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Regional Matthias Kaschig inszeniert „Fest und Begräbnis“
Nachrichten Kultur Regional Matthias Kaschig inszeniert „Fest und Begräbnis“
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19:41 07.10.2011
Zwischen Nonchalance und Katastrophe: das „Fest und Begräbnis“-Ensemble. Quelle: Oswald
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Göttingen

Im Jahr 1998 verblüffte der 1969 geborene dänische Filmregisseur Thomas Vinterberg das Kinopublikum mit „Das Fest“, dem ersten Film, der nach den Regeln der dänischen Gruppe Dogma 95 – keine Effekte und technische Raffinessen, Illusion und dramaturgische Vorhersehbarkeit – produziert worden war. Das Drehbuch, in dem es um die Aufdeckung sexuellen Missbrauchs in einer gutbürgerlichen Familie geht, schrieb er gemeinsam mit Mogens Rukov. Der Film war ein Welt­erfolg und stand am Beginn der von Vinterberg gemeinsam mit Lars von Trier begründeten Dogma-Welle.

Auch die Bühnenversion dieses Films war erfolgreich. Inzwischen haben Vinterberg und Mogens eine Fortsetzung der großen Familiengeschichte geschrieben: „Das Begräbnis“ heißt sie und kam erstmals 2010 in der Regie von Vinterberg im Wiener Burgtheater heraus. Am DT in Göttingen inszeniert jetzt Matthias Kaschig beide Stücke zusammen unter dem Titel „Fest und Begräbnis“.

Der Inhalt: Auf dem Anwesen der Familie Klingenfeldt-Hansen soll ein unvergessliches Fest stattfinden. Denn das Familienoberhaupt Helge wird 60 Jahre alt. Zu diesem Zweck reisen die inzwischen in alle Winde verstreut lebenden Kinder Christian, Michael und Helene mit ihren Lebens- oder Ehepartnern und dem eigenen Nachwuchs an. Die Stimmung scheint hin- und hergerissen zwischen Wiedersehensfreude und der Trauer über den Selbstmord von Christians Zwillingsschwester Linda. Und doch hüten die meisten ein schreckliches Geheimnis. Dieses Geheimnis, die große Lebenslüge, auf der das Leben der Kinder fußen muss, soll nicht mehr länger totgeschwiegen werden, beschließt Christian – und ergreift das Wort.

Zehn Jahre später trifft die Familie noch einmal zusammen, diesmal zum Begräbnis des Familienoberhaupts. Und wieder wird die Familie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Auf erschütternde Weise setzt sich fort, was endlich überwunden schien.

Kaschig hat sich gemeinsam mit den Schauspielern des DT daran gemacht, die schwierige Thematik des sexuellen Missbrauchs auszuloten. Pur ist die Ästhetik, die Bühne kommt mit wenigen Requisiten aus. Kaschig verzichtet auf naturalistische Darstellungen. Seine Inszenierung changiert zwischen Momenten der vermeintlichen Nonchalance, die die Familie Klingenfeldt-Hansen immer wieder anstrebt, und Augenblicken, in denen die Fassade für kurze Zeit bröckelt, ja fast einstürzt. Doch dann geht es fröhlich weiter.

Es spielen Vanessa Czapla, Gaby Dey, Angelika Fornell, Paula Hans, Andrea Strube sowie Andreas Jeßing, Gerd Peiser, Daniel Schröder, Meinolf Steiner, Ronny Thalmeyer und Paul Wenning. Die Ausstattung stammt von Mascha Mazur.

Nach der Premiere am Sonnabend, 15. Oktober, sind weitere Vorstellungen am 18., 21. und 27. Oktober sowie am 4. und 25. November jeweils um 19.45 Uhr im Deutschen Theater angesetzt. Kartenvorverkauf an der DT-Theaterkasse, Theaterplatz 11, Telefon 05 51/ 49 69 11.

Von Michael Schäfer