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Regional Maximilian Ponader inszeniert Mozarts Oper „Don Giovanni“
Nachrichten Kultur Regional Maximilian Ponader inszeniert Mozarts Oper „Don Giovanni“
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00:17 14.08.2013
Vor romantischer Burg-Kulisse: Das „Don Giovanni“-Ensemble wird vom Premierenpublikum in Wernigerode lautstark gefeiert. Quelle: Schäfer
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Wernigerode

Regisseur und Ausstatter Maximilian Ponader vertraut also zu Recht auf die Magie des Ortes, dem mindestens ein Viertel des Premierenapplauses gebührt hätte. Er vertraut zum zweiten auf Urkräfte des Theaters – auf das Spiel mit der Maskerade, auf das Vergnügen, das entsteht, wenn das Spiel nicht die Wirklichkeit imitiert, sondern als Spiel erkennbar bleibt: Etwa dann, wenn der frisch getötete Komtur die ihn betrauernden Akteure quick­lebendig mit den Fingern piekst.

Allerdings führt Ponader  sein Ensemble bisweilen ein wenig nachlässig oder gar nicht. Und seine Versuche, das Publikum in die Aktion einzubeziehen, sind nicht zu Ende gedacht: So sind sowohl das gemeinsame Menuett im Burghof als auch der zwar vorbereitete, aber am Ende überhaupt nicht in die Wege geleitete gemeinsame Schluss­chor zur Höllenfahrt des Helden mit einigen Peinlichkeiten gespickt. Schade. Immerhin bereitet die Schminkaktion – jeder Zuschauer wird beim Einlass mit einer kleinen weißen Wangen-Dekoration geschmückt – Spaß.

Profunder Bass und ansteckende Spiellaune

Weiß ist auch die Grundfarbe der meist sehr ansehnlichen Kostüme (Julia Debus), die in hübschem Kontrast zu den dunklen Winkelzügen des strahlenden (Weiber-)Helden steht. Christian Oldenburg findet eine gute Mitte zwischen der Fiesheit der Titelfigur und ihren sympathischen Zügen, sein Bariton ist markant, dunkel gefärbt, aber auch in der Höhe beweglich. Ihm zur Seite steht, kraftvoll und agil, Jani Kyllönen als Diener Leporello, dessen Bariton noch eine Spur schwärzer ist als der seines Herrn. Unter den übrigen männlichen Partien ragt Lukasz Konieczny als Masetto mit seinem profunden Bass und ansteckender Spiellaune hervor. Per-Anders Hedlund verleiht dem Komtur eindrucksvolle Konturen, Alexey Egorovs Don Ottavio bleibt dagegen stimmlich und auch darstellerisch blass.

Die aus Göttingen stammende Sopranistin Theresa Sommer gestaltet bewegend die Partie der Donna Anna mit ihrem durchsetzungsstarken, aber auch immer wieder bemerkenswert leicht eingesetzten Sopran.  Leichte Schärfen stören hier und da bei Anna Baxter (Donna Elvira) den musikalischen Genuss, während der federleichte, höhenfreudige Sopran von Alison Scherzer perfekt zur Rolle der Zerlina passt.

Nicht ganz pannenfreier Premierenabend

Wie stets bei den Schlossfestspielen ist das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode unter der animierenden Leitung von Christian Fitzner ein hoch engagierter, verlässlicher Partner des Ensembles. Das musikalische Niveau der Choristen entsprach allerdings nicht in jeder Hinsicht ihrem großen Engagement. Am Ende des angenehm temperierten, nicht ganz pannenfreien Premierenabends gab es viel Applaus im fast ausverkauften Rund.

► Termine: Dienstag, 13., Mittwoch, 14., Sonnabend, 17., und Sonntag, 18. August, um 19.30 Uhr im Schloss Wernigerode. Dauer: rund drei Stunden. Karten unter Telefon 0 39 43 / 5 53 78-35 und unter pkow.de

Von Michael Schäfer