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Regional Lagerfeuer in Göttinger Café: Künstler entfachen die Glut der Inspiration
Nachrichten Kultur Regional Lagerfeuer in Göttinger Café: Künstler entfachen die Glut der Inspiration
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17:30 20.02.2020
Den „stillen hunden“ Stefan Dehler (l.) und Christoph Huber sitzen der Schalk und Giacomo Casanova im Nacken. Quelle: R
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Göttingen

Das Pilotprojekt traf auf reichlich Gegenliebe – die Stefan Dehler und Christoph Huber mit neuem Programm erwidern. Das Duo der „stillen hunde“ organisiert fünf weitere Veranstaltungen: Die Fortsetzung der Reihe „Das Literarische Lagerfeuer im Quartier“ beginnt am Mittwoch, 26. Februar. Schauspielerin Julia Hansen facht um 17 Uhr die Glut im Café Canaria an.

Der Titel ihres Auftritts: „Die Liebe soll meine Heimat sein“. Im Café auf dem Gelände des Seniorenzentrums (Ingeborg-Nahnsen-Platz 1) inszeniert „Fluchten und Sehnsuchtsorte in Lyrik und Prosa“ – ihre Themen: „enttäuschte Liebe“, „beglückende Enttäuschungen“ und „Zurückkehren in eine heimatliche Fremde“.

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Schauspielerin Julia Hansen spielt zum Auftakt der Reihe „Das Literarische Lagerfeuer im Quartier“. Quelle: R

Leitung des Seniorenzentrums Göttingen entzündet „Lagerfeuer

Zurückkehren ist für die beiden „stillen hunde“ der Schlüssel zum Erfolg des neuen Formats. Die Initiative zum Entzünden des „Lagerfeuers“ sei im Frühsommer vergangenen Jahres „von der Seniorenzentrum Göttingen gGmbH und Petra Hoffman im Auftrag der Stadt“ ausgegangen, so Dehler. „Ziel war es, eine Veranstaltungsreihe mit ,literarischen’, von Göttinger Schauspielerinnen und Schauspielern präsentierten Programmen im Café Canaria zu realisieren“: Kulturveranstaltungen allerdings nicht ausschließlich für die Bewohner des Seniorenzentrums – „Interessierte von außerhalb sollten sich gleichermaßen angesprochen fühlen“.

Die erste Auflage begann im August und endete im Januar. Nahtlos beginnen jetzt weitere fünf Nachmittagsvorstellungen. Nach Julia Hansen wird Schauspieler Bernd Kaftan am 25. März die „Zukunft als unvermeidlichen Abgrund“ schildern. Er „begibt sich in die Rolle des zeitreisenden Berichterstatters, der einige scharfe Blicke auf unsere Gegenwart wirft – und zu einigen sehr wahren, aber auch sehr komischen Erkenntnissen kommt“, so Dehler und Huber.

Schauspieler Bernd Kaftan deutete am 25. März im Café Canaria die Zukunft. Quelle: R

Feuerstelle als Versammlungsort zum Konsumieren geistiger Nahrung

Das „Lagerfeuer“ im Veranstaltungstitel bezeichnet Dehler als „positive Metapher. Seit Urzeiten ist die Feuerstelle der Versammlungsort, an dem die notwendig reale, aber auch geistige Nahrung zubereitet und konsumiert wird. Die meisten von uns verbinden, Gott sei Dank, angenehme Vorstellungen mit dem Wort“, so Dehler. „Wer freiwillig und ohne Not am Lagerfeuer sitzt, empfindet das meist als genussvolles Privileg. Und der Genuss kann gesteigert werden, wenn einer das Wort ergreift und etwas Spannendes zu erzählen hat. Und genau das passiert.“

Angesprochen seien alle, die sich angesprochen fühlten. „Jede und jeder ist eingeladen. Es ist schön, wenn Menschen unterschiedlichen Alters einfach mal zusammenkommen, sich eine Auszeit vom Alltag gönnen, sich bei einer überschaubaren Dosis Geschichten entspannen oder zu einem neuen Gedankengang anregen lassen“, sagt Dehler. Die Inspiration sei vielseitig. Die Devise des Konzepts laute „Ernstes und weniger Ernstes aus allen Genres.

Verbindung ernsthafter Themen und komischer Stilmittel

„Inhaltlich legen wir nichts fest. Idealerweise verbindet ein Programm aber ernsthafte Themen und komische Stilmittel. Richtig gut ist Komik ja meist nur, wenn es nicht nur um vordergründige Effekt des Lachens geht, sondern die komische Darstellung einen wahren, möglicherweise erschreckenden Sachverhalt herausstreicht.“ Dehler betont, dass sich „manche Dinge erstaunlicherweise besser durch die Lupe der Komik erkennen lassen“. Bislang habe jede Ausgabe des „Lagerfeuers“ nicht nur unterhaltsame, „sondern eben in diesem besten Sinne komische Seite“ gezeigt.

Und Komik bleibt nicht aus, wenn die „stillen hunde“ Dehler und Huber nach der Sommerpause am 23. September Giacomo Casanova in Szene setzen – „mit dessen eigenen Worten“: Aus den Tagebüchern „eines Verführten“. Der natürlich auch Verführer war. Mal passiv, mal aktiv: Der Venezianer sei stets „zu sinnlichen Genüssen, zum Glücksspiel, zu gefährlichen Intrigen, zu geistvollen Gesprächen, zu kultiviertem Gedankenaustausch und zum Philosophieren“ bereit gewesen.

Maja Müller-Bula entführt das Publikum auf märchenhaften Wegen – und stellt auch Frau Holle vor. Quelle: R

Maja Müller-Bula auf den Spuren von Goldmarie und Pechmarie

Am 28. Oktober „begibt sich Schauspielerin Maja Müller-Bula auf die Spuren von Goldmarie und Pechmarie“, erlaube sich Exkursionen abseits des märchenhaften Weges und stellt Frau Holle vor: „Eine, bei der junge Mädchen nicht nur Hauswirtschaften lernen, sondern auch das, was im Leben wirklich zählt“, so Dehler und Huber. Eine, die Casanova wohl nicht auf Distanz gehalten hätte.

Das Finale gehört den „stillen Hunden“. Am 25. November schlüpfen sie in die Rollen von Sherlock Holmes und Doc Watson und fahnden nach dem Blauen Diamanten, den einst Autor Arthur Conan Doyle zum Raub freigegeben hatte. Dehler und Huber versprechen ein nostalgische Krimivergnügen.

Tickets sind in den Geschäftsstellen des Göttinger (Wiesenstraße 1) und Eichsfelder Tageblatts, Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich.

Jede Veranstaltung bietet eine „kreative Auszeit“ von 60 Minuten

Das Schauspieler-Duo die „stillen Hunde“, Stefan Dehler und Christoph Huber, organisiert die Programmreihe „Das Literarische Lagerfeuer im Quartier“, ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und zeichnet für die redaktionelle und grafische Gestaltung der werblichen Druckerzeugnisse verantwortlich. „Der Verein Apex Kultur bietet als Kooperationspartner zusätzlich die Möglichkeit, neue Zuschauer anzusprechen“, so Dehler.

Alle Mitwirkenden hätten bei der Auswahl der Inhalte „freie Hand“. Jede Veranstaltung dauert 60 Minuten. „Eine Stunde ist erfahrungsgemäß eine gute Zeitspanne für konzentriertes Zuhören. Dabei muss man ja immer ein bisschen geistig mitgestalten. Und das kann, gerade wenn es intensiv betrieben wird, großen Spaß machen, kostet aber auch Kraft. So gesehen: eine Stunde ist am späten Nachmittag, frühen Abend als ,kreative Auszeit’ für die meisten ausreichend“, sagt Dehler. Viele der Gäste kämen allerdings schon eine halbe Stunde vorher, „um Freunde und Bekannte zu treffen und sich bei einem Getränk und einem kleinen Snack auf den Vortrag einzustimmen. Manche bleiben nach der Vorstellung noch eine Weile gemütlich sitzen und reden. Um das Beisammensein geht es ja auch.

Gastgeber ist das Seniorenzentrum Göttingen. Zentrum und Café böten den räumlichen Treffpunkt, den „infrastrukturellen Rahmen“, so Dehler. „Als sichtbare, persönliche Gastgeber treten die Vortragenden auf. Das Publikum ist ja an deren Ideen, der Performance, der Persönlichkeit des Künstlers oder Künstlerin interessiert.“

Von Stefan Kirchhoff