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14:17 24.10.2019
Litarturherbst Göttingen: Ein Abend mit dem Lautenisten Axel Wolf (links) und dem Journalisten Harald Eggebrecht. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Die Laute sei eines der ältesten Instrumente der Menschheit, erläuterte Eggebrecht eingangs. Schon der steinzeitliche Jäger dürfte bemerkt haben, dass die Sehne des Bogens sirrt, wenn er sie zupft. Bildliche Darstellungen reichten bis in die frühen Hochkulturen zurück, sowohl im alten Ägypten als auch im Zweistromland gebe es Belege. Die neuzeitliche Laute stamme ab von dem Instrument, das die Mauren im Mittelalter nach Spanien gebracht hätten. Aus dem arabischen Wort „Al-’ud“ – wörtlich übersetzt „das Holz“ – seien die europäischen Bezeichnungen für die Laute entstanden.

Ihre Hoch-Zeit habe die Laute in der Hochrenaissance gehabt. „Die Laute war das, was heute das Klavier ist“, erläuterte Wolf: Auf diesem Instrument sei die gesamte musikalische Literatur gespielt worden, vor allem auch die (gesungenen) Madrigale, die durch ihre instrumentale Übertragung auf die Laute besonders weite Verbreitung gefunden hätten. Das führte Wolf an „Mille Regretz“ vor, einer Komposition von Josquin des Prez (etwa 1450 bis 1521), gespielt auf einer zehnchörigen Knickhalslaute. Diese wunderbar melancholische, anrührende Musik soll das Lieblingsstück von Kaiser Karl I. gewesen sein.

Bilder lautenspielender Engel

Wie beliebt das Instrument in dieser Epoche war, zeigen Darstellungen lautenspielender Engel auf dem Isenheimer Altar, geschaffen um 1515 von Matthias Grünewald. Dazu Wolf: „Wenn mir einmal etwas passiert, kann ich ganz beruhigt sein – denn Laute spielen kann ich ja.“

An seinem Instrument zeigte Wolf die Bestandteile der Laute: den gewölbten Resonanzraum, der aus gebogenen Holzspänen zusammengesetzt ist, etwa aus Eibe oder Palisander, die sehr dünne Decke aus Fichtenholz, die den Resonanzraum nach oben abschließt, dazu den Hals mit dem Griffbrett, an dessen oberem Ende sich der Wirbelkasten anschließt. „Die Decke ist nur zwischen 1,1 und 1,8 Millimeter dick“, erklärte Wolf – deshalb seien Lauten sehr empfindlich, die „Mimosen unter den Instrumenten“.

Weitere Instrumente

Für die spätere Entwicklung der Lauten hatte Wolf zwei weitere Instrumente im Gepäck, eine Erzlaute und eine Theorbe. Die Erzlaute, italienisch arciliuto, besitzt einige zusätzliche Bass-Saiten, die bei der größeren Theorbe vermehrt und wesentlich länger sind. Das ergibt einen sehr runden, vollen Klang, den Wolf in Kompositionen von Giulio Caccini (1551-1618) und Alessandro Piccinini (1566-1638) darbot.

Die etwa 90 Zuhörerinnen und Zuhörer im Parthenonsaal des Archäologischen Instituts – von Eggebrecht beschrieben als „erlesene Kennerschaft, die hier sitzt“ – waren fasziniert von dieser höchst kunstvollen, reich verzierten Musik. Eggebrecht legte dar, warum es in der Lautenmusik so viele schnelle Läufe und Verzierungen gibt. Der Lautenton selbst verklinge nämlich rasch, weshalb „langsames Tempo und gezupfte Töne nicht recht zusammenpassen“.

„Die Laute ist das Urtier der Musik.“

Im Gespräch erläuterten Wolf und Eggebrecht die Unterschiede zwischen Laute und Gitarre und beschrieben, wo überall auf der Welt es Lauteninstrumente gibt, etwa in Südamerika in Form des Charango, für den als Resonanzkörper ursprünglich Schildkrötenpanzer verwendet wurden, oder die seit etwa 2000 Jahren bekannte chinesische Pipa, die zwar senkrecht gehalten wird, aber zur Familie der Langhalslauten gehört. Eggebrecht: „Die Laute ist das Urtier der Musik.“

Ende der Laute zum Ende des Barockzeitalters

Im Frühbarock spielte die Laute eine wichtige Rolle als Generalbassinstrument. Zum Orchester, das Claudio Monteverdi (1567-1643) verwendete, gehörten immer zwei bis drei Theorben. Das Ende der Laute fällt mit dem Ende des Barockzeitalters zusammen. Mit dem meisterlichen Lautenisten Silvius Leopold Weiss (1687-1750), einem Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs, endete die an Höhepunkten reiche Laufbahn des Instruments. Wobei Bach selbst ebenfalls noch Kompositionen für Laute geschrieben hat – unter anderem in einer Zweitfassung der fünften Suite für Violoncello solo, aus der Wolf hochvirtuos und ausdrucksstark einige Beispiele präsentierte.

Zum Schluss erklärten Wolf und Eggebrecht die Ursachen für das Ende der Laute um 1750. So sei der vergleichsweise leise Ton der Laute nicht für die immer größer werdenden Sälen geeignet gewesen, in denen Musik gemacht wurde. Zudem sei die Laute ihrer Stimmung wegen nur in einer beschränkten Zahl von Tonarten nutzbar – das aber habe nicht mit der späteren Entwicklung der Harmonik zusammengepasst.

Doch heutzutage gibt es eine „Renaissance eines alten Instruments“, so der Untertitel der spannenden, sehr informativen Veranstaltung. Lauten werden nicht nur in der Alte-Musik-Szene eingesetzt, sondern auch in anderen Genres. Das bewies Axel Wolf mit seinem lange beklatschten Schlussstück: dem improvisierten Jazz-Titel „Round Midnight“ von Thelonious Monk.

Lesung mit Frank Goosen verschoben

Die Lesung mit Frank Goosen im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes, die für Donnerstag, 24. Oktober, um 21 Uhr im Alten Rathaus geplant war, ist verschoben worden. Grund ist nach Angaben des Veranstalter eine akute Erkrankung des Autors. Nachholtermin ist am Montag, 28. Oktober, ab 19 Uhr im Alten Rathaus. Bereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit. Auf Wunsch können Tickets an den jeweiligen Vorverkaufsstellen storniert werden.

Von Michael Schäfer

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