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Regional Lea Hinz auf den Spuren von Zarah Leander
Nachrichten Kultur Regional Lea Hinz auf den Spuren von Zarah Leander
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19:11 18.07.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Glamourös und geschmeidig: Lea Hinz mit der von ihr entwickelten „Luftring“-Nummer.
Glamourös und geschmeidig: Lea Hinz mit der von ihr entwickelten „Luftring“-Nummer. Quelle: PEK
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„Talents“ heißt die Show, in der sie ihre Nummern zeigt. Premiere war jetzt in dem traditionsreichen Varieté-Theater Georgspalast (GOP) in Hannover.

Mitte der 1920er Jahre traf sich im „Café-Restaurant Georgspalast“ in Hannover die Jazzszene zum Tanz. Sogar während dem Zweiten Weltkrieg sorgten hier große Orchester für Stimmung. Ab Ende der 1940er Jahre traten Sänger, Schauspieler und Filmstars hier auf. Gert Fröbe war unter Vertrag, Josephine Baker, Heinz Erhardt und Zarah Leander. Der Betrieb endete 1962, wurde aber 30 Jahre später wieder aufgenommen. Heute besitzt das GOP neben dem Haus in Hannover vier Standorte im Westen Deutschlands und in München.

Sie arbeite seit rund eineinhalb Jahren für das GOP, erzählt Hinz, die am Hainberggymnasium ihr Abitur bestand, im Anschluss an die Premierenshow. Sie trägt jetzt schicke, bequeme Kleidung und ist immer noch stark geschminkt. Für ein Gespräch hat sie sich Zeit genommen, obwohl Heidi Aguilar schon wartet. Die Choreographin des „Feuerwerks der Turnkunst“ ist eigens zur Premiere gekommen, mit Hinz hat sie schon mehrfach bei dem Spektakel zusammengearbeitet. Die „Luftring“-Nummer ist neu in ihrem Repertoire. Im Oktober sei sie nach Montreal in Kanada geflogen und habe sie in einer Artistenschule erarbeitet, erzählt das Showtalent mit viel Ausstrahlung. „Man muss oft reisen“, sagt sie. Konkurrenz habe sie in der Szene noch nicht erlebt: „Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht.“ In Berlin zum Beispiel auch. Dort gehört Hinz zu „Base Berlin“, einem Netzwerk von „20 bis 30 Artisten, Regisseuren und Technikern“, erläutert sie und fügt an: „Ich schaue viel nach rechts und links.“

Zwischen zwei und zehn Stunden täglich trainiert sie, im Schnitt drei bis vier Stunden. Das fordert seinen Tribut. Mit einem Muskelfaserriss plagt sie sich derzeit herum, und sie tritt „mit drei Fingern auf, die nicht funktionieren“. Sie seien aufgescheuert und blutig, erläutert Hinz. Das Publikum hat an diesem Abend nichts davon mitbekommen. Auch dafür arbeitet Hinz hart. Die Laufzeit der Show von zweieinhalb Stunden nutze sie durchgehend zum Aufwärmen.

Dass sie die rhythmische Sportgymnastik mit der Akrobatik vertauschte, hat Hinz nie bereut. Ihr gefalle die Kreativität des Berufes, sagt Hinz. Das sei anders als beim Leistungssport wo nur Schwierigkeiten abgearbeitet würden. So fühle sie sich sehr wohl, denn „Kampfrichter streichen nur Fehler an, das Publikum aber ist dankbar“.

Medizin wollte sie nach dem Abitur studieren, war schon auf Wohnungssuche in Berlin, als die Ruf des GOP sie ereilte. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Vielleicht mit Mitte 20 kommt dann die intellektuelle Schiene“, sagt Hinz.