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Regional Zwei Arbeitstage für eine Comic-Seite
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00:17 02.10.2016
Flix Quelle: r

London 1939. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird Sigmund Freud in den Buckingham Palast gerufen. Denn ein etwas merkwürdiger alter Mann, der behauptet, er käme vom Erdbeerpflücken auf dem Mond, ist auf dem Dach gelandet. Es handelt sich um keinen geringeren als Baron Münchhausen. Der große Psychoanalytiker soll nun herausfinden, ob dieser Mann lügt oder ob er ein Spion ist.

Info

Flix / Bernd Kissel: Münchhausen. Die Wahrheit übers Lügen, Carlsen Verlag, Hardcover, 192 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-551-76303-7

Eine hochspannende Geschichte haben sich Flix und Kissel da einfallen lassen. „Münchhausen ist ein Klassiker. Die Bilder sind ikonografisch geworden, sodass man sie sofort vor sich sieht, wenn man den Namen hört“, erläutert Flix im Gespräch mit der Berliner Journalistin und Comicspezialistin Katja Lüthge (Berliner Zeitung, Zeit, taz). Aber im Gegensatz zu dem Lügenbaron als Filmheld, wie Hans Albers ihn 1943 verkörperte oder wie in der Verfilmung von „Monty Python“-Mitglied Terry Gilliam dargestellt, sei schnell klar gewesen, dass er den Protagonisten in seiner Version „modern erzählen will“, so der für seine Literaturadaptionen („Faust“, „Don Quijote“) bekannte Illustrator und Zeichner.

 Flix wirkte als Szenarist und schrieb das Skript zu Münchhausen. Die Wahrheit übers Lügen“ , Bernd Kissel zeichnete. Und losgelöst aus seiner Zeit gelingt es den Autoren, Münchhausen näher an den Leser heranzuholen. Mit dem Finger auf der Tastatur des Laptops tippend liest Flix und blättert dabei die Comic-Zeichnungen auf einer Leinwand im Literarischen Zentrum um. Und es ist ein großes Vergnügen, der abenteuerlichen Begegnung und den abenteuerlichen Geschichten zu folgen, die hervorragend gezeichneten Bilder und Figuren, mit den Flix-typischen quadratischen Nasen, wie in einem äußerst langsamen Kinofilm zu betrachten und die Ambivalenz zwischen Lüge und Wahrheit auf sich wirken zu lassen.

 Ein Vergnügen ist es auch, Flix᾽ Erzählungen zuzuhören, wie die fast zwei Jahre dauernde Zusammenarbeit verlief („für eine Comic-Seite braucht man zwei Arbeitstage“), wie die mit feinem Humor versehene Adaption entstand, es zu dem psychologischen Dreh und einer „Umkehrung“ der Figur des Lügenbaron kam und Freud als „hochspannende Gegenfigur“ belebt wurde. Das Original von Autor Gottfried August Bürger (1747– 1794), der in Göttingen studierte, in Gelliehausen, Wöllmarshausen und später in Göttingen lebte, wirkte und hier auch verstarb, sei „wahnsinnig unglaubwürdig“. Aber beim Blick darauf, was der Grund sein könnte, dass sich jemand Geschichten ausdenkt und damit brüstet, sei es gar nicht anders gegangen, „als eine Tragik zu entdecken“.

 Flix, der aktuell für die FAZ die Serie „Glückskind“ zeichnet, präsentierte auch noch einige seiner klassischen, pointenreich in der Tradition des komischen Comics gearbeiteten Zeitungscomics, die unter dem Titel „Schöne Töchter“ im Tagesspiegel erschienen. Und beim Büchersignieren für einige der Zuhörer zeigte sich Flix mit dynamischem Strich als wahrer Könner seines Faches.

Von Karola Hoffmann

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