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Regional Leseförderung mit vielen Mitteln und allen Sinnen
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16:41 18.03.2012
Von Angela Brünjes
Hat neue Pläne für die Leseförderung: Cornelie Hildebrandt.
Hat neue Pläne für die Leseförderung: Cornelie Hildebrandt. Quelle: CH
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Göttingen

Warum wollen Sie Ihr Engagement fürs Lesen von Kindern und Jugendlichen in einem anderen Rahmen fortsetzen?

Mein Ziel ist eine neue Ausrichtung. Deshalb werden die  Schülerlesetage Göttingen von dem neuen Verein „Stadt der lesenden Kinder – Leseförderung Südniedersachsen“ getragen. Der Untertitel des Vereinsnamens gibt schon das Ziel vor: Leseförderung. Und die soll mit den Lesetagen auch im nördlichen Südniedersachsen, in Nörten-Hardenberg, Northeim, Moringen und Goslar angeboten werden. Dort gibt es längst nicht so viele kulturelle Angebote wie in Göttingen, aber einen ausgesprochen hohen Bedarf.

Bisher haben Sie die Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisiert. Was war der Grund für den Wechsel?

Acht Jahre habe ich sehr gerne und gut mit der GEW zusammengearbeitet. Zuletzt gab es unterschiedliche konzeptionelle Vorstellungen gerade in Bezug auf die Leseförderung. Die ist mir aber so wichtig geworden, dass ich den Schritt zum Wechsel, der mir nicht leicht gefallen ist, für notwendig halte.

Im Herbst wird es zeitgleich zwei Lesewochen in Göttingen geben. Dabei stellt sich ja generell die Frage, ob in Göttingen die Nachfrage groß genug ist für zwei Lesewochen mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur?

Das wird die Entwicklung zeigen. Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich aber, dass die Autoren Göttingen wahrnehmen als eine Stadt mit großer Akzeptanz für Literaturprojekte. Das ist so und bezieht auf alle Altersgruppen. Insofern denke ich, dass das Angebot gut noch wachsen kann.

Lesen Sie selbst noch etwas anderes als Kinder- und Jugendbuchliteratur?

Sehr selten. Ich bin ja auch im Arbeitskreis Jugend und Medien, abgekürzt AJuM, tätig und schreibe Rezensionen, die Lehrern Empfehlungen für Klassenlesestoff sind. Die Texte werden auch für Buchcover oder Verlagsmitteilungen verwendet. Außerdem organisiere ich als Vorsitzende der AJuM Niedersachsen auch überregional Tagungen, so die nächste zum Thema „Witz und Humor in der Kinder- und Jugendliteratur“.

Sie sind gut vernetzt im Literaturbetrieb.

Auf jeden Fall im Bereich der Kinder- und Jugendbuchliteratur. Ich habe gute Kontakte zu vielen Autoren, aber auch zu Verlagen und zu den Göttinger  Kulturschaffenden. Hier ist der Verein „Kultur unterstützt Stadt Göttingen“ (Kunst) ein großartiges Beispiel für die Vernetzung und Unterstützung von Kulturprojekten und ihren Mitgliedern. Und wenn im Mai 2013 wieder der Büchertag im Albaniviertel stattfindet, sind die Lesungen in den Geschäften von einer Arbeitsgruppe, die ich leite, organisiert. Ich bin auch Mitglied des „Runden Tisches Leseförderung“,  den die Leiterin der Stadtbibliothek, Brigitte Krompholz-­Roehl, gegründet hat.

Ihre Schülerlesewoche soll eine Woche  lang stattfinden. Wie passt das zu der langfristig erforderlichen Leseförderung von Kindern?

Es wird wieder Projekte geben, die das ganze Jahr über dauern. 2011 war es das Buchprojekt „Grauenvolle Seiten“, das Schüler ab der vierten Klasse einbezogen hat. Und mir ist die Zusammenarbeit mit den Schulen sehr wichtig:  Lesekultur ist Schulkultur. Das Rahmenprogramm der Lesewoche wird im Vorfeld, wir starten im Mai, erarbeitet. Schon bei der Vorbereitung sollen die  Schülerinnen und Schüler erfahren, dass die Beschäftigung mit Literatur alle Sinne anspricht. Es ist mir wichtig, dass Malerei, Musik, Tanz, Theater einbezogen werden. Insofern verstehe ich mein Konzept der Leseförderung als fächerübergreifend. 

Ist die Mitarbeit ergebnisoffen?

Absolut, das ist die Sache der beteiligten Gruppen oder Schulklassen. Und ich möchte die aktive Beteiligung aller deutlich ausbauen. Zum einen ist dann jede Lesung einzigartig und etwas Besonderes, sei sie im kleinen Klassenkreis oder auf einer öffentlichen Bühne. Gerade bei den öffentlichen Veranstaltungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass die beteiligten Schüler davon profitieren, sich zu präsentieren vor Publikum außerhalb der Schule. Das lässt sie wachsen. Und für mich ist das wirklich ein beglückendes Gefühl, richtig schön. Außerdem merken die Autoren bei solchen Gelegenheiten, dass es hier eine starke Bereitschaft gibt, sich auf ihre Werke einzulassen.

Und wie groß ist die Bereitschaft, die Schülerlesetage finanziell zu unterstützen? Haben Sie Förderer?

Organisatorisch und finanziell werden die Schülerlesetage vom Bödecker-Lesekreis in Hannover unterstützt. Die Vereinsmitglieder zahlen Förderbeiträge und unterstützen die Projekte aktiv. Und natürlich wird der Verein Förderanträge stellen, wird Stiftungen und Spender für unser Projekt gewinnen können.

Neuer Verein „Stadt der lesenden Kinder“

Die „Schülerlesetage Göttingen“ sollen erstmals vom 11. bis 16. November in Göttingen und in den Landkreisen Northeim und Goslar stattfinden. Sie werden vom Verein „Stadt der lesenden Kinder – Leseförderung Südniedersachsen“ veranstaltet. Vorsitzende sind der Rechtsanwalt Jan Ockershausen und die Kreistagsabgeordnete Sigrid Jacobi (CDU), Mitglieder sind Lutz Knopek, FDP-Bundestagsabgeordneter, Lehrerin Barbara Basting-Menzel, Unternehmerin Michaela Resebeck, Steuerberaterin Katja Wirth-Reinbrecht, Charakter-Chefredakteur Ulrich Drees und die Organisatorin der indischen Kulturtage Johanna Meyer.