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Regional Goldt und Göttingen
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14:59 22.03.2018
Max Goldt im Großen Haus.
Max Goldt im Großen Haus. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Viel verbindet den Schriftsteller Max Goldt mit Göttingen. Hier ist geboren und hat einen Großteil seiner Jugend verbracht. Im Jahr 2016 erhielt er den Satirepreis „Göttinger Elch“. Am Mittwochabend hat er auf der großen Bühne des Deutschen Theaters gelesen – bemerkenswert entspannt.

Vor dem Auftritt musste er noch ein wenig kämpfen – mit dem Fenster seiner Garderobe. Erst hakelte der Verschluss, dann öffnete Goldt es sperrangelweit und sog noch eine große Portion frischer Abendluft auf. solchermaßen durchlüftet betrat er ganz locker die Bühne, die er an diesem Abend mit großer Präsenz locker füllte.

Goldt kann sehr anstrengend sein. Wenn er keinen Lust hat auf einen Auftritt, so lässt er das das Publikum schon mal spüren. Dann kann er sehr mürrisch sein Programm abspulen. Das allerdings war diesmal im Deutschen Theater ganz anders – obwohl der große Saal längst nicht ausverkauft war.

Vor allem aus seinem jüngsten Buch las er: „Lippen abwischen und lächeln“, erschienen 2016. Der Untertitel des Werks verrät vieles über den Inhalt: „Die prachtvollsten Texte von 2003–2014 (und einige aus den Neunzigern)“. Stark überarbeitet seien einige der Stücke im Laufe ihres Leselebens, verriet Goldt. Doch der Tenor bleibt wie bei seiner Abrechnung mit der Energiesparlampe, die ja heute nicht mehr so schlecht sei wie nach der Abschaffung der von ihm so geschätzten Glühbirne, erzählte Goldt. Der Einzug in eine neue Wohnung mit ungewohntem Inventar – „Ich singe ein Couplet, ich habe ein Bidet“ – bietet den Rahmen für allerlei launige Wendungen über Lesben, Putzen, Tippsen und Petzen, alles könnte auch Nebenflüsse der Leine sein, sagte Goldt, und eben Lampen-Designer, Energiesparlampen und „Creative mit C“.

Erste Kicherer erklingen iim Saal, es werden mehr. Goldt liefert keine Brüllwitze oder Schenkelklopf-Komik. Er ist der feine Beobachter des Abseitigen und zudem ein Mann des feinen Wortes. Er schreibt sehr kultiviert und erlesen und liest sehr pointiert und inzwischen auch mit restaunlichen Sprecherqualitäten. Es bereitet großes Vergnügen, ihm dabei zu folgen, vor allem, wenn auch Goldt Lust hat.

Die Schlange nach der Lesung am Signiertisch war dann allerdings erstaunlich kurz. An der Qualität des Abends kann das kaum gelegen haben. Wahrscheinlich haben inzwischen einfach die meisten Goldt-Fans ihr Autogramm mit Widmung.

Von Peter Krüger-Lenz

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