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Regional Meditativer Wohlklang der Renaissancezeit
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18:04 19.09.2011
„Sing joyfully“: Göttinger Vokalensemble präsentiert Musik des elisabethanischen Zeitalters.
„Sing joyfully“: Göttinger Vokalensemble präsentiert Musik des elisabethanischen Zeitalters. Quelle: Heller
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Chorleiter Andreas Jedamzik thematisiert in seiner Begrüßung die kulturelle Blütezeit unter der Herrschaft von Elisabeth I. von England. In ihrer Herrschaftszeit von 1559 bis 1603 wirkte unter anderem der Dichter William Shakespeare und „von der musikalischen Vielfalt her, hatte England die interessantestes Renaissance“, so Jedamziks persönliche Meinung.

Einer der prägendsten und bedeutendsten Komponisten dieser Zeit war William Byrd, der zusammen mit seinem Berufskollegen Thomas Tallis von Elisabeth I. das Vorrecht des Monopols für Notendruck erhielt. Sein Chorwerk „Ne irascaris domine“ wird mit großer Achtsamkeit und Wohlklang dargeboten, „Sing joyfully“ erklingt im Gegensatz dazu kraftvoll und mit viel Verve und hebt sich vom Großteil der eher meditativen – manchmal bis ins Sphärische reichenden – Stücke des Konzerts deutlich ab.

Im Chor singen auch Katharina Kraus, Philip Lehmann und Joachim Kurowski, die sich immer wieder aus der Gruppe lösen, um den Abend mit Musik für drei Bratschen zu bereichern. Eingerahmt von ihren Mitsängern und auch sonst optisch schön arrangiert bringen die drei Musiker eine Messe von Byrd zu Gehör, die vom Komponisten und Bratschisten Xaver Paul Thoma (*1953) für drei Solo-Bratschen gesetzt wurde und zuweilen etwas zu hauchig und behutsam erklingt.

Dies gilt auch für die sängerische Leistung bei „When David heard“ von Thomas Tomkins, einem Schüler Byrds und aus einer namhaften englischen Musikerfamilie stammend. Brillant und mit großer Ausgewogenheit in den einzelnen Stimmen singt der Chor jedoch das Hauptwerk des Konzerts: „Eight Tunes from Archbishop Parker’s Psalter“ von Thomas Tallis, das sich als roter Faden durch den Abend zieht. Tallis vertonte eine Auswahl biblischer Psalmen, die Erzbischof Matthew Parker 1567 in englisches Versmaß umgeschrieben hatte, und die in Deutschland nahezu unbekannt sind. Mit einer Zugabe von Tallis endet der rund 90-minütige lohnende Ausflug ins England des 15. und 16. Jahrhunderts.

Von Marie Varela