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Regional Literarisches Zentrum: Lesung des US-amerikanischen Lyrikers Jeffrey Yang
Nachrichten Kultur Regional Literarisches Zentrum: Lesung des US-amerikanischen Lyrikers Jeffrey Yang
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00:18 22.06.2013
Im Gespräch: Autor Yang (Mitte) mit Kelleter (links) und Faßbender.
Im Gespräch: Autor Yang (Mitte) mit Kelleter (links) und Faßbender. Quelle: Heller
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Göttingen

„Lasst uns über Fische und anderes Seegetier sprechen“, sagt Kelleter einführend und legt die Gattung des Gedichtbandes fest. Es handle sich um ein Bestiarium, bestimmt Kelleter, eine alte, fast in Vergessenheit geratene Form. Die Gattung „beschreibt Tiere, meint aber Menschen“, stellt Kelleter fest und schildert, dass Yangs Gedichte durch Analogien und Vergleiche Verbindungen zwischen der Unterwasserwelt und der Welt der Menschen knüpft.

Der Schwamm ist kein Parasit

„In Wirklichkeit ist der Schwamm kein Parasit, es sei denn, er sei ein Mensch“, übersetzt Faßbender ein nachdenkliches Gedicht und fragt in dem Text über den Seestern, ob ein Geschöpf ohne Herz und ohne Gehirn vielleicht aus reinem Intellekt bestehe. Yangs Texte flechten Ansätze der Evolutionsbiologie, Wissenschaftsgeschichte, Philosophie oder Berichte über politische Ereignisse ein. Sein Gedicht über den Hummer sammelt unterschiedliche Tötungsarten, mit der der Mensch das Tier umbringt, um daraus ein Gericht zu kochen. Seine lyrische Verarbeitung verdeutlicht, mit welcher makaberen Kreativität der Mensch das Töten perfektioniert und fast zu einem künstlerischen Akt gemacht hat.

Kritik nicht klar ausgedrückt

Die Form als Bestiarium erlaubt es Yang, Kritik nicht klar ausdrücken zu müssen, jedoch eindeutig erkennen zu lassen. So fragt er in einem Gedicht, was die USA für ein Fisch sei, und ballt Streitpunkte seines Heimatlandes zusammen: politische Kritik und übersteigerter religiöser Eifer bis zur Umweltverschmutzung oder Asylpolitik. Yang pointiert und schafft es, komplexe Sinnzusammenhänge mit wenigen Zeilen auszudrücken. Das Buch wirke selbst wie ein Aquarium, hält Kelleter fest und erläutert: „Ein Aquarium ist nicht das Meer“.
Jeffrey Yang: „Ein Aquarium“. Berenberg, 96 Seiten, 19 Euro.

Von Daniela Lottmann