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16:52 13.09.2019
Marina Schwabe Quelle: Sarah Maria Kaiser
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Göttingen

Für Marina Schwabe hat sich das Arbeitsstipendium, das sie vom Literarischen Zentrum Göttingen im Rahmen des Programms „Weltenschreiber“ bekam, definitiv gelohnt. Die gebürtige Berlinerin war im August vier Wochen lang in der Universitätsstadt an der Leine tätig, um für ihren Debütroman „Zerschnittene Gelände“ zu recherchieren und zu schreiben. „Ich habe am zentralen Teil des Romans gearbeitet“, erzählt sie. Die Stadt selbst komme in ihrem Werk, das voraussichtlich im März 2020 erscheint, allerdings nicht vor.

„Es geht um zwei Geschwister, die sich auf eine Reise begeben. Der Bruder ist todkrank, und seine Schwester Zsa begleitet ihn“, skizziert Schwabe die Handlung. Da Zsa Geologin ist, vergleicht sie die Gemütszustände ihres Bruders fortwährend mit Landschaften. Auch das Wetter und die damit verbundenen Gefühlsschwankungen spielten eine große Rolle, verrät die Autorin. Dabei habe ihr Göttingen ebenfalls weitergeholfen: „Ich saß eines Tages in der Uni-Bibliothek und draußen setzte ein schweres Unwetter die Straßen unter Wasser.“ Dies brachte ihr neue Ideen, denn: „Man kann sich gut mitreißen lassen von dem, was draußen passiert.“

Die Göttinger Bücheraufbewahrungsstätten haben es ihr während ihres Aufenthalts besonders angetan: „Ich habe drei Bibliotheken abwechselnd besucht“, sagt die 32-Jährige. Das Bücherwälzen und Schreiben gehörte vier Wochen lang zu ihrem Alltag. Am besten gefiel ihr die „Strenge“ in der alten Universitätsbibliothek. „Die ganze Atmosphäre ist toll. Man geht automatisch langsam und möchte keinen Laut von sich geben. Man möchte dort nicht auffallen, sondern die Ruhe aufsaugen. Das fand ich richtig super“, berichtet sie.

Göttingen besitzt eine „angenehme Lebenskultur“

Göttingen werde ihr definitiv in Erinnerung bleiben, betont die Autorin. In der Innenstadt gebe es zwar „eine auffällige Zahl an Optikern“, Schwabe spricht aber von einer „angenehmen Lebenskultur“. So gebe es viele kleine Geschäfte, die noch nicht von den großen Ketten „aufgefressen“ wurden. Die Leute seien unternehmungslustig und lebendig, das habe ihr sehr gefallen. Als man ihr gesagt habe, dass aufgrund der Semesterferien wenig los sei, reagierte sie verwundert. „Ich fand nicht, dass die Stadt leer ist“, sagt Schwabe, die mittlerweile in Leipzig wohnt und dort kreatives Schreiben unterrichtet.

An ihrem Debütroman arbeitet sie seit mittlerweile zwei Jahren, die Idee dazu hatte sie aber viel früher. „Die Entscheidung, einen eigenen Roman zu schreiben, habe ich mit 18 oder 19 getroffen“, erläutert sie. Konkret wurde es, als sie sich für den Studiengang „Master Literarisches Schreiben“ in Hildesheim bewarb. Für die Aufnahme musste ein Exposé für einen Roman angefertigt werden – und da die Idee bereits in ihr schlummerte, legte sie los. „Die Verschränkung von Gefühlszuständen und dem, was draußen passiert, hat mich schon lange interessiert“, berichtet Schwabe. Auch ein USA-Trip vor einigen Jahren habe einiges zu „Zerschnittene Gelände“ beigetragen: „Ich habe viele Erinnerungen verarbeitet.“

Und das Thema Göttingen ist für Schwabe noch lange nicht abgehakt: So hat sie zwei Blogeinträge für Göttingen Tourismus geschrieben, die in den nächsten Wochen online gestellt werden. Darin beleuchtet sie ihre Erfahrungen und Empfindungen der vier August-Wochen. Zusätzlich kehrt sie im Oktober für mehrere Termine zurück: Im Literarischen Zentrum gibt sie Schreibwerkstätten für interessierte Schüler.

Marina Schwabe lebt fürs Schreiben

Die angehende Autorinwurde 1987 in Berlin geboren. Dort beendete sie ihr Jura-Studium mit dem ersten Staatsexamen. Anschließend übernahm sie die hauptamtliche Geschäftsführung im Verein Schreibende Schüler. Im Jahr 2012 begann sie ihr Zweitstudium Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, das sie drei Jahre später im Master Literarisches Schreiben fortsetzte und 2017 abschloss. Die Geschäfte des Vereins leitete sie neben dem Studium weiter. Mittlerweile lebt Schwabe in Leipzig und leitet hauptberuflich Schreibwerkstätten mit Kindern und Jugendlichen. Neben Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien erhielt sie das Aufenthaltsstipendium der Walter-Kempowski-Stiftung, das Stipendium des Minerva-Kollegs sowie das Deutschlandstipendium. Das Literarische Zentrum Göttingen vergab an sie im Rahmen des Programms „Weltenschreiber“ ein Stipendium für Nachwuchsautorinnen. Ihr Debütroman „Zerschnittene Gelände“ wird voraussichtlich im März 2020 erscheinen.

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