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Regional Mathieu Rosaz ehrt Chansonnière Barbaras „Göttingen“
Nachrichten Kultur Regional Mathieu Rosaz ehrt Chansonnière Barbaras „Göttingen“
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17:26 29.06.2014
Kennt jeden Winkel des Barbara-Repertoires: Chansonnier Mathieu Rosaz.
Kennt jeden Winkel des Barbara-Repertoires: Chansonnier Mathieu Rosaz. Quelle: Heller
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Göttingen

Dieses Jubiläum war Anlass einer Barbara-Hommage im Jungen Theater und im Lumière. Am Sonnabend war auf der Lumière-Bühne, genau dort, wo 1964 Barbara ihr erstes Gastspiel im JT gab, der französische Chansonnier Mathieu Rosaz mit einem Barbara-Programm zu Gast: vor restlos ausverkauftem Haus.

Rosaz kennt sich in jedem Winkel des Repertoires von Barbara aus. Und nicht nur dort, sondern auch im Umfeld ihrer Kollegen wie Jacques Brel, Georges Brassens oder Georges Moustaki, deren Chansons den Abend ergänzten. Weil Rosaz auf der Schule Spanisch als Fremdsprache gewählt hat und deshalb jenseits von „Guten Abend“ nur wenig Deutsch kann, hatte er sich einen sympathischen Dolmetscher mitgebracht, den Schauspieler Guillaume Toucas. Der übersetzte nicht nur all die Geschichten und Anekdoten um Barbaras Chansons, sondern sang auch hier und da im Duett mit Rosaz.

Bevor als Finale des Abends das Göttingen-Chanson an die Reihe kam, hatte Rosaz eine Fülle von Barbara-Liedern vorgetragen, populäre Stücke wie „Une petite cantate“ (Rosaz: „Noch heute trällern es die Leute“), „Dis, quand reviendras-tu“ oder – besonders eindrucksvoll – „Il pleut sur Nantes“ mit Toucas, der den Text mehr sprach als sang und dazu von Rosaz zart am Flügel begleitet wurde. Aber auch seltener zu hörende Chansons bereicherten den Abend, etwa „Marienbad“ aus dem Jahr 1974, das Barbara für den Film „Letztes Jahr in Marienbad“ von Alain Resnais schrieb.

Gegenüber der unvergesslichen zart-melancholischen Stimme Barbaras ist der Ton von Rosaz meist etwas derber, nicht immer in der Intonation ganz sauber, manche Steigerungen wirkten auch leicht übertrieben. Aber eine liebevolle Hommage an Barbara war dieses Konzert dennoch.

Dementsprechend begeistert klatschten die Zuhörer und bekamen als Zugabe unter anderem das „Göttingen“-Lied in einer Version zum Mitsingen für alle. Da merkte man unversehens sehr deutlich, wie kompliziert diese einfach scheinende, populäre Melodie ist: Denn alle sangen ausgesprochen vorsichtig. Aber man kann eine Sängerin auch leise ehren.

Von Michael Schäfer