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Regional Marina Schulze stellt im Göttinger Künstlerhaus aus
Nachrichten Kultur Regional Marina Schulze stellt im Göttinger Künstlerhaus aus
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21:10 17.02.2014
Selbstversuch der Künstlerin: Sonnenbrand mit Netzstrumpf.
Selbstversuch der Künstlerin: Sonnenbrand mit Netzstrumpf. Quelle: Heller
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Göttingen

Das Bild stammt von der Künstlerin Marina Schulze aus Ganderkesee. Ihre Ausstellung mit dem Titel „Keine Tiefe ohne Oberfläche“ ist zur Zeit im Künstlerhaus zu sehen, und stellt die Betrachter vor allerlei Rätsel. Das fängt bei den Titeln der Bilder an – es gibt nämlich keine. Ein Bild, das als Nummer 16 gekennzeichnet ist, zieht besonders viele Besucher an.

Mit seinen Maßen von zwei mal drei Metern wirkt es wie ein schreiendes Statement. Aber für was? Es zeigt braune, sich im Mittelpunkt zentrierende Striche vor hautfarbenen Hintergrund. Eine extreme Detailansicht behaarter Haut, das scheint klar. Doch welche Stelle genau gezeigt wird, bleibt ein Rätsel. „Ich verstehe es nicht, was soll das sein?“, fragt ein Besucher bei der Vernissage.

Und genau hier zeigt sich die Kraft von Schulzes Bildern. Der Betrachter erkennt bekannte Anzeichen, sieht etwa Haut und Haare, und versucht einzuordnen. Und er verbeißt sich. „Hier sollte man das Gefühl bekommen, das man in dem Bild drinsteht“, kommentiert die Künstlerin den Effekt an einem ähnlichen Bild. Dabei liegen einige Antworten so nahe: ein Sonnenbrand und eine Netzstrumpfhose.

Schulze erzählt, wie ihre Bilder entstehen. Ihr Motive banne sie zunächst auf Fotos, dann arbeite sie von innen nach außen. „Ich versuche mir vorzustellen, was darunter ist“, erklärt die Künstlerin ihr Vorgehen. Schicht für Schicht baue sie ihr Bild auf, male etwa Adern, die sie anschließend mit Haut überziehe.

Die Oberfläche des Menschen

Das Bild mit der vermeintlichen Fischhaut zeige sie selbst, erzählt Schulze. „Das wäre für eine andere Person auch unzumutbar“, kommentiert sie ihren Einsatz. Es zeigt einen Sonnenbrand nach dem Tragen einer Netzstrumpfhose. Die stechend rote Färbung zeigt aber auch einen Aspekt der Haut, den Schulze besonders spannend findet – Verletzlichkeit.

Die Ausstellung zeigt Haut, keine Menschen. Schulze porträtiert nicht, sie fokussiert die Oberfläche des Menschen. Und immer wieder schwingt die Frage mit, was dahinter liegt. Großformatig zeigt sie die Detail­ansicht einer Stirn. Nicht die Frage, zu welchem Menschen diese Stirn gehört, steht im Raum.

Viel mehr fragt sich der Betrachter, was hinter dieser Stirn passiert: Was denkt diese Person? Schulze schafft es, das jedes Bild dem Betrachter eine Aufgabe stellt. Der Kunstkritiker Michael Stoeber aus Hannover, der bei der Eröffnung eine Einführung in Schulzes Werk gibt, bringt es auf den Punkt: „Kunst muss etwas sein, was in unser Leben eingreift. Sonst ist es Entertainment.“

Von Daniela Lottmann

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 16. März, im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen.

Sie ist  dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr zu sehen.

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