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Regional Einblick in die Werkstatt
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13:23 31.03.2017
Terézia Mora war im Literarischen Zentrum zu Gast. Quelle: r
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Göttingen

Ein Auftakt mit Dusche: versehentlich verschüttet Mora aus ihrem Glas Wasser auf ihren Roman. Sie nimmt das Buch und lässt es neben ihrem Stuhl abtropfen. So nass ihr Buch ist, so trocken ist Moras Humor. Der hilfsbereiten Rakusa, die Papiertücher anbietet, entgegnet sie: „Schon gut. Das macht es nur wertvoller.“

Die beiden Gesprächspartnerinnen auf der Bühne sind beide mit der ungarischen und der deutschen Sprache aufgewachsen. Beide schreiben Bücher und übersetzen nebenbei andere Autoren. Rakusa beschreibt und lobt Moras Werk mit gewählten Worten. Mora zeichne ihre Figuren mit suggestiven Strichen. Sie vergleicht Mora mit ihrem Vorbild, dem ungarischen Autor Peter Esterhazy. Während Rakusa durch und durch nach Poesie klingt, selbst wenn sie frei redet, wirkt Mora bodenständiger. Sie erzählt Geschichten aus ihrem Alltag als Autorin. Dabei blitzt dieselbe feine Beobachtungsgabe durch, die ihre Bücher auszeichnet. Das macht den Abend zum literarischen Gespräch.

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„Die Leute erzählen mir Geschichten, die sind zu gut, um sie aufzuschreiben“, sagt Mora. Die Berlinerin kennt die Leute in ihrem Kiez und hält auf dem Weg zum Bäcker Ausschau nach Material für ihre Romane. „Ich sammle Elementarteilchen“, erklärt sie.

Ganze Geschichten aus dem Leben anderer Leute verwertet sie nicht weiter. Beiläufig kommentiert Mora ihre Anekdoten, sodass sie niemals ohne Pointe enden. Dabei verzieht sie keine Miene. „Wir leuchten jetzt ein wenig in die Werkstatt“, sagt Rakusa und lenkt das Gespräch auf die seltsamen Außenseiter, die im Mittelpunkt von Moras Romanen stehen. „Die Figuren für ‚Die Liebe unter Aliens‘ lagen seit zwanzig Jahren bei mir rum“, erzählt Mora. „Das ist so als hätte man einen imaginären Freund. Du stellst dir vor, was er macht. Und je länger man ihn mit sich herum trägt, desto komplexer wird er.“

Das Publikum spendet Applaus für die Einblicke in die Werkstatt der Autorin und Übersetzerin. Und das Buch ist im Verlauf des Abends getrocknet.

Von Jorid Engler