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Regional Meiswinkels Konstruktivismus
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00:23 24.03.2018
Analyse des Künstlerkollegen Erhart Schröter: Konstruktivistische Bilder von Martin Meiswinkel im Weißen Saal des Künstlerhauses.
Analyse des Künstlerkollegen Erhart Schröter: Konstruktivistische Bilder von Martin Meiswinkel im Weißen Saal des Künstlerhauses. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Schlichte geometrische Gestaltungselement sind die wesentlichen Gestaltungselemente, die Meiswinkel einsetzt, oft auch noch reduziert auf eine L-Form, aufrecht oder gekippt. Er malt diese Formen auf Papier, auf Leinwand, auf MDF- oder Holzplatten und auch direkt auf die Wand. Manchmal collagiert er diese Formen auch oder baut aus ihnen Wandobjekte. Dabei beruft er sich auf konstruktivistische Strömungen in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Farblich konzentriert sich Meiswinkel auf Weiß in diversen Nuancen und einige Brauntöne. „Kronos“ heißt seine Ausstellung auch, weil er Titanweiß der Firma Kronos verwendet. Generationen von Malern haben damit gearbeitet. Er trägt das Material mal mit dem Spachtel sehr pastos und deckend auf, auf angrenzenden Flächen so stark verdünnt, so dass der Malgrund durch die lasierende Fläche scheint. Bisweilen reicht ihm auch das Weiß herkömmlichen Papiers.

Mit dieser Reduzierung auf das Wesentliche lotet Meiswinkel kunstimmanente Themenbereiche aus. So geht er der Frage nach, ab welchem Moment aus dem Zusammenspiel von Farbmasse und Malgrund ein Bild wird und wann es vollendet ist. Seine Kunst ist eine fortlaufende Versuchsreihe, die die Möglichkeiten intensiv ausreizt, aus einer zweidimensionalen Bildfläche dreidimensionale Räume zu entwickeln und die wiederum direkt in den realen (Ausstellungs-)Raum hineinzutragenden.

Meiswinkel legt seine Werke gewissenhaft in einem Skizzenbuch an. Er plant minutiös, und wenn wie in einem seiner Werke Bleistift-Striche der Bildanlage zu sehen sind, geschieht das nicht aus Versehen, sondern mit Bedacht. Doch er lässt auch dem Zufall Raum, wenn auch nur einen kleinen. So integriert er gelbliche Spuren der Ölfarbe, die sich ungesteuert über einen längeren Zeitraum hinweg auf Papier ausbreiten.

Für die Schau im Weißen Saal hat Meiswinkel die Werke eigens angefertigt – ein Arbeitsprinzip. Denn der Künstler reagiert mit seinen Arbeiten auf die Umgebung, in der sie ausgestellt werden. Den Schattenwurf der Tür zum Flur beispielsweise hat in benachbarten Arbeiten aufgenommen. Die Einzelwerke fügen sich mit dem Saal zu einem sehr harmonischen Gesamtwerk.

Bemerkenswert, wie der in Köln lebende Künstler bei aller Beschränkung auf wenige künstlerische Mittel einen großen Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten vorführt. Dass er dabei fokussiert bleibt auf kunstimmanente Fragestellungen, mögen die einen als arg eingeschränkt empfinden. Die Sicherheit und Variabilität, mit der Meiswinkel dieses begrenzte Feld beackert, ist allerdings erstaunlich.

Die Ausstellung „Kronos“ von Martin Meiswinkel läuft bis Sonnabend, 14. April im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Sie ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Peter Krüger-Lenz

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