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Regional Kunsthalle HGN: Große Fotoausstellung zum Thema "Heimat"
Nachrichten Kultur Regional Kunsthalle HGN: Große Fotoausstellung zum Thema "Heimat"
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17:54 14.06.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Von Will McBride 1957 im Grunewald in Berlin fotografiert: „Jungs betrunken“.
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Duderstadt

Das Konvolut stammt vor allem von der DZ Bank, die über Jahre hinweg mit viel Geld ausgestattet, eine bemerkenswerte Sammlung zusammengetragen hat. Teils hat Hans Georg Näder Arbeiten aus seinem Besitz beigesteuert.

Näder ist Chef des Prothetik-Weltmarktführers Ottobock. 200 Tage im Jahr sei er in der Welt unterwegs, um sein Firmenimperium zu führen, erklärte er zur Eröffnung der Schau auf dem Grundstück seines privaten Wohngeländes in Duderstadt. Für Näder hat Heimat also eine ganz besondere Bedeutung. Für viele der Fotografen offensichtlich auch, die unterschiedliche Ideen entwickelten von dem, was Heimat bedeuten kann.

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Zwei Schwerpunkte: Landschaftsfotografie sowie Gruppenbilder und Porträts

Das Team des Berliner Galeristen Rudolf Kicken hat die Ausstellung kuratiert, das heißt, die Mitarbeiter haben die Sammlung auf Werke abgesucht, die zum Thema passen könnten. Sie haben zwei Schwerpunkte herausgearbeitet: Landschaftsfotografie nimmt breiten Raum ein, dazu Gruppenbilder und Porträts.

Heimat ist dort, wo der Fluss über das Wehr stürzte und im Sommer die Nachbarskinder sich nach dem Bad gegenseitig die Blutegel von den Beinen klaubten. Für Peter Bialobrzeski ist es der Fluss mit den kleinen Halbinseln am Ufer, die von Ausflüglern bevölkert sind („Home 24“). Axel Hüttes Heimatfluss fließt idyllisch bei Ingelheim.

Beinahe märchenhaft

Beinahe märchenhaft verklärt zeigt Ólafur Elíasson seine Heimat Island, und auch Sonja Braas’ nicht verortete Landschaften zeigen eher in der Erinnerung verzuckerte Idylle. Landschaft fotografierte auch Heinrich Riebesehl. Seine Foto­serie zeigt bewirtschaftete deutsche Landschaft, beackerte Scholle, Leben in Eintracht mit der Natur. Seine Fotos wirken beiläufig, aber sie sind brillant und perfekt komponiert.

Doch es gibt auch eine Reihe von Fotografen, die dem Idyll städtische Wirklichkeit entgegen setzen. Michael Schmidt zeigt vergammelndes Berlin Ende der 70er Jahre. Andreas Gefeller hat sich nach dem Supergau in menschenleeren Regionen der Ukraine umgesehen und Ryuji Miyamoto nach einem Erdbeben in Japan. Inge Rambow entdeckte ihre Landschaftskatastrophe im Tagebau in Brandenburg. Arme Heimat.

August Sander fotografierte in den 10er und 20er Jahren ländliche Bevölkerung, Jungbauern im Feiertagsgewand oder Mutter, Tochter und Enkel. Will McBride entdeckte in den 50er Jahren betrunkene Jugendliche im Grunewald, Wolfgang Tillmans in den 90er Jahren eine Gruppe hipper junger Londoner. Andere Fotografen fanden Gruppen junger Menschen, die ihnen Heimat boten, überall auf der Welt.

Andy Warhols Schnappschüsse

Und Andy Warhol hat sich Ende der 70er Jahre in der Szene der Schönen und Kreativen umgetan. Dort gelangen ihm Schnappschüsse, die Bianca Jagger zeigen, Liza Minelli und Jackie Kennedy oder den Surrealisten Salvador Dalí. „Soziale Krankheit“ hat er die Serie genannt.
Viele Anlässe bietet die Ausstellung, um über Heimat nachzudenken, über die eigene Herkunft, Orte des Dazwischen, Menschen, die einen begleitet haben. Oder man hat einfach Spaß mit den Kunstwerken. Ganz vorne dabei sind dann Anna und Bernhard Blume, die an Baumstämmen herum rutschen.

Bis 8. September, an den Wochenenden von 11 bis 18 Uhr, Karl-Wüstefeld-Weg in Duderstadt. Behindertengerecht ist sie nicht, der Umbau aber in Planung.

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