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Regional Lou Andreas-Salomé: Neuer Blick auf ihr Leben
Nachrichten Kultur Regional Lou Andreas-Salomé: Neuer Blick auf ihr Leben
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22:24 09.01.2011
Von Angela Brünjes
1886: Lou Salomé und Friedrich Carl Andreas als Verlobte.
1886: Lou Salomé und Friedrich Carl Andreas als Verlobte. Quelle: Verlag
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Bis zu ihrem Tod im Jahr 1937 lebt Salomé, die als Ehefrau des Orientalisten Friedrich Carl Andreas nach Göttingen kam, im Haus Loufried. Dort schreibt sie Essays und Romane, praktiziert nach ihrer Ausbildung bei Sigmund Freud ab 1914 als erste Psychoanalytikerin in Göttingen und züchtet Nutrias im Garten. 1933 schreibt sie Anna Freud, die Nachbarn kleben Hakenkreuze „auf ihre Fensterscheiben (...). Richtig vernünftig sprechen kann man jetzt hier eigentlich nur mit den 11 Nutrias.“

Bisher hat es der am 12. Februar 1861 in St. Petersburg geborenen Louise Salomé von Kindheit an nie an gescheiten Gesprächspartnern gemangelt. Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, Gerhart Hauptmann, Paul Rée sind Weggefährten und / oder Geliebte, die Frauenrechtlerin Malwida von Meysenburg, Frieda von Bülow und Anna Freud gehören zum engen Freundeskreis von Lou Andreas-Salomé. Sie wird zu Lebzeiten bekannt als Autorin von Romanen und von Büchern über Henrik Ibsen, Nietzsche und Rilke sowie später als Psychoanalytikerin. In Göttingen wird 1994 nach ihr das „Lou Andreas-Salomé-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie“ umbenannt.

Für Kerstin Decker ist Lou Andreas-Salomé „die modernste aller Frauen“. Decker hat nach Heinrich Heine, Else Lasker-Schüler und Paula Modersohn-Becker nun Lou Andreas-Salomé in einer Biographie gewürdigt. Dabei hat die Autorin akribisch das Werk und den Briefwechsel der Frau studiert, die für Nietzsche „scharfsinnig wie ein Adler, mutig wie ein Löwe war“ und die der Philosoph wenig später verdammte, weil Salomé sein Liebeswerben zurückwies.

Aber als Nietzsche im Jahr 1900 stirbt, geht sein Tod ihr sehr nahe. Demütig ist die große Dame der Gesellschaften in Berlin und anderswo inzwischen, weil sie weiß, dass sie zu viel gehabt hat für ein einziges Leben. Dazu gehören auch zahlreiche Reisen, die sie viele Orte in Europa haben kennenlernen lassen.
Diese Lebensvielfalt dokumentiert und reflektiert Biographin Decker. Mit Zitaten aus Romanen, Essays, Tagebüchern und Briefen ist die 360 Seiten-Biographie gespickt und vermittelt so sehr direkt Denkweisen und Standpunkte. Decker gelingt es, die Persönlichkeit von Salomé näher zu bringen und darzustellen: Willensstark und exzentrisch, intelligent und selbstbewusst hat Lou Andreas-Salomé zu Lebzeiten auf sich aufmerksam gemacht und war sich ihrer Rolle gar nicht immer so sicher wie sie vorgab. Da war vielleicht „Der bittersüße Funke Ich“, so der Untertitel der Biographie, der Grund für ihre bis heute währende Rätselhaftigkeit.

Kerstin Decker: „Lou Andreas-Salomé – Der bittersüße Funke Ich“. Propyläen Verlag, 360 Seiten, 22,95 Euro.