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Regional „Mach, dass ich so werde wie Bécaud“
Nachrichten Kultur Regional „Mach, dass ich so werde wie Bécaud“
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18:02 13.03.2012
Das gewisse Oh-la-la: Götz Alsmann kommt gern in die Gedenkstätte des anonymen Vertäfelers. Quelle: PH
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Göttingen

Als Junge hat Alsmann in dieser Sendung Gilbert Bécaud gesehen, mit seinem eigenen Ensemble – alles Männer in schwarzen Helanca-Rollkragenpullovern, dazu ein Hammondorgelspieler mit Sonnenbrille. Bécaud klimperte ein bisschen rum, tätschelte den Musikern die Schulter, zog noch mal an der Fluppe und sang Nathalie. Das fand Alsmann großartig. Und er hat gebetet: „Lieber Gott, ich will kein Millionär werden, aber mach, dass ich so werde wie Bécaud.“ Und deshalb nun französische Chansons auf Deutsch - aufgenommen in Paris. So heißen auch die aktuelle CD und die Tournee.

Ein musikalisches Projekt über das Alsmann unermüdlich erzählen kann und das auf so unterhaltsame Weise, dass die Musik zwischendurch fast ein wenig in den Hintergrund des zweistündigen Bühnenprogramms gerät. Aber Alsmann hatte zu Beginn des Abends ja unumwunden bekannt, dass der Hauptgrund für den Auftritt die Freude darüber sei, in nagelneuen babyblauen Sakkos  zu debütieren, in der Pariser Modewelt sei die Farbe auch als „Göttingen bleu“ bekannt.

Berichte von Plattenaufnahmen

So schmeichelt sich Alsmann mit viel Charme durch den Abend. Berichtet von den Plattenaufnahmen im legendären Studio Ferber, einer ehemaligen Bügeleisenfabrik, in der die Großen des Chanson ihre Lieder eingespielt haben. Der schon erwähnte Bécaud, Dalida, Charles Aznavour und Serge Gainsbourg. Als Alsmann mit seinen Musikern kam, roch die   „Bruchbude“ nach Wasserschaden. Der Flügel erschien ihm so alt, als hätte bereits Brahms darauf gespielt, und zum Zustand des Sofas fällt Alsmann nur eine Vokabel ein: „Sperrmüll“.  Das Studio sei ein leuchtendes Beispiel für Investitionsstau als kulturerhaltende Maßnahme.

Man könnte jetzt noch endlos weiterplaudern über Alsmanns Verhältnis zu Lemmy Caution-Filmen, Dominique Wilms und constantineskem Flirten, aber es gab ja auch Musik an diesem Abend in der gutbesuchten Göttinger Stadthalle. Und die war so, wie man es von Alsmann am Flügel und seinen Musikern erwartet hatte – großartig. Alsmann und seine Band Alfrid Maria Sicking (Vibraphon), Michael Ottomar Müller (Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Paßlick (Percussion) spielten sich durch das „Weltkulturerbe des Chanson“. Vom romantischen Bolero „Der Schleier fiel“ (Yves Montand) über Rumba, Tango bis  zum witzigen „Der Wolf tanzt Cha-Cha-Cha“ (Gernsbourg) reichte das Programm in der einzigen deutschen Stadt nach der ein französischer Chanson benannt worden ist.

Von Eida Koheil