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Regional Magische Momente: Ron Spielman Quartet gastiert in Hardegsen
Nachrichten Kultur Regional Magische Momente: Ron Spielman Quartet gastiert in Hardegsen
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12:30 25.07.2019
„Heute habe ich eine größere Wahrnehmung, was den Stil „Blues“ angeht“: Ron Spielman. Quelle: Gudrun Arndt
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Göttingen

Der 55-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren in der internationalen Musikszene mit Blues, Jazz, Rock und Stories unterwegs.

Tageblatt: Herr Spielman, Sie haben 1978 im Alter von 14 Jahren die erste Gitarre bekommen? Und das Gitarrenspiel als Autodidakt gelernt?

Spielman: Ja! Meine erste Gitarre, eine Gibson SG, habe ich mir erarbeitet, indem ich täglich nach der Schule in einen Musikladen gearbeitet habe und Bühnen-Strahler zusammengebaut habe. Mein Stundenlohn, als Schüler, lag damals bei 50 Pfennig :-)

Wie haben Sie sich vom Hobbymusiker zum Profi entwickelt?

Seit ich eine Gitarre bewusst wahrgenommen habe, ist dieses Verlangen, diese Emotion zu musizieren, bis heute ungebrochen. Es war anfänglich nicht meine Intention, mit der Musik meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, das war eine Entwicklung, vielleicht auch meine Berufung.

Sie haben vor allem in den 80er-Jahren mit anderen Formationen und Solokünstlern (Little River Band, Steve Marriott, Johnny Guitar Watson und vielen anderen) gespielt – gab diese Zusammenarbeit die Inspiration und die Sicherheit, die Gewissheit, die Sie für Ihre Karriere brauchten?

Es waren sehr wichtige und sehr tiefe Erfahrungen, die ich machen durfte, öffneten sie mir doch die Möglichkeit, in die Materie Musik noch tiefer einzutauchen. Es vervollständigte mein Bild, das ich von mir als Musiker, und davon, welchen Weg ich gehen wollte, hatte.

Kein Solo: von Anfang an als Bandmusiker unterwegs

Sind Sie anfangs auch als Solo-Künstler aufgetreten? Und: Seit wann bilden Sie ein Quartett? Warum gerade mit diesen Musikern? Und in welchem Genre/welchen Genres sind Sie unterwegs?

Nun, ich war nie als „Solo-Künstler“ unterwegs, sondern immer als Bandmusiker. So würde ich mich auch definieren. Ich hatte immer eine Band. Angefangen als Trio, dann ein Quartett, dann eine große Band mit vier Bläsern, eine Zehn-Mann-Band, dann wieder ein Duo mit zwei Gitarren, dann wieder ein Trio und aktuell bin ich im Quartett unterwegs. In meiner Laufbahn lernte ich viele tolle Musiker kennen, mit denen ich immer sofort in einer Band oder live spielen wollte. So ergab sich oft eine wechselseitige Beziehung zwischen den Musikern und mir.

Sie haben 2007 das Ron Spielman Trio gegründet und zwei Alben veröffentlicht – Genre: Rock/Pop? Spielen Sie noch in diesem Trio?

Dieses Trio bestand aus dem Drummer Benny Greb und dem Bassisten Edward Maclean. Wir spielten eine Mischung aus Rock, Jazz und Pop, Genres, aus denen jeder von uns kam. Edward ist dann bei Peter Fox und den Söhnen Mannheims als Bassist eingestiegen, Benny hat sich in die Weltspitze der Drummer gearbeitet und gibt ausverkaufte Workshops auf der ganzen Welt. Beide hatten ihre eigene Solokarriere im Blick. So entwickelte es sich zwangsläufig, dass wir unsere Arbeit mit dem Trio einstellten. Wir lieben und schätzen uns und haben den Kontakt nie verloren. Manchmal spielen wir wieder zusammen. In Hardegsen wird Benny Greb Schlagzeug spielen!

Im Trio „alle tonalen Freiheiten, die ich mir wünsche“

War die Bildung des Trios, ist die Bildung des Quartetts, Ausdruck Ihrer musikalischen Weiterentwicklung?

Definitiv! Es gibt für mich nichts Interessanteres, als mit verschiedenen Besetzungen zu arbeiten.

Das Trio ist die „Basisform“. Hier habe ich alle tonalen Freiheiten, die ich mir wünsche und die für mich den Reiz ausmachen. In einem Trio muss jeder Musiker zu 100 Prozent aufmerksam sein, dann gelingt die Qualität des Dialoges untereinander, dann geschehen musikalisch-magische Dinge. Das hat mich sehr viel gelehrt.

„Es gibt für mich nichts Interessanteres, als mit verschiedenen Besetzungen zu arbeiten“: Ron Spielman. Quelle: David Buchholz

Sie spielen seit Mitte der 80er-Jahre national und international auf Bühnen und in Studios Blues, Jazz, Fusion, Rock, Pop und Folk. In welcher Form und mit welchen Inhalten (Texte) haben Sie diese Genres weiterentwickelt? Oder: Wie haben Sie 1985 Blues interpretiert – und wie heute?

Was wir heute an Musik über das Radio oder im Netz hören, ist nichts weiter als eine Fusion der verschiedenen Stile. Rock, Jazz, Pop mit Soul, Funk mit Rock und so weiter. Die Verzweigungen sind sehr viel feiner geworden als noch vor 20 Jahren. Heute habe ich eine größere Wahrnehmung, was den Stil „Blues“ angeht.

War es für mich damals eine Plattform, auf der ich mich instrumental, also gitarristisch austoben konnte, sehe ich es heute viel tiefer und versuche das ganze Bild zu malen, nicht nur ein „tolles“ Blues-Gitarren-Solo zu spielen.

2016 gründeten Sie die Band Spielman in Bad Company. 2017 folgte das erste Album: Sweet Songs for the Dying. Sind Sie jetzt in schlechter Gesellschaft?

Man drehe den Titel: Spielman in Good Company :-) Auch hier war es eine Liebe zu den neuen Musikern, mit denen ich das Album aufgenommen habe. Das Album entstand ausschließlich in stundenlangen Sessions.

Swimming in the Dark: Auseinsandersetzung mit „Wild Bill“ Hickok

Sie schreiben auf Ihrer Homepage über Sweet Songs for the Dying: „Wir wollten nicht nur die Schroffheit und Ungestümheit des Blues transportieren, sondern auch Geschichten erzählen.“ Setzen Sie damit einen Kontrapunkt zu bisherigen Alben?

Ich habe schon immer versucht, Geschichten zu erzählen, mit Gesang oder mit meiner Gitarre.

Mein vorletztes Album „Swimming in the Dark“ setzt sich mit historischen Figuren und Begebenheiten auseinander. Da ist zum Beispiel William Wilberforce im Jahr 1759, er war ein britischer Parlamentarier und Anführer im Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel.

Oder „Wild Bill“ Hickok 1837, der ein nordamerikanischer Revolverheld war, der in seinem Leben auch als Farmer, Transporteur, Büffeljäger, Gesetzeshüter, Glücksspieler, Saloonbesitzer und Bergmann tätig war, noch bevor Wyatt Earp oder Buffalo Bill bekannt waren.

Oder Shaka Zulu, Shaka ka Senzangakhona, das heißt, „Shaka, Sohn des Senzangakhona“, war ein König der Zulu. Unter seine Herrschaft fiel der Aufstieg der Zulu von einem kleinen Clan zu einem mächtigen Volk mit Macht über einen großen Teil des Gebiets des heutigen Südafrika. Seinem Erfolg bei der militärischen Überwindung seiner Feinde und seinem Geschick bei der Eingliederung der Unterworfenen verdankt Shaka den Ruf eines der herausragenden Könige der Zulu.

Oder der Song „Richard and Mildred Loving“. Hier geht es um eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, mit der 1967 ein Gesetz des US-Bundesstaates Virginia aufgehoben wurde, durch das sogenannte „gemischtrassige“ Ehen zwischen weißen und nichtweißen Partnern verboten waren.

Seine erste Gitarre hat sich Ron Spielman nach der Schule handwerklich erarbeitet. Quelle: Erik Schütz

Im vergangenen Jahr haben Sie nach einem Dutzend Alben unter eigenem Namen mit „Tip of My Tongue“ im Ron Spielman Quartet ein reines Instrumentalalbum, auf dem Sie Songs der letzten vier Alben neu interpretieren, veröffentlicht – eine Premiere?

Ja! Eine Premiere! Und ein Experiment!

Ist „ Tip of My Tongue“ eher vom Jazz oder vom Blues geprägt?

Beides!

„Ehrliche Intention bedeutet Qualität“ – und die wird wahrgenommen

Worin liegt die Herausforderung, den Songs ohne Gesang eine Stimme zu geben?

Mit dem Instrument zu singen und zu erzählen, den Hörer in die Aufmerksamkeit zu bringen. Eine klare, ehrliche Intention zu erschaffen, das bedeutet für mich Qualität. Und diese Qualität nimmt jeder wahr.

Werden Zusammenarbeit und Auftritte in verschiedenen Formationen auch zukünftig Ihren Beruf dominieren – oder werden Sie auch mal solo produzieren und allein auf Bühnen stehen?

Das Tolle daran ist, das es immer offen bleibt, ich kann nicht sagen, wo es mich hinspült.

Auf Ihrer Homepage steht: „Als Entdecker entlang der Grenzen von Singer/Songwriter, Blues, Jazz, Fusion, Rock, Pop und Folk bleibt er bei aller Ohrwurm-Melodik kantig.“ Was entdecken Sie, das andere nicht finden können?

Hier kann ich nur aus meiner Erfahrung sprechen. Ich entdecke mich als emphatischer, kritischer Mensch mit allen Ups and Downs und habe mit meiner Musik ein Ventil für mich gefunden. Diesen Weg der Entdeckung muss jeder selbst gehen, er ist so individuell wie das Leben selbst – wenn man es willkommen heißt: das Leben.

Mit welchem Programm tritt das Ron Spielman Quartet in Hardegsen auf?

Wir werden Titel aus den letzten zwei bis drei Alben und natürlich auch aus dem aktuellen, „Tip of My Tongue“, spielen.

„Ich entdecke mich als emphatischer, kritischer Mensch mit allen Ups and Downs“: Ron Spielman. Quelle: David Buchholz

Benny Greb: In der „Weltspitze der Drummer“

Ron Spielman, geboren 1964 als Sohn eines US-Amerikaners und einer Deutschen, hat seit 1991 rund 15 Alben veröffentlicht. Er hat lange im Trio gespielt, 2016 die Band Spielman in Bad Company gegründet und spielt aktuell im Quartett.

Ausnahmsweise sitzt im Quartett, das in Hardegsen auftritt, Benny Greb, mit dem Spielman früher zusammengearbeitet hat, hinter dem Schlagzeug – Spielman: „Benny hat sich in die Weltspitze der Drummer gearbeitet.“

Tickets: Vorverkauf und Vorbestellungen

Das Quartett steht auf Einladung der Initiative Kunst und Kultur Northeim in Kooperation mit der Kultur-Initiative Hardegsen am Sonnabend, 10. August, auf der Bühne im Muthaussaal der Burg Hardeg. Karten sind in den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse erhältlich. Vorbestellungen sind bei der Initiative Kunst und Kultur Northeim unter 05551/63193 oder per E-Mail an info@kunst-kultur-northeim.de möglich.

Von Stefan Kirchhoff

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