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Regional Lichtenberg-Anekdote: Nina Tobien im Künstlerhaus Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Lichtenberg-Anekdote: Nina Tobien im Künstlerhaus Göttingen
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18:29 23.06.2013
Verschiedenste Materialien: Installation von Nina Tobien.
Verschiedenste Materialien: Installation von Nina Tobien. Quelle: Heller
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Göttingen

Diese Anekdote um den Mathematiker, dem die Salonmagie verhasst war, nimmt Nina Tobien zum Anlass der Auseinandersetzung für ihre Ausstellung, die derzeit vom Kunstverein im Künstlerhaus, dem Lichtenberghaus gezeigt wird.

Bei der 1978 geborenen Tobien stehen Naturwissenschaft und Magie nicht gar so unvereinbar gegenüber: „Für mich liegt die Kunst genau dazwischen.“ Sie entspinnt wie in einem raumgreifenden, mehrdimensionalen Flechtwerk oder einem rhizomartig wuchernden Achsensystem ein ausuferndes Netz an Referenzen und Zitaten, an kunstgeschichtlichen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Anspielungen. Ihre Arbeit verläuft auf unterschiedlichsten Ebenen und manifestiert sich im Künstlerbuch „Avertissement“ und in der mehrere Räume umspannenden Installation.

Ko wie Kontakt

Im Buch weist ein sehr eigenes Ordnungssystem den Weg von Lichtenberg zu Philadelphia und zurück. Neun Kategorien, Erscheinung, Reflektion, Projektion bis hin zu Entladungen finden sich. Unter Ko wie Kontakt brandet auf der einen  Seite eine wellige Wasseroberfläche in Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer, auf der anderen Seite verästeln sich Fossilienfunde und Algenstrukturen in einem Spiegelraum.

Sinnfällig kommt eine kleinere Rauminstallation daher: Ein Koffer, ein Laptop, ein Zylinder, gefüllt mit Ingwerknollen, auf Silberfolie unter einem Reflektorschirm, an der Wand Karotücher – Deleuzsch-Guattarisches Wuchern, Spiegeln, Reflektieren – eine wunderträchtige Mischung direkt aus dem Zauberhut. Künstlerinnen wie Isa Genzken oder Haegue Yang arbeiten mit ähnlichen poetisch-vielgliedrigen Erzählstrukturen.

Freigeistig weiterspinnen

Suchen, Sammeln und Sortieren stehen im Mittelpunkt von Tobiens Arbeitsprozess, wie ein Wissensspeicher öffnen sich die gedanklichen Netzwerke zum Betrachter hin, der aufgerufen ist, sie nicht nur anzusehen, sondern auch zu betreten oder freigeistig weiterzuspinnen.

Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, bis zum 28. Juli dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Von Tina Lüers

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