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Regional Mehr Geld von den Großen, aber zu viel von den Kleinen
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17:34 16.07.2009
Manchmal ein Zuschussgeschäft: Konzerte im Göttinger Nörgelbuff. Hier die Gruppe „Seedcake“ im Oktober 2008.
Manchmal ein Zuschussgeschäft: Konzerte im Göttinger Nörgelbuff. Hier die Gruppe „Seedcake“ im Oktober 2008. Quelle: Mischke
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Mehr als 100000 Menschen haben bislang diese Petition unterzeichnet, über 1300 Meinungsäußerungen sind auf der Website abzurufen. Die Mitzeichnungsfrist endet heute. Die Gema soll dafür sorgen, dass Komponisten und Texter für die Nutzung ihrer Arbeit Geld bekommen. Offenbar aber funktioniert das Verfahren nicht so, wie es soll. Anders lässt sich die große Resonanz auf Bestles Initiative nicht erklären.

Von einer Gebührenerhöhung für alle Veranstalter in Höhe von 600 Prozent war in den vergangenen Monaten gerüchteweise die Rede. Das stimmt nicht: Vor allem Großveranstalter will die Gema künftig mehr zur Kasse bitten. Konzerte mit bis zu 3000 Personen kosten bislang 2,4 Prozent der Umsätze, von 2014 an sollen es etwa 10 Prozent sein. Kleinere Veranstalter sollen von solchen Erhöhungen verschont werden, hat Gema-Vorstandschef Harald Heker auf einer Pressekonferenz in München versichert.

Die Probleme der kleinen Veranstalter kennt Michael Schluff, Leiter des Rockbüros Göttingen und für Konzerte im Nörgelbuff zuständig, genau. „Wenn wir mit den Eintrittspreisen unter 10 Euro bleiben, müssen wir bei einer Raumgröße unter 200 Quadratmetern 20 bis 30 Prozent der Einnahmen an die Gema entrichten. Und wenn wir eine Spielstunde bei freiem Eintritt veranstalten, müssen wir trotzdem die Mindestgebühr von 21,50 Euro entrichten. Das ist ein Zuschussgeschäft.“

Schluff verteufelt die Gema nicht generell: „In Hannover gibt es tolle Sachbearbeiter, die uns gern helfen. Und es gibt auch eine Menge legaler Möglichkeiten, Gebühren zu sparen: etwa Sondertarife für Musikschulen, Benefizkonzerte oder Bildungsveranstaltungen. Das Problem aber ist, dass diese Sonderpreise im Gema-Tarifdschungel schwer zu finden sind. Außerdem sind die Kriterien, um an diese Vergünstigungen zu kommen, sehr eng gesteckt.“

Gebühren ja, Leistung nein

Geradezu absurd, so Schluff, wirken sich die Gema-Bestimmungen bei Musikern aus, die theoretisch selbst Leistungen von der Gesellschaft erhalten müssten, sie aber praktisch nicht bekommen. „Wenn ich nur hier in der Region sporadisch Konzerte mache und dadurch die Mindestanzahl von Auftritten unterschreite, bekomme ich keine Zahlung. Der Veranstalter aber muss dennoch Gebühren für mich an die Gema entrichten.“

Das Göttinger Symphonie Orchester hat sich bislang an der Debatte nicht beteiligt. Eine Kostensteigerung dürfte aber auf jeden Fall auch auf diese Institution zukommen.

Als Anlass für die Gema-Tarifsteigerung vermutet Schluff vor allem die Umsatzeinbrüche im Tonträgerbereich. Die müssten im Livegeschäft kompensiert werden. Die Gema selbst gibt als Grund für die Erhöhung lediglich an, die Tarife seien „schon lange nicht mehr angemessen“.

Von Michael Schäfer

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