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Regional „… für das Leben einer Frau, die singt.“
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14:00 27.10.2017
Die französische Chanson-Sängerin Barbara. Quelle: r
Göttingen

Die Göttinger Stadtverwaltung hat die deutsche Version als Warteschleifenuntermalung in ihren Telefonservice übernommen, so dass man, wenn man will, den anrührenden Text gegen den Krieg und für die Völkerverständigung täglich hören kann.

Das nun im Göttinger Wallstein-Verlag erschienene Buch „Es war einmal ein schwarzes Klavier... Unvollendete Memoiren“ erzählt auch die Geschichte, wie der Gründer des Jungen Theaters, Hans-Gunther Klein, die Sängerin bei einem mehr zufälligen Besuch in der Bar „Ecluse“ in Paris 1964 mit „dickköpfiger Beharrlichkeit“ engagieren konnte. Sie und ihre Familie hatten unter der deutschen Besatzung außerordentlich gelitten, viele Freunde waren in Konzentrationslagern umgebracht worden. Nach Deutschland wollte sie also nicht kommen.

Klein gelang es schließlich, sie zu überreden, und holte sie im Juli 1964 zu einem Auftritt in sein Junges Theater. Ihre Darbietung wurde nach einigen technischen Schwierigkeiten, das rumpelige Kastenklavier gegen einen eleganten schwarzen Salonflügel auszutauschen, ein Riesenerfolg. Sie verliebte sich in die Universitätsstadt mit ihren „blondschöpfigen kleinen Kindern“ und „kritzelte“, wie sie schrieb, den Text des Göttingen-Chansons so vor sich „hin“, um es am letzten Abend ihres Aufenthaltes „… unter Entschuldigungen – vor(zu)lesen und zu einer noch unfertigen Melodie“ zu singen.

Leider unterläuft, wie seit Jahren in Göttingen immer wieder auch hier der Fehler, dass eine Textfassung, die Barbara wohl später den Schülern der Voigt-Realschule geschickt hatte, als „erster Textentwurf“ präsentiert wird. Die wirklich erste „hingekritzelte“ Fassung hing bis zu seinem Tod hinter dem Schreibtisch des „Scheffs“, wie Klein genannt wurde, und war danach verschwunden.

Wichtiger als die Episode in Göttingen ist in den Memoiren die Beschreibung der harten Arbeit, die es benötigte, um aus der kleinen, musikbegeisterten Monique Andree Serf, so ihr bürgerlicher Name, die große Barbara zu machen. Dies und eine schier endlose Reihe von französischen und belgischen Chansoniers, denen sie dabei begegnete, mit denen sie in ebenso zahlreichen Bars und kleinen Theatern in Paris und Brüssel arbeitete. Allein dafür lohnt sich schon die Lektüre der Memoiren. Über die Arbeit an ihren eigenen Chansontexten schreibt sie, dass sie fühlt, „… wie sich in mir die Worte bewegen und strampeln. Sie wollen heraus, die Worte.“ Die „unterbrochenen“ Erinnerungen können viele, die das Buch zur Hand nehmen, nun mit ihren eigenen Erinnerungen an Barbara, an das Junge Theater und an die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auffüllen, insofern hat die Übersetzung des französischen Titels „unvollendete“ Memoiren einen besonderen Sinn.

Es ist schon erstaunlich, wie lange es gedauert hat, bis nach dem Erscheinen der französischen Erstausgabe 1978 der „Memoire interrompus“ der großen französischen Sängerin Barbara (1930–1997) eine deutsche Übersetzung vorgelegt worden ist. Annette Casasus ist dabei eine hervorragende und einfühlsam übertragene deutsche Fassung gelungen, die der Göttinger Wallstein-Verlag in einer sehr schön gestalteten Ausgabe nun präsentiert hat.

Barbara: Es war einmal ein schwarzes Klavier… Unvollendete Memoiren, Hrsg von Andrea Knigge, aus dem Französischen übersetzt von Annette Casasus. Göttingen: Wallstein, 2017, 200 Seiten, 18,90 Euro.

Von Günter Blümel

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