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Regional Literaturherbst: „Die DDR im Blick der Stasi“ im Alten Rathaus Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Literaturherbst: „Die DDR im Blick der Stasi“ im Alten Rathaus Göttingen
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19:26 21.10.2013
Kennen sich aus in der Stasi: Daniela Münkel, Roland Jahn, Klaus Wiegrefe und Roger Engelmann (v. l). Quelle: CR
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Göttingen

Der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) bildete den Beginn der umfangreichen Berichterstattung der Stasi, deren Dokumente sich heute 111 Kilometer lang im Archiv der Stasiunterlagenbehörde aneinander reihen.

„Die SED machte die Stasi für den Aufstand verantwortlich, damit begannen die regelmäßigen Berichte“, erklärt Daniela Münkel, Herausgeberin der Buchreihe und Projektleiterin der Stasiunterlagenbehörde. „Diese anfänglichen Berichte sind authentischer als die der 1980er Jahre“, beurteilt Roger Engelmann, ebenfalls Projektleiter der Behörde, die Schriftstücke aus dem Jahr 1953, „hier finden sich noch jede Menge Ulbricht-Beschimpfungen im  O-Ton.“

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 Eineinhalb Stunden diskutieren die Podiumsteilnehmer im Rahmen des Literaturherbstes unter der kompetenten Moderation von Klaus Wiegrefe vom Magazin „Der Spiegel“. Sie beleuchten die Bedeutung des Aufstandes für die Arbeit der Stasi und das Verhalten der Bevölkerung in der DDR-Diktatur, ohne sich dabei in fachlichen Details zu verlieren.

„Erkenntnisse, wie die Diktatur funktioniert hat“

Engelmann erklärt, die Bevölkerung habe aufgrund des harten Durchgreifens des SED-Regimes mit sowjetischen Panzern ein Trauma erlitten. Roland Jahn, Leiter der Behörde und Journalist – bekannt als Redakteur des Politikmagazins „Kontraste“ – war DDR-Bürger und bringt auch persönliche Geschichten ein. So hätten seine Eltern Gedanken des Widerstands stets mit den Worten „Das hat keinen Sinn, das wird eh niedergeschlagen“ ausgeräumt.

Die Berichte – die in jedem Band der Buchreihe zu jeweils einem Jahr vollständig in einer CD-ROM beiliegen (die gesamte Datenbank im Netz: ddr-im-blick.de) – vermitteln Einsichten in die Arbeit der Stasi und das Leben in der DDR. „Die Aufarbeitung dieser Akten gibt uns Erkenntnisse, wie die Diktatur funktioniert hat“, meint Jahn. Solche Erkenntnisse seien damit auch entscheidend für die Gestaltung der Demokratie.

Eine interessante Diskussionrunde – die leider offenbar Scheu hatte, das Publikum teilnehmen zu lassen – mit aufschlussreichen und teils auch amüsanten Einblicken.

Von Noreen Hirschfeld

Roger Engelmann (Bearb.): „Die DDR im Blick der Stasi 1953. Die geheimen Berichte an die SED-Führung“.

Mit Datenbank auf CD-ROM, 320 Seiten, Vanden­hoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, 29,99 Euro