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Regional Biografie ohne Antoinette
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14:00 28.04.2019
Er will ihr widerstehen: Antoinette (Katharina Müller) und Kürmann (Gerd Zinck). Quelle: Haneef Baloch
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Göttingen

Würden wir unser Leben anders leben, wenn wir noch einmal von vorne anfangen dürften? Würden wir einen Punkt finden, an dem etwas grundsätzlich geändert werden kann? Max Frisch hat diese Fragen in seinem 1968 uraufgeführten Stück „Biografie: Ein Spiel“ behandelt. Fatalistisch hat er es im Nachhinein genannt. Auch mit der aktualisierten Fassung von 1984 ist er nicht so recht glücklich geworden. Für das Deutsche Theater hat sich Regisseur Christopher Haninger dem Stück gewidmet. Seine Inszenierung hatte am Freitagabend im Deutschen Theater Premiere.

Der todkranke Verhaltensforscher Hannes Kürmann (Gerd Zinck) bekommt die Chance in einer für ihn angelegten Spielordnung, sein Leben zu verändern. Er kann wählen, an welchen Punkt in seinem Leben er zurückkehren will, Entscheidungen anders treffen. Er kann aber nur seine eigenen Entscheidungen ändern, die Krebserkrankung beispielsweise nicht.

Nicht berühren

Seine Frau Antoinette (Katharina Müller) will er nicht kennenlernen, da ist er sich sicher. Die Ehe ist zerrüttet, sie hat ihn jahrelang betrogen. So ist die erste Station, in die er mit Hilfe des Spielleiters (Gregor Schleuninger) zurückkehrt, der Abend, an dem er sie kennengelernt hat. Der soll nicht in einer gemeinsamen Nacht enden, er will erreichen, dass sie geht und dass es dann heißt „Biografie ohne Antoinette“.

Wieder und wieder spielen sie diese Szene durch, er ist gerade zum Professor ernannt worden und hat das mit einer Party gefeiert. Alle Gäste sind gegangen, nur Antoinette sitzt noch auf dem Sofa, bittet um eine Zigarette, ein letztes Glas Whiskey (wunderbar kühl, elegant, herausfordernd Katharina Müller). Kürmann versucht ihr zu widerstehen, der Spielleiter schaltet sich immer wieder ein – mit der Zeit leicht genervt. „Warum berühren sie sie jetzt am Arm, lassen sie die Hände in den Hosentaschen!“ Sie probieren viel, Kürmann schafft es nicht, sie an diesem Abend gehen zu lassen.

„Aber sie fühlen sich jetzt besser!“

Sie springen in andere Szenen, vor, zurück. Seine Karriere ändert er, er lehnt die Professur ab, immer aber wird Antoinette seine Frau. Er schafft es in Auseinandersetzungen mit ihr ruhiger zu reagieren. Das Ergebnis bleibt dasselbe. „Aber sie fühlen sich jetzt besser, sie müssen sich nicht schämen, sich nicht entschuldigen“, sagt der Spielleiter eilfertig. In der ersten Fassung hatte Kürmann seine Frau bei einem Streit geohrfeigt.

Haninger, der zusammen mit Gregor Wickert (Bühne und Kostüme) bereits mehrfach fürs DT gearbeitet hat – unter anderem die schöne Inszenierung von „Das kleine Pony“ – lotet das Stück geschickt aus. In der Frage ob Komödie oder Drama widmet er sich vor allem der Versuchsanordnung Spiel. Hinter einem Pult steht der Spielleiter, per Tastendruck ist Kürmann sechs Monate weiter, zwei zurück, kann Szenen wieder löschen lassen. Mit einem Controller lässt sich das Sofa auf der Bühne (sparsam mit Möbeln der 60er Jahre bestückt) vor- und zurückfahren und drehen wie ein Karussell.

Wunderbare Besetzung

Zinck, Müller und Schleuninger sind eine wunderbare Besetzung. Zinck gibt einen durchaus selbstbewussten Kürmann, manchmal verzweifelt, dann wieder voller Hoffnung den richtigen Punkt für die entscheidende Änderung zu finden. Schleuninger überzeugt als engagierter, eifriger Spielleiter, ganz der Versuchsanordnung ergeben ebenso wie Müller als überlegene Antoinette. Trotz all der Szenenwechsel und hektisch angerauchten Zigaretten ist es ein konzentriertes Spiel bei Haninger und seinem Ensemble, dicht mit verhaltenem Humor und einer gewissen Leichtigkeit. Das Publikum belohnt die Premierenaufführung mit lang anhaltendem Applaus.

Nächste Vorstellungen:

Weitere Vorstellungen sind jeweils um 20 Uhr im DT-2 am Freitag, 3. Mai, Donnerstag, 16. Mai, und Donnerstag, 23. Mai. Karten können bestellt werden unter der Telefonnummer 0551/ 49 69-300 oder per Mail unter theaterkasse@dt-goettingen.de.

Von Christiane Böhm

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