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Regional Martin Zingsheim mit „Opus Meins“ zu Gast im Apex Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Martin Zingsheim mit „Opus Meins“ zu Gast im Apex Göttingen
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17:49 22.09.2013
Mit gutem Kontakt zum Publikum: Martin Zingsheim. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die von der grellgrünen Fußbekleidung irritierten Zuschauerinnen sorgen für den ersten großen Lacher des Abends. Zingsheim reagiert prompt: „Wenn der Rest des Abends nichts für sie ist, konzentrieren sie sich einfach darauf.“

Schon an diesem frühen Punkt im Programm zeigt sich die Stärke des Kabarettisten: Zingsheim bleibt nah am Publikum. Er schafft eine Atmosphäre, in der sich der einzelne im Publikum traut, auch einmal etwas in den Raum zu rufen.

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Die Zeile „Unser Stolz liegt längst schon auf dem Müll“ baut Zingsheim subtil in ein eigenes Lied ein, macht eine kurze Pause, bis ein einzelner im Publikum unbeirrt „Müll, Müll, Sondermüll“ ergänzt. Diebische Freude auf Seiten Zingsheims: „Das hat seit Monaten nicht funktioniert, wer bist du denn?“

„Oh Fortuna Düsseldorf

Zingsheims musikalisches Programm zeichnet sich durch das  Einflechten von bekannten Inhalten aus. Eigene Lieder werden durchwoben mit Versatzstücken bekannter Melodien. Elton John, The Police und Falco bringt er unter. Gleichzeitig macht er nicht vor den Klassikern Halt.

So legt er Mozart, Beethoven und Bach eine Petition in den Mund, wonach ihre Werke nicht länger als Untermalung für Shampoo-Werbung genutzt werden dürfen und bei Aufführungen mehr Pyrotechnik eingesetzt werden soll. Den berühmten Anfang der Carmina Burana dichtet er um zu „Oh Fortuna Düsseldorf“.

Parodien sind ein weiterer Schwerpunkt des Programms. Die Überdramatisierung eines Klaus Kinski fügt er ebenso ein wie den kitschigen Pathos des niederländischen Sängers Herman van Veen.

Sorgloser Witz mit beißender Kritik

Wirkliche Größe beweist Zingsheim mit der Entscheidung, auch kritische Themen anzusprechen. Probleme wie ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, religiöse Verschrobenheit oder das bizarre Gedankenmodell des „Teilzeit-Apokalyptikers“ Erich von Däniken verarbeitet Zingsheim mit unbekümmertem Humor. An einer Stelle bleibt er ernster.

Er zählt in einem Lied die Probleme in afrikanischen Staaten auf: Folter, Kindersoldaten, für den Ehebruch gesteinigte Frauen. „Bestimmt führt langfristig die Entwicklungshilfe aus dem Elend raus, die Menschen sehen doch alle so glücklich aus“, dichtet Zingsheim. Zu sorglosem Witz mischt er beißende Kritik.

Von Daniela Lottmann