studierte erst Landschaft, bevor er sich der Kunst zuwandte. Vor gut 20 Jahren habe er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, sagt er. Häufig schafft er Stier-Figuren, „ich bin selber Stier“, erklärt er lachend. Er kombiniert (Fachwerk-)Holz mit Metall und Stein, gerne mit Findlingen. Bisweilen setzt er künstlerisch auch politische Statements, in der Ausstellung dokumentiert durch eine kleine Arbeit, die an einen Milchskandal in China erinnert, durch den Kinder starben.

Von Peter Krüger-Lenz

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